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Personen zünden Kerzen nach einem Femizid

Heute in der Schweiz

Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

Gewisse Destinationen lassen Schweizerinnen und Schweizer davon träumen, sich im Ausland niederzulassen. Doch der Traum kann plötzlich zum Albtraum werden, wie das Beispiel Dubai zeigt.

Aber auch in der Schweiz ist die Lage nicht mehr so idyllisch wie früher, insbesondere wegen der zunehmenden Gewaltbereitschaft.

Gute Lektüre!

schwarze Rauchsäule in Dubai
Rauch nach einer Explosion unweit des internationalen Flughafens von Dubai. Keystone

Der Konflikt im Nahen Osten hat Folgen für Dubai, die Anziehungskraft der Wüstenmetropole nimmt stark ab. Viele Ausländer:innen, die sich dort wegen der sehr vorteilhaften steuerlichen Bedingungen niedergelassen haben, wollen die Stadt nun verlassen – sie liegt in Reichweite iranischer Raketen und Drohnen.

Das Phänomen betrifft auch Schweizer Expats. Gemäss offiziellen Statistiken leben rund 5400 Schweizer:innen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Behörden können nicht sagen, wie viele die Region bereits verlassen haben. Auch wenn der Exodus nicht massiv ist, findet er statt. Der Blick zitiert etwa das Beispiel von Adel Abdel-Latif. Der Arzt und Unternehmer sowie ehemaliger Mister Schweiz hat beschlossen, mit seiner Familie Dubai in Richtung Thailand zu verlassen.

Schweizer Ausgewanderte könnten eine Rückkehr in die Schweiz in Erwägung ziehen. «Falls sich der Konflikt in die Länge ziehen sollte, ist es wahrscheinlich, dass viele versucht sein werden, zumindest für eine gewisse Zeit in die Schweiz zurückzukehren; da beginnen die steuerlichen Komplikationen«, warnt der Professor und Steueranwalt Xavier Oberson im Interview mit 24 Heures.

Die Steuerbehörden könnten bei Rückkehrenden prüfen, ob diese ihren Lebensmittelpunkt tatsächlich nach Dubai verlagert hatten. Dazu greifen sie teilweise auf intrusive Methoden zurück, etwa Strom- oder Kreditkartenabrechnungen. Falls sich herausstellt, dass der Umzug in die Emirate nur fiktiv war, droht eine steuerliche Neuqualifizierung mit Nachbesteuerungen über zehn Jahre und saftigen Bussen, so Oberson.

Matteo Cocchi
Aus Sicht des Kommandanten der Tessiner Polizei, Matteo Cocchi, steigt die Gewaltbereitschaft in der Schweiz. Keystone / Ti-Press / Massimo Piccoli

Menschen, die vor dem Konflikt im Nahen Osten fliehen, könnten versuchen, in die Schweiz zu kommen – ein Land, das vielerorts noch immer als sicherer Hafen gilt. Dieses Bild trifft zwar grösstenteils zu, wird aber durch die neusten Statistiken getrübt, die zeigen, dass die Gewalt in der Schweiz tendenziell zunimmt.

Das Bundesamt für Statistik hat am Montag bekannt gegeben, dass im Jahr 2025 in der Schweiz 554’963 Verstösse gegen das Strafgesetzbuch registriert wurden – 1,5% weniger als im Vorjahr. Mit einem Rückgang von 5,3% bleibt der Diebstahl mit 154’041 Fällen die häufigste Straftat. Doch auch wenn die Gesamtzahl der Delikte leicht gesunken ist, gilt dies nicht für die Schwere der Taten.

Während andere Kategorien rückläufig sind, nehmen die Gewaltstraftaten weiter zu: 49’915 Fälle, das sind +2% im Jahresvergleich. Besonders stark ist der Anstieg bei schweren Gewaltdelikten (+8,1%). Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 55 Tötungsdelikte registriert (davon 32 an Frauen). Diese Zahl liegt über dem Durchschnitt von 48 pro Jahr seit 2009, hält das BFS fest.

