Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
In Ihrem heutigen Briefing geht es hauptsächlich um Geld. Die Lohnkosten des Bundes steigen, der Milchpreis fällt, und die Arbeitslosigkeit in der Schweiz dürfte dieses Jahr erstmals seit zwei Jahren wieder etwas abnehmen.
Ausserdem gehen wir der Frage nach, warum Aussenminister Ignazio Cassis nach seinem Ukrainebesuch laut der OSZE am Freitag in Moskau erwartet wird.
Herzliche Grüsse aus Bern
Der Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis ist als OSZE-Vorsitzender nach Kiew gereist, um die Rolle der Organisation als Friedensplattform zu stärken. Inmitten einer tiefen Krise der OSZE sucht er den direkten Dialog mit der Ukraine und Russland, um für einen möglichen Waffenstillstand bereit zu sein.
Aussenminister Ignazio Cassis hatte im Januar am World Economic Forum (WEF) in Davos die Notwendigkeit betont, dass die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im Fall einer Waffenruhe innerhalb von 24 bis 48 Stunden Überwachungsteams vor Ort haben müsse. Damit will er laut der Neuen Zürcher Zeitung die Organisation als unverzichtbares technisches Instrument für die Umsetzung künftiger Friedensabkommen positionieren, ungeachtet der aktuellen politischen Blockaden.
Nach den Gesprächen mit Präsident Wolodimir Selenski soll Cassis gemäss russischen Angaben am Freitag den russischen Aussenminister Sergei Lawrow treffen. Die OSZE hat dies unterdessen bestätigt. Ziel ist es, Wege aus der Existenzkrise der OSZE zu finden, die durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine und die damit verbundene Polarisierung gelähmt ist – etwa bei Budgetentscheidungen.
Zentrale Verhandlungen finden gegenwärtig nicht in der Schweiz, sondern in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder der Türkei statt. Die Schweiz kämpfe unter der aktuellen US-Regierung darum, ihr traditionelles Profil als Vermittlerin zu wahren, während neue diplomatische Akteure an Einfluss gewinnen, die sich weniger an klassische Lehrbücher halten würden, so die NZZ.
130’000 Franken Durchschnittslohn – beim Bund ist das Realität. Doch eine Reform ab 2027 soll alles ändern. Warum die Löhne für Berufseinsteigende trotz Spardruck massiv steigen und was das für den Arbeitsmarkt bedeutet, beleuchtet heute der Tages-Anzeiger.
Derzeit verdienen Bundesangestellte im Schnitt über 10’000 Franken pro Monat, was rund 11,6% über vergleichbaren Löhnen im Privatsektor liegt. Ein Teil der Angestellten profitiert von jährlichen Lohnerhöhungen von bis zu 4%. Diese Automatismen geraten zunehmend unter Druck, da sie als Wettbewerbsverzerrung gegenüber privaten Arbeitgebern wahrgenommen werden.
Ab 2027 will der Bund nun ein marktorientiertes System einführen. Überraschenderweise steigen dabei die Einstiegslöhne aber massiv an, um junge Talente trotz einer flacheren Lohnkurve im weiteren Karriereverlauf anzulocken. Dies verursacht im Einführungsjahr Mehrkosten von etwa 10 Millionen Franken, während erst mittelfristig Einsparungen von 35 Millionen Franken erwartet werden.
Wirtschaftsvertreter wie UBS-Chef Sergio Ermotti kritisieren, dass der Bund durch hohe Löhne und sichere Jobs Fachkräfte direkt nach dem Studium abwerbe. «Wir müssen dafür sorgen, dass mehr gut ausgebildete Leute in der Privatwirtschaft arbeiten und dort den Fachkräftemangel lindern», sagt er gegenüber dem Tages-Anzeiger.
Nach zwei Jahren steigender Arbeitslosigkeit deutet 2026 alles auf eine Wende hin. Aktuelle Indikatoren zeigen eine graduelle Erholung und eine spürbare Belebung der Stellenaussichten.
Während das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Arbeitslosenquote in der Schweiz bei 3% ansiedelt, liegt der international vergleichbare Wert der Internationalen Arbeitsorganisation ILO bei 5% – ein Anstieg, der in seiner Intensität an die Finanzkrise von 2008 erinnert. Dennoch mehren sich die Anzeichen für eine Entspannung auf dem Stellenmarkt: Das KOF-Konjunkturbarometer sowie der Beschäftigungsindikator steigen seit mehreren Monaten wieder an, wie Watson berichtet.
Grund für den Optimismus ist vor allem die verbesserte Erwartungshaltung der Unternehmen. Aktuell planen wieder mehr Firmen einen Stellenaufbau als einen Abbau. Besonders das Baugewerbe erweist sich als Motor der Erholung und erreicht Höchstwerte, während der Detailhandel und die Gastronomie noch hinterherhinken.
Insgesamt zeichnet sich für 2026 ein Bild der vorsichtigen Zuversicht ab. Die Schweizer Wirtschaft scheint die Talsohle durchschritten zu haben, auch wenn die Erholung je nach Branche sehr unterschiedlich ausfällt.
Sinkende Milchpreise klingen verlockend, doch sie sind Symptom einer Krise: Die Schweiz produziert viel zu viel Milch. Ein System ohne wirksame Mengensteuerung treibt Bäuerinnen und Bauern in die Verzweiflung und lässt Butterberge wachsen, während wertvolle Ressourcen verschwendet werden.
Dank idealem Wetter und hochwertigem Futter produzierten Schweizer Kühe letztes Jahr 126 Millionen Kilogramm Milch zu viel. Da auch die EU mit Überschüssen kämpft, sinken die Preise weltweit. Um den heimischen Markt zu entlasten, wird Schweizer Butter nun mit Millionenbeträgen subventioniert und zu Tiefstpreisen ins Ausland exportiert – ein verzweifelter Abbau von Überbeständen.
Systemkritiker wie Werner Locher, Sekretär der Bäuerlichen Interessengemeinschaft für fairen Milchmarkt, betonen, die Landwirtschaft habe nach der Abschaffung der Quoten 2009 keine «Bremse» mehr. Die Produktion ist auf Steigerung ausgelegt, und ein einzelner Betrieb kann kaum kurzfristig reagieren. Wer künftig mehr als 105% der Vorjahresmenge liefert, erhält für den Überschuss nur noch etwa 20 Rappen – weit unter den Produktionskosten.
Für viele Bäuerinnen und Bauern ist die Krise existenzbedrohend und emotional belastend. Den Tierbestand zu reduzieren, um die Schwemme zu stoppen, wird oft als letzter, schmerzhafter Ausweg gesehen. Diese Entwicklung könnte dazu führen, dass eine graslandbasierte Landwirtschaft verloren geht, wie Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz, gegenüber SRF sagt.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards