Nationalbank soll nachhaltiger anlegen

Weniger fossile Brennstoffe und mehr erneuerbare Energie: Um die internationalen Klimaschutz-Ziele zu erreichen, solle die SNB ihre Investitionen überdenken. Keystone

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) sollte den Schweizer Finanzplatz einem "Klima-Stresstest" unterziehen. Das fordert die Klima-Allianz Schweiz. Denn die Schäden der immer häufigeren Klimakatastrophen brächten das System an den Abgrund. Es drohten Konkurse der von fossilen Brennstoffen abhängigen Firmen, deren Banken und Versicherungen.

swissinfo.ch/ka

In zehn Empfehlungen zeigt die Klima-Allianz der SNB auf, wie sie im bestehenden Mandat klimafreundlich investieren kann und ihrer Aufgabe zu Bewahrung der Finanzstabilität durch Einbezug der Klimarisiken nachkommen soll.

Die Klima-Allianz Schweiz umfasst mehr als 70 Organisationen aus der Umwelt-, Entwicklungs- und Sozialpolitik sowie Parteien und Kirchen. Sie setzt sich nach eigenen Angaben für "eine gerechte, zukunftsfähige Klimapolitik der Schweiz" ein.

End of insertion

Die Empfehlungen basieren auf einer Studie von Artisans de la Transition aus dem Jahr 2016. Diese zeigte, dass die jährlichen Kohlendioxid-Emissionen (CO2), die durch die Aktienanlagen der SNB entstehen, denen der gesamten Schweiz entsprechen und dass die Anlagepolitik der Bank "eine globale Temperaturerhöhung von 4 bis 6 Grad Celsius unterstützt".

Diese Temperaturerhöhung wurde berechnet, indem der Technologiemix im Aktienportfolio der SNB mit verschiedenen von der Internationalen Energieagentur entwickelten Klimaerwärmungs-Szenarien verglichen wurde. Dabei sei nicht die SNB selbst die Ursache für einen solchen Temperaturanstieg, erklärt Christian Lüthi, Geschäftsführer der Klima-Allianz Schweiz