«Häusliche Gewalt, Gewaltdelikte und die Gewaltbereitschaft im Allgemeinen steigen», sagt Matteo Cocchi, Kommandant der Tessiner Polizei und Präsident der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten, in einem Interview mit CH Media. «Dies hängt teilweise mit Veränderungen in der Gesellschaft zusammen. Die Menschen sind nervöser, werden schneller wütend und reagieren aggressiver.»

Schweizer Soldaten in einer Reihe
Eine gute Strategie reicht nicht aus, um allen Bedrohungen zu begegnen. Keystone / Anthony Anex

Die Schweizer:innen haben nicht besonders viel Vertrauen in ihre Armee. Gemäss einer Umfrage, die das Institut Sotomo Ende letzten Jahres durchgeführt hatte, zweifeln mehr als drei Viertel der Befragten daran, dass die Schweiz militärisch ausreichend vorbereitet ist, um auf Bedrohungen zu reagieren.

Im Detail sind 73% der Befragten der Meinung, dass die Armee nicht in der Lage ist, wirksam auf einen konventionellen militärischen Angriff zu reagieren. Bei sogenannten hybriden Angriffen – also einer Kombination aus klassischen Angriffen, Cyberattacken oder Desinformationskampagnen – fällt das Ergebnis noch deutlicher aus: 80% finden, die Armee sei nicht bereit.

Die Umfrage zeigt zudem, dass sich die Schweizer Bevölkerung eine stärkere internationale Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen wünscht. Eine engere Zusammenarbeit mit den Nachbarländern wird deutlich begrüsst (72% Zustimmung), ebenso mit der Europäischen Union (56%) und der NATO (53%). Gleichzeitig wünschen sich die Befragten mehr Distanz zu Russland (72%), China (50%) und den Vereinigten Staaten (46%).

Dennoch kann die Armee auch positive Aspekte aus den Umfrageergebnissen mitnehmen. Eine Mehrheit der Befragten befürwortet, das Armeebudget bis 2030 auf 2% des BIP zu erhöhen. Zudem ist eine Mehrheit der Ansicht, nicht in einem direkt bedrohten Land zu leben, sondern «in einem Land, das seine Situation mit Klarheit einschätzt».

Schweizerkreuz mit Schriftzug Swissmade
Bislang musste ein Produkt überwiegend in der Schweiz hergestellt worden sein, um das Schweizerkreuz tragen zu dürfen. Keystone / Jean-Christophe Bott

Die Zürcher Marke On gewinnt den Swissness-Streit und darf ein Schweizerkreuz auf ihren Schuhe anbringen, auch wenn diese nicht in der Schweiz hergestellt werden. Gemäss der NZZ hat das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum unter bestimmten Bedingungen die Regeln zur Verwendung des nationalen Symbols gelockert.

Bisher musste ein Produkt mehrheitlich in der Schweiz hergestellt werden, um das Schweizerkreuz tragen zu dürfen – das Symbol für «made in Switzerland». Design oder Entwicklung im Inland reichten dafür nicht aus. Die Zürcher Firma On, die ihre Schuhe in Asien produziert, hat diese trotzdem mit einem Schweizerkreuz versehen, konnte diese Modelle jedoch nur im Ausland verkaufen.

Nach jahrelangen Verfahren hat On beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum nun teilweise Recht erhalten. Künftig könnten in der Schweiz konzipierte Produkte das Kreuz tragen, auch wenn sie im Ausland hergestellt werden. Allerdings gelten Bedingungen: Das Kreuz muss von bescheidener Grösse sein und neben der Angabe «Swiss Engineering» stehen.

Möglicherweise ist das letzte Wort in dieser Sache noch nicht gesprochen. Die Schuhherstellerin Künzli hat angekündigt, alle möglichen Rechtsmittel zu prüfen. Die neue Praxis könne Unternehmen benachteiligen, die tatsächlich in der Schweiz produzieren. Sie «öffnet allen Unternehmen, die keinerlei Verbindung zur Schweiz haben, den Weg zur Verwendung des Schweizerkreuzes», so die Firma Künzli.

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