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TAGESÜBERBLICK WIRTSCHAFT

Bern (awp/sda) – Montag, 8. August 2011
SCHULDENKRISE: Nach dem Absturz der Aktienkurse in New York haben viele Anleger doch noch die Nerven verloren. Nach einem Handelstag voller Schwankungen purzelten am Ende weltweit die Kurse. Während der SMI unter 5000 Punkte fiel, flüchteten wieder mehr Anleger in den Franken. Die New Yorker Börse startete am ersten Handelstag nach dem Verlust der Topnote AAA für die Kreditwürdigkeit der USA mit deutlichen Verlusten in den Handel. Der Dow-Jones-Index stand im frühen Handel bei 11154 Punkten 2,5 Prozent im Minus, nachdem er vergangene Woche schon fast 6 Prozent verloren hatte. Der SMI kam durch die US-Börsen gegen Ende des Tages unter starken Druck. Nachdem der Index der Grosskonzerne an der Schweizer Börse am Vormittag zeitweise im Plus gelegen hatte, schloss er am Abend bei 4968 Punkten knapp 4 Prozent im Minus – ein Tiefwert, der zuletzt im April 2009 gesehen wurde. Eine ähnliche Berg- und Talfahrt vollführten auch die Leitindizes in Frankfurt und London.
SINKENDE ARBEITSLOSIGKEIT: Die Arbeitslosigkeit in der Schweiz sinkt weiter. Im Juli ging die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Juni um 1178 zurück. Insgesamt waren 109’200 Personen arbeitslos. Die Arbeitslosenquote betrug unverändert 2,8 Prozent. Von der schwierigen Lage der Exportindustrie wegen des starken Frankens ist laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in der Statistik noch nichts zu sehen. In einigen stark auf den Export ausgerichteten Branchen, beispielsweise im Maschinenbau oder in der Uhrenindustrie, ging die Arbeitslosigkeit zurück. Das Seco rechnet erst ab dem Herbst mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Zurzeit gibt es in der Schweiz rund ein Viertel weniger Arbeitslose als vor einem Jahr.
WARENLAGER BLEIBT GESPERRT: Im Swissmetal-Werk in Dornach wurde die Arbeit am Montag noch nicht aufgenommen. Die Bank PNB Paribas behielt ihre Hand auf dem Warenlager, nachdem zuvor in den Verhandlungen zwischen ihr, Swissmetal sowie deren Sachwalter keine Einigung zustandegekommen war. Wieder gearbeitet wurde hingegen im zweiten Swissmetal-Werk in Reconvilier. Das Personal in Dornach wurde am Morgen darüber informiert, dass die Arbeit noch nicht wieder aufgenommen werde. Daraufhin rief die Gewerkschaft Unia zu einer Protestkundgebung vor dem Sitz der BNP Paribas in Basel auf. Über 70 Personen folgten dem Aufruf. Die Lagerfreigabe ist nötig für die Wiederaufnahme der Produktion. Diese wiederum ist eine der Bedingungen, die das französische Metallunternehmen Le Bronze Industriel für die Ende Juli angekündigte Übernahme der zwei Werke erfüllt sehen will. Die Forderung hätte bis heute Montag umgesetzt sein sollen.
SWISS IM STEIGFLUG: Im Juli transportierte die Fluggesellschaft Swiss 1,47 Millionen Passagiere. Dies sind 10,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Auslastung erhöhte sich zudem um 2,0 Prozentpunkte auf 89,2 Prozent. Die Swiss führte 4 Prozent mehr Flüge durch als im Juli des Vorjahres. Besonders stark verbesserte sich die Auslastung im Europaverkehr (+3,9 Prozent), aber auch auf den Langstrecken konnte Swiss mehr Sitze belegen (+1,1 Prozent). Die Zahl von 1,47 Mio. Passagieren stellt für Swiss ein neuer Monatsrekord dar.
