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Berlinale 2018 Berlinale-Plakate aus Luzern sind Kult

Plakat für Berlinale

Überall präsent in Berlin: die Plakate der Luzerner Agentur.

(Petra Krimphove)

Was treibt ein Braunbär auf einem trostlosen Platz im nächtlichen Berlin? Neben einer geschlossenen Imbissbude? Er wirbt für die anstehende Berlinale. Zum dritten Mal begeistern Motive wie diese die internationalen Filmfans. Sie stammen von der Luzerner Agentur Velvet.

Vor drei Jahren suchten die Berlinale-Macher nach einer neuen Plakatstrategie. Damals setzten sich die Schweizer Kreativen mit ihren Ideen beim sogenannten Pitch gegen drei Berliner Agenturen durch. Seither schicken sie den Bären zu jeder Berlinale erneut durch das bei Nacht ungewöhnlich leere Berlin. Die Motiveexterner Link erzählen Geschichten eines Wanderers durch die Grossstadt. In den vergangenen Jahren streifte der Bär durch U-Bahnhöfe, dieses Mal schaut er unter anderem neugierig vom Brandenburger Tor hinab oder entspannt im Whirlpool hoch über der Stadt.

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Für jeweils zehn Tage im Februar wird Berlin zum Mekka für Filmschaffende und Filmliebhaber aus aller Welt. Die mittlerweile 68. Berlinale vom 15. - 23.2. ist das weltweit grösste Publikumsfestival für den Film. Die wichtigsten Kinos der Stadt zeigen bis zu 400 Filme aus der ganzen Welt. 300'000 Karten werden an das Publikum verkauft, Fans reihen sich jeden Tag geduldig in lange Warteschlangen, Stars flanieren über den roten Teppich am Potsdamer Platz. Die wechselnde Jury vergibt acht Preise, unter ihnen den Goldenen Bären für den besten Film und den silbernen Bären für die beste Darstellerin und den besten Darsteller. Die Schweiz ist in diesem Jahr mit vier Spielfilmen, zwei Dokumentarfilmen und vier Kurzfilmproduktionen vertreten.

Als Velvet 2016 den Zuschlag von der Berlinale erhielt, waren die Schweizer unter deutschen Kultureinrichtungen bereits eine bekannte Grösse. Unter anderem sorgten sie mit frechen Plakaten für das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg und das renommierte Deutsche Theater in Berlin für Aufsehen. Während Velvet für das Zürcher Schauspielhaus eher harmonische, auf Ästhetik setzende Plakate entwarf, schätzten deutsche Kunden die Provokation, sagt Creative Director Jürg Schaffhuser. Er arbeitet gerne beim und mit den Nachbarn und mag es, dass in Deutschland Diskussionen mit Intendanten und Dramaturgen über ihren Kampagnen "politisch aufgeladen" seien und man auch konfrontativ kommuniziere. Das sei spannend und inspirierend.

Die kreativen Motive für das Deutsche Theater in Berlin gefielen Berlinale-Chef Dieter Kosslick so gut, dass er Velvet zur Präsentation ihrer Ideen für die Berlinale 2016 einlud. Zuvor hatte das Filmfest lange Jahre auf grafische Motive gesetzt, die jedoch wenig Anklang fanden. Es war Zeit für etwas Neues.

Abstand macht kreativ

Was bieten die Luzerner, das deutschen Kreativen fehlt? "Vielleicht ist die Distanz hilfreich", sagt Velvets Creative Director Jürg Schaffhuser. Von dem überschaubaren gemütlichen Luzern aus sehe man Berlin mit anderen Augen als es die Einheimischen tun. Die hätten sich vermutlich auch gar nicht getraut, mit einem so überstrapazierten Motiv wie dem allseits präsenten Berliner Bären zu arbeiten – auch wenn der als Wappentier der Berlinale so wichtig ist wie der Oscar für Hollywood.

Jürg Schaffhuser, Creative Director von Velvet

(velvet)

Velvet hatte da keine Vorbehalte, und bettet in seinen Motiven Altbekanntes in einen frischen und witzigen Kontext ein. Jahr für Jahr entwickeln sich die Plakate zum Hit und finden im Berlinale-Shop reissenden Absatz. Mehrere Male mussten sie bereits nachgedruckt werden. Viele Motive hängen in Berliner Fluren und Küchen. "Das passiert mit Werbeplakaten selten", freut sich Jürg Schaffhuser.

Verwurzelt in Luzern

So echt mutet die Verschmelzung des Bären in seine Berliner Umwelt an, dass manche sich fragen, wie man denn das Tier in die U-Bahn-Station bekomme habe. "Das ist ein alter zahmer Zirkusbär, den wir nachts dort hingebracht haben", sagt Schaffhuser und lacht. Denn natürlich stimmt das nicht. Es war ein versierter Grafiker, der den getrennt aufgenommenen Bären per Computer so perfekt in die Kulisse einbettet.

Das alles geschieht in Luzern, wo Velvet 1995 gegründet wurde. Beim Namen liessen sich die Kreativen von Lou Reeds Band "Velvet Underground" inspirieren. Schnell stellten sich die ersten Erfolge und Preise ein. Es gab für einige Jahre einen Velvet Ableger in New York, auch über eine Berliner Dependance hat man immer wieder einmal nachgedacht, so Jürg Schaffhuser. Aber letztendlich seien die fünf Agentur-Gründer und das Gros des 14-köpfigen Teams seit 22 Jahren in Luzern verwurzelt und sich freundschaftlich verbunden. "Das wollten wir nicht auseinanderreissen", sagt der Creative Director.

Mit Rucksack und Zelt durch Europa

Anregungen und frischen Wind holen sie sich auf ihren Reisen und bei ihrer Arbeit mit ausländischen Kunden. "Man muss immer wieder mal raus", bekräftigt Schaffhuser. Er selbst nimmt sich seit 25 Jahren jeden Sommer seine ganz persönliche vierwöchige Auszeit. Dann wandert er allein mit dem Zelt im Rucksack los, quer durch Europa, so weit ihn die Füsse tragen. 800 Kilometer jedes Jahr. Wandern sei eine Gegenwelt zum oft hektischen Agenturalltag, "meine grosse Leidenschaft, wo ich extrem herunterfahren kann", sagt er. Erst seit einem halben Jahr besitzt er ein Handy. Nicht etwa, weil er es im Agenturgeschäft braucht, sondern weil er während seiner Wanderung kaum noch Telefonzellen fand, um sich zuhause zu melden.

In alle vier Himmelsrichtungen hat es Schaffhuser in den vergangenen Jahren gezogen. So, wie der Bär der Velvet-Kampagne sich neugierig und allein die Stadt erwandert, zieht es den Luzerner in die Welt. "Jeden Tag ein bisschen Abenteuer." Kommen ihm dort die besten Ideen für seine Arbeit? "Nein, nach zwei Tagen habe ich das weit hinter mir gelassen", sagt er.

Die Berlinale 2018 ist die vorletzte des derzeitigen Chefs Dieter Kosslick. Sein Vertrag läuft im Mai 2019 aus. Mit Kosslicks Nachfolger oder Nachfolgerin wird auch die Ausschreibung eines neuen Plakatauftritts einhergehen. Velvet werde dann seinen Hut wieder in den Ring werfen, sagt Jürg Schaffhuser.

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