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Ein grosses Tanklager in einem Wald

Heute in der Schweiz

Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

Die Schweiz schlittert auf eine Kerosinknappheit zu: Die Vorräte in den riesigen Tanks reichen nur noch für 72 Tage; 90 sollten es mindestens sein. Trotzdem gibt sich die Branche gelassen.

Und der Schweizer Alpen-Club meldet für 2025 ein Rekordjahr an Übernachtungen. Wir verraten Ihnen nicht nur die Zahlen, sondern auch, welche Hütte letztes Jahr die beliebteste war.

Herzliche Grüsse aus Bern

Grosse, weisse Tanks, fotografiert von oben
Einige Tanks des Tanklagers Mellingen im Kanton Aargau. Keystone / Claudio Thoma

Stellen Sie sich vor, die Schweiz bereitet sich auf eine globale Energiekrise vor, doch in den Tanks der Pflichtlager für Flugbenzin ist weniger drin als vorgesehen. Während die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zunehmen, unterschreiten die Kerosinvorräte der Schweiz aktuell die gesetzliche Norm.

Obwohl das Gesetz eine Reserve für 90 Tage vorschreibt, räumte ein Sprecher des Bundesamts für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) ein, dass die Vorräte aktuell nur für 72 Tage reichen. Diese Lücke ist brisant, da die Reserven eigentlich als Puffer für Krisenfälle dienen sollen, wie sie durch die angespannte Lage im Nahen Osten und das Hin und Her um die Blockade der Strasse von Hormus drohen könnten.

Der Grund für den Fehlbestand ist ein Erbe der Coronavirus-Pandemie: Die Lieferketten kamen nach den Lockdowns ins Stocken. Doch während der Flugverkehr anschliessend rasant anstieg, hinkte die Wiederauffüllung der Lagerbestände hinterher. Dieser Zeitverzug führt nun dazu, dass die Schweiz in einer Phase globaler Unsicherheit mit reduzierten Reserven dasteht.

Trotz der Unterschreitung der Vorräte zeigt sich die Branche betont gelassen. Carbura-Direktorin Andrea Studer erklärte gegenüber dem Westschweizer Fernsehen RTS, dass die aktuellen Bestände bei einem totalen Importstopp drei Monate halten würden. Sollten die Importe lediglich um 25 Prozent sinken, könnten die Vorräte durch gezielte Bewirtschaftung sogar auf bis zu zwölf Monate gestreckt werden.

Verladung von Früchten in Kisten in einen Lastwagen
Weil fast drei Viertel aller Lebensmittelimporte der Schweiz aus der EU stammen, sind die hiesigen Detailhändler ebenfalls von einer Sperrung der Strasse von Hormus betroffen. Keystone / Andreas Becker

Was die Strasse von Hormus betrifft, hat das Radio und Fernsehen der italienischsprachigen Schweiz heute eine grössere Recherche darüber publiziert, welchen Einfluss diese Meerenge weltweit auf die Lebensmittelversorgung und die Landwirtschaft hat.

Die Strasse von Hormus bewegt ein Viertel des Welterdöls. Die Meerespassage ist aber ebenso entscheidend für Dünger, ein Drittel des Welthandels passiert dieses Nadelöhr. Ohne diesen sinken die Erträge, was das Essen weltweit verknappt und verteuert.

Die Schweiz kauft kaum Dünger direkt im Golf. Doch laut der Recherche von RSI stammen 73% unserer Lebensmittelimporte aus der EU. Da deren Landwirtschaft massiv von diesen Rohstoffen abhängt, hat die Krise im Golf indirekt, aber spürbar auch Auswirkungen auf unsere Supermärkte.

Während reiche Staaten wie die Schweiz die Preise abfedern können, bedroht eine Blockade direkt die Ernährungssicherheit in Afrika. Die Strasse von Hormus ist kaum zu umgehen. Ein Konflikt in dieser Region wirkt als Brandbeschleuniger für globale Instabilität weit über die Energiemärkte hinaus.

Ein Mann sitzt in einem Tower an einem Flughafen hinter mehreren Bildschirmen
Ein Mitarbeiter von Skyguide im Tower am Flughafen Zürich. Keystone / Gaetan Bally

Wir bleiben gleich noch beim Thema Transport: Die Flugsicherung Skyguide am Flughafen Zürich musste heute wieder zum «Handbetrieb» greifen. Am Flughafen herrschte Aufregung, als ein Systemfehler die Kapazität drastisch senkte – ausgerechnet dann, als auch das Wetter nicht mitspielte.

Wenn digitale Systeme streiken, wird es in der Luftfahrt analog. Da ein Assistenzsystem für verspätete Landungen unzuverlässige Daten lieferte, mussten die Fluglotsinnen und -lotsen in Zürich auf manuelle Übergabeverfahren ausweichen. Dieses bewährte, aber zeitintensive Prozedere führte dazu, dass Skyguide die Anflugkapazität vorsorglich um 30% drosselte.

Überraschenderweise hatte dies für viele Reisende kaum spürbare Folgen. Trotz der IT-Panne fielen zunächst keine Flüge aus. Eine Sprecherin des Flughafens Zürich erklärte, dass die Kapazität wegen der starken Bise ohnehin reduziert gewesen wäre.

Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie technischer Probleme. Im vergangenen Juni war es am Flughafen Genf zu einer ähnlichen Radarpanne gekommen. Berichte von SRF weisen zudem auf tiefgreifendere Finanzierungssorgen und einen generellen Handlungsbedarf bei der Schweizer Flugsicherung Skyguide hin.

Ein grösseres Berghaus aus Holz mit neuer Fassade, im Schnee in den Alpen
Mit 10’053 Übernachtungen war die Lämmerenhütte am Gemmipass im Kanton Wallis 2025 die beliebteste SAC-Hütte. Keystone / Christian Beutler

409’000 Übernachtungen, so viel zählte der Schweizer Alpen-Club im letzten Jahr. 2025 ist damit das erfolgreichste Hüttenjahr in der Geschichte des SAC.

Sind Sie auch schon mal zu einer Hütte in den Schweizer Bergen hochgestiegen? Diese werden laut Angaben des SAC immer beliebter. So wuchs die Auslastung der Hütten gegenüber 2024 um 12,7%. Dabei hat sich besonders die Wintersaison stark entwickelt.

Doch die erfreulichen Zahlen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zukunft der Hütten nicht rosig aussieht, wie der SAC in einer Mitteilung zu bedenken gibt. So kam eine vom Club in Auftrag gegebene Studie zum Schluss, dass durch den auftauenden Permafrost jede dritte Hütte potenziell gefährdet ist.

Deshalb, und weil auch die Wasserversorgung immer anspruchsvoller und das Wetter immer extremer wird, rechnet der SAC bis 2040 mit jährlichen Ausgaben von 20 bis 25 Millionen Franken. Rund ein Drittel davon sei direkt mit dem Klimawandel verbunden, heisst es in der Mitteilung.

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