Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Verfolgen Sie noch regelmässig, was in der Region geschieht, in der Sie aufgewachsen sind?
Heute wird der Tag des Lokaljournalismus gefeiert. Auch ich habe meine Laufbahn im Lokaljournalismus begonnen. Und in gewisser Weise betreibe ich ihn noch heute – zwar für eine weltweit verstreute Schweizer Gemeinschaft – aber mit dem gleichen Anspruch, nah dran zu sein an den Themen, die Sie betreffen.
Freundliche Grüsse aus Bern.
Mitte Juni trifft sich die Weltpolitik im französischen Evian – und die Auswirkungen sind bis in die Westschweiz spürbar.
In Genf wird offen darüber diskutiert, einzelne Grenzübergänge zu schliessen und Personenkontrollen wieder einzuführen. «Der Bundesrat kann entscheiden, das Sicherheitsdispositiv an den Grenzen zu verstärken, falls die öffentliche Ordnung bedroht ist», sagt die Kommandantin der Genfer Polizei, Monica Bonfanti, im Interview mit dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).
Auch der Umgang mit geplanten Demonstrationen ist offen – Frankreich hat auf seinem Territorium jegliche Proteste gegen den Gipfel verboten. G7-kritische Kreise wollen deshalb in Genf demonstrieren und haben bereits ein Gesuch eingereicht. Die Behörden schliessen Einschränkungen oder ein Verbot nicht aus, sollten Sicherheitsbedenken überwiegen. Als im Jahr 2003 der G8-Gipfel ebenfalls in Evian stattfand, kam es in Genf zu massiven Ausschreitungen. Das habe «dauerhafte Spuren hinterlassen», sagt Bonfanti.
Gleichzeitig zeigt sich, wie eng die Grenzregion verflochten ist. Tausende Grenzgängerinnen und Grenzgänger müssen ihre Arbeitswege neu organisieren, Unternehmen planen mit Ausfällen, und selbst der Schiffsverkehr über den Genfersee wird umgestellt. Homeoffice, Fahrgemeinschaften oder temporäre Unterkünfte werden plötzlich zur Notlösung.
Einst galt er als «Schweizer Elon Musk» – heute muss sich Pascal Jaussi vor Gericht wegen Betrugs und Irreführung der Rechtspflege verantworten.
Knapp zehn Jahre nach dem Konkurs seiner Raumfahrtfirma steht der frühere S3-Chef Pascal Jaussi seit heute in Fribourg vor dem Wirtschaftsstrafgericht. Ihm werden mehrere mutmassliche Delikte vorgeworfen.
Die Anklage wirft Jaussi vor, Investor:innen und Kund:innen getäuscht zu haben. Seine Raumfahrtfirma hinterliess nach dem Konkurs Schulden von über 30 Millionen Franken. Es wurden etwa Schwerelosigkeitsflüge verkauft, durchgeführt wurden diese jedoch nie.
Teil der Vorwürfe ist auch ein mutmasslich inszenierter Überfall im Jahr 2016. Jaussi soll damit versucht haben, das Konkursverfahren zu verzögern und die Justiz in die Irre zu führen. Der Angeklagte bestreitet sämtliche Anschuldigungen und will vor Gericht seine Unschuld beweisen.
Der Nachrichtendienst des Bundes gewährt Zugang zum Dossier über den NS-Verbrecher Josef Mengele – nach einer Beschwerde und einer Neubeurteilung der Rechtslage.
Auslöser ist das Gesuch eines Historikers, der möglichen Aufenthalten Mengeles in der Schweiz nachgeht. Im Fokus steht unter anderem die Frage, ob sich der als «Todesengel von Auschwitz» bekannte Arzt 1961 in Kloten aufhielt und ob Schweizer Behörden davon wussten. Bisher war die Einsicht mit Verweis auf Sicherheitsinteressen und Persönlichkeitsschutz bis 2071 verweigert worden.
Nun stellt der Nachrichtendienst eine Öffnung «unter Auflagen» in Aussicht. Grundlage ist unter anderem ein Bundesratsbeschluss, der für gewisse Archive eine liberalere Einsichtspraxis vorsieht. Details zu den Bedingungen sind noch offen.
Kritik kommt aus der Forschung. Historiker:innen bemängeln eine zu restriktive Praxis bei sensiblen Akten und sprechen von «routinemässiger Zensur». Die Freigabe dürfte nun vor allem eines bringen: mehr Klarheit in einer Frage, um die sich seit Jahren Spekulationen ranken.
Dem Lokaljournalismus geht es schlecht. Sinkende Werbeeinnahmen und die Abhängigkeit von digitalen Plattformen setzen ihn unter Druck. Trotzdem – oder gerade deswegen – wird heute der «Tag des Lokaljournalismus» begangen. Er richtet den Blick auf eine Branche, deren Geschäftsmodell zunehmend erodiert.
Ich bin im Aargauer Wynental aufgewachsen. Das Wynentaler Blatt und die Aargauer Zeitung decken das Geschehen in meiner Heimat seit jeher journalistisch ab. Heute lebe ich in der Region Bern und merke: Ob man weiss, was vor Ort geschieht, hängt immer stärker davon ab, ob noch lokal berichtet wird.
Genau hier zeigt sich das Problem der Branche: Klassische Finanzierungsmodelle über Werbung und Abonnemente brechen weg, während digitale Erlöse vor allem bei internationalen Plattformen landen. Für viele Lokalmedien bleibt damit eine strukturelle Lücke.
Gleichzeitig ist der Stellenwert des Lokaljournalismus unbestritten: Er schafft Öffentlichkeit vor Ort, macht politische Prozesse sichtbar und ist ein zentraler Baustein demokratischer Kontrolle – gerade in der Schweiz mit ihrer ausgeprägten Gemeindeebene.
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