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Alpkäse Warum Schweizer Kühe Berge erklimmen

Kühe am Berg

Schaulustige beobachten in den Berner Alpen eine Herde auf einem schmalen Weg von Adelboden zur Engstligenalp.

(Keystone)

Sie wären vermutlich sehr erstaunt, eine Simmentaler oder Braunvieh-Kuh auf der Treppe des One World Trade Centers in New York oder des ebenso hohen World Financial Centers in Shanghai anzutreffen. Doch diese Art von Aufstieg machen typische Schweizer Milchkühe jeden Sommer – wenn auch nicht auf Betonstufen.

Laut dem Agrarbericht 2017 des Bundesamts für Landwirtschaftexterner Link (BLW) werden jedes Jahr Anfang Sommer rund 270'000 Kühe von ihren Höfen im Tal auf Bergwiesen geführt, nur um im Frühherbst wieder hinunterzusteigen.

Kuh und Mann am Berg

Beim Alpaufstieg muss manchmal etwas nachgeholfen werden.

(Keystone)

Im Durchschnitt steigen sie 590 Höhenmeter und 16,3 km Luftlinie hoch. Tatsächlich aber ist die Strecke über oft steile Zickzackwege viel länger.

Einige Kühe werden sogar mehr als 2000 Meter hochgeführt. Das ist, wie wenn man das höchste Gebäude der Welt – den Burj Khalifa in Dubai – besteigen und dann wieder hinuntergehen würde, dann noch einmal hoch und runter, und noch etwas dazu.

Cow graphic
(swissinfo.ch)

Warum tun sie das?

Milchbauern haben Anreize, ihre Kühe hochzuführen. Einerseits erhalten sie mehr Geld für den aromatischen Alpkäse, der aus der Milch ihrer Kühe entsteht. Zwischen Juni und Anfang September fressen die Kühe hunderte verschiedener Gräser und Kräuter. Im Vergleich dazu stehen ihnen im Tal nur einige Dutzend Sorten zur Verfügung.

Ob Sie diesen Käse lieber haben, hängt von Ihren Geschmacksnerven ab. Doch Forscher haben herausgefunden, dass Alpkäse viel reicher an Omega-3-Fettsäuren ist – und das, sagen sie, ist besser für Sie.

Laut dem Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbandexterner Link werden jährlich rund 4000 Tonnen Alpkäse produziert.

Frau mit Käse

In L'Etivaz, in der Südwestschweiz, wird ein Käse für den Alpabzug vorbereitet.

(Keystone)

Andererseits ermutigt die Schweizer Regierung die Bauern auch, ihre Kühe auf die Alp zu führen, indem sie ihnen pro Kuh und Sommer eine Subvention von 400 Franken ausbezahlt.

Die Postkarten-Alpenlandschaft mit ausgedehnten Weiden ist ein fester Bestandteil des Schweizer Kulturerbes. Bereits im 14. Jahrhundert wurde die Viehzucht die vorherrschende Art der Landwirtschaft in den Alpen. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass in dieser Zeit der Prozess der Käsehärtung entdeckt wurde, was bedeutete, dass Käse erstmals über weite Strecken transportiert werden konnte.

Die Subventionen für die Bergbauern zielen daher zum Teil darauf ab, diese jahrhundertealte Tradition des Weidewesens zu erhalten und zu verhindern, dass aus den Weiden Wälder werden.

Aber tun wir nicht so, als ob die Kühe die ganze Arbeit machen würden. Hirten und Hirtinnen kümmern sich um das Vieh, treiben es nach dem Melken in der Morgendämmerung auf die Weide und holen es am späten Nachmittag für ein zweites Melken zurück in den Stall.

Die Käseherstellung füllt einen Grossteil des Tages dazwischen aus. Im Normalfall arbeiten die Männer und Frauen auf der Alp 14 Stunden pro Tag, und das sieben Tage die Woche. Für ihre Arbeit erhalten sie 70 Franken pro Tag – etwa ein Drittel des Schweizer Durchschnittslohns.

Warum tun sie das?

Es ist ein Traum vieler Schweizerinnen und Schweizer, den Sommer in der frischen Bergluft auf einer Alp zu verbringen, dort Kühe zu melken und Käse herzustellen. Oft findet man unter jenen, die einen Kurzlehrgang in Viehzucht und Käseherstellung belegen Ärzte, Anwälte und Lehrer.

Doch nachdem sie das Vieh nach einem harten Alpensommer wieder ins Tal getrieben haben, entscheiden sich viele dafür, im nächsten Jahr nicht wieder hochzugehen.

Die Kühe haben diese Möglichkeit nicht.

Dressed up cows

Kühen wird für den Alpabzug oft die schönste Kopfbedeckung aufgesetzt, zum Beispiel hier im Meiental, Zentralschweiz.

(Keystone)

swissinfo.ch

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