ZINSSENKUNGEN: Kurz nach der Leitzinssenkung der Schweizerischen Nationalbank reduzieren die Postfinance, die Bank Coop und die Migros Bank die Zinsen für Kassenobligationen. Bei der Postfinance verringern sich die Zinsen für alle Laufzeiten um 0,25 Prozentpunkte. Bei der Bank Coop sinkt das Zinsniveau je nach Laufzeit um 0,25 oder 0,375 Prozentpunkte. Die Bandbreite beträgt zwischen 0,5 Prozent für eine Laufzeit von zwei Jahren und 1,75 Prozent für eine Laufzeit von 8 Jahren. Die Zinsspanne bei der Migros Bank beläuft sich neu auf 0,5 Prozent bis 1,8 Prozent. Zuvor hatte die Spanne 0,875 bis 2,25 Prozent betragen.
ERNEUTER STREIKAUFRUF: Im Tarifstreit der Fluglotsen ruft die Gewerkschaft der Deutschen Fluglotsen (GdF) für Dienstag zu einem sechsstündigen Streik auf. Alle Mitarbeiter sind in der Zeit von 6 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Die GdF fordert im aktuellen Tarifstreit mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) eine Lohnsteigerung von mehr als sechs Prozent und mehr Mitsprache in Personalfragen. Die DFS hatte der Gewerkschaft am Freitag drei Gesprächstermine angeboten, den ersten für Montag. Weil die Arbeitgeber kein neues Angebot vorgelegt hatten, lehnte die Gewerkschaft neue Gespräche jedoch ab. Der Frankfurter Flughafen rechnet bei einem Streik der Fluglotsen mit rund 500 Ausfällen von Starts und Landungen. In der vergangenen Woche hatte ein Gericht einen geplanten Streik der Fluglotsen gestoppt.
FRANKREICHS WIRTSCHAFT SCHWÄCHELT: Die französische Nationalbank rechnet im dritten Quartal nur mit einem moderaten Wachstum der Wirtschaft des Landes. Gegenüber dem zweiten Vierteljahr wird der Zuwachs von Juli bis September laut der Zentralbank lediglich 0,2 Prozent erreichen. Damit würde die zweitgrösste Volkswirtschaft nur halb so schnell wie die Euro-Zone insgesamt wachsen. Zu Jahresbeginn hatte das französische Bruttoinlandprodukt noch 0,9 Prozent zugelegt. Frankreich ist eines von nur sechs Staaten der Eurozone, die mit der höchsten Bonitätsrate AAA bewertet wird. Nach der Herabstufung der USA könnte aber auch Frankreich der Verlust der Spitzenbewertung drohen.
GEWINNRÜCKGANG: Die Tsunami-Katastrophe im März und die US-Tornado-Serie im Mai hat den Gewinn von Hannover Rück geschmälert. Im ersten Halbjahr verdiente der Rückversicherer mit 219 Mio. Euro 30 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Schadenssumme stieg von 408 Mio. auf 625 Mio. Euro. Das Unternehmen nimmt aber an, dass der Gewinn in der zweiten Jahreshälfte nicht weiter abrutscht. Im besten Fall rechnet Hannover Rück mit einem Gewinn von 500 Mio. Euro. Voraussetzung ist aber eine moderate Hurrikan-Saison in Nordamerika.
TRENDWENDE: Der Aufschwung in den Industriestaaten hat laut der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) seinen Höhepunkt erreicht. Der Frühindikator für ihre gut 30 Mitgliedsländer ist im Juni den dritten Monat in Folge gesunken. Er ging von 102,5 auf 102,2 Punkte zurück. Auch die Barometer für die USA, die Euro-Zone, die sieben führenden Industrienationen (G7), Japan und China sind zurückgefallen. Zuletzt hatte die Industrie in vielen Ländern der Welt an Fahrt verloren und eine schwächere Nachfrage signalisiert.

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