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Wird Englisch bald zur Amtssprache?

Englisch soll aufgewertet, aber dem Deutsch oder Französisch nicht gänzlich gleichgestellt werden.

(Keystone)

Englisch soll in der Schweiz aufgewertet und zur Teil-Amtssprache werden, um vermehrt Berufsleute aus dem Ausland anzulocken. Dies schlägt eine Studie vor. Hochqualifizerte Ausländer blieben oft zu wenig lang, um eine Landessprache zu erlernen.

Die Aufwertung von Englisch ist nur eine der Empfehlungen einer Studie, die im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz" durchgeführt wurde.

Die Studie erforscht und entwickelt seit dem Jahr 2006 die Erhaltung, Nutzung und Förderung der Sprachenvielfalt in der Schweiz.

Im Schlussbericht hatten die beiden Juristen Alberto Achermann und Jörg Künzli untersucht, ob die Schweizer Gesetzgebung bezüglich Sprachkenntnissen von Einwanderern mit den Grundrechten übereinstimmten.

Die Studie kam zum Schluss, die Schweiz sollte ihre Übersetzungdienste verbessern, insbesondere für gewisse grundlegende Bereiche. Genannt werden etwa das Bildungswesen oder das Gesundheitswesen, wo ausländische Patienten in Spitälern mehr Übersetzunghilfen erhalten sollten.

Pragmatisches Vorgehen

Empfohlen wird zum Beispiel die systematische Übersetzung juristischer Dokumente auf dem Gebiet des Steuer- oder Arbeitsrechts. Englisch würde so quasi zu einer Art Amtssprache.

"Es wäre ein pragmatisches Vorgehen", sagt Achermann gegenüber swissinfo. "Wir meinen damit nicht, dass englisch-sprachige Personen mit allen Behörden nur noch Englisch sprechen. Das ginge zu weit. Es geht darum, dass sich der Staat überlegt, auf welchen Gebieten es wichtig wäre, auch auf Englisch zu kommunizieren, so der Autor der Studie.

"Es würde nicht nur für Leute englischer Muttersprache einfacher, sondern auch für viele Menschen aus anderen Ländern, die hier leben und gute Englisch-Kenntnisse haben."

Vorteile für die Schweiz

Diese Empfehlungen seien übrigens nicht völlig neu. Bereits im vergangenen Oktober habe der Bundesrat verfügt, dass wichtige Teile der Schweizer Gesetzgebung auf Englisch übersetzt würden.

"Das wäre eine gute Lösung für die nähere und mittlere Zukunft, insbesondere für Zugewanderte, die nur einige Jahre hier bleiben. Für sie macht es wenig Sinn, eine Landessprache zu erlernen", so der Jurist.

"Von einer Politik, die der englischen Sprache denselben Status erteilt wie der deutschen oder französischen, sind wir weit entfernt."

Dieser Schritt würde der Schweiz in internationalen Bereichen, wo Englisch dominiere, zudem Vorteile bringen, heisst es in der Studie weiter.

Ungleichheiten

Auch wenn in der Regierung gegenüber einer Sprachenvielfalt ein "offenes" Klime herrsche, dürften kaum alle dieser Empfehlungen auf Zustimmung stossen, erklärt Achermann.

Die Studie schlägt auch eine Änderung der schweizerischen Migrationspolitik in Bezug auf die nationalen Sprachen vor. Diese habe zur Folge, dass Angehörige aus der Europäischen Union anders behandelt würden als solche von ausserhalb der EU.

Die Schweizer Gesetzgebung betrachte die Sprachkompetenz als "ausschlaggebendes Kriterium" im Umgang mit Immigranten. Das neue Ausländergesetz befuge die Behörden, Niederlassungsbewilligungen nur noch zu erteilen, wenn eine Person einen Sprachkurs absolviert habe oder über ausreichende Sprachkenntnisse verfüge.

Sprachenlandschaft im Wandel

Für Angehörige aus EU-Staaten gelten diese Gesetze allerdings nicht. Aufgrund der bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der EU können sie nämlich nicht gezwungen werden, sich in die Schweizer Gesellschaft zu integrieren und eine der Landessprachen zu lernen.

"Wenn nur Menschen aus dem Balkan gezwungen werden, zum Beispiel Deutsch zu lernen, führt dies zu einer Art Rechtsungleichheit", sagt Achermann.

"Es gibt in der Schweiz eine grosse Anzahl Leute, die keine der Landessprachen genügend beherrschen. Das ist eine Tatsache. Mit zunehmender Migration und den bilateralen Abkommen wird es immer mehr Menschen geben, die mit den lokalen Sprachen nicht vertraut sind."

Progressive Sprachpolitik

Deshalb empfiehlt die Studie dem Staat eine weiter denkende und vorausschauende Sprachpolitik. Es müssten mehr Anreize geschaffen werden, damit die Leute die Landessprachen lernen wollten.

Kinder mit ausländischer Muttersprache sollten Extra-Unterricht erhalten, bevor sie eingeschult werden. Zudem solle der Staat das Erlernen der offiziellen Landessprachen bereits im Kindergarten fördern.

Als möglichen Anreiz schlagen die Autoren der Studie vor, Migranten, die eine der Landessprachen fliessend sprechen, schneller einzubürgern.

swissinfo, Jessica Dacey
(Übertragung aus dem Englischen: Gaby Ochsenbein)

In Kürze

Landessprachen:
Deutsch: 63,7% der Bevölkerung
Französisch: 20,4%
Italienisch: 6,5%
Rätoromanisch: 0,5%

Infolge Einwanderung hat sich die Sprachenlandschaft in der Schweiz verändert: 9% der Bewohnerinnen und Bewohner geben an, dass keine der vier Landessprachen ihre Hauptsprache sei.

Englisch wird in der Schweiz immer beliebter: In mehreren Kantonen, vor allem in der Deutschweiz, ist Englisch die erste Fremdsprache, welche die Schüler erlernen.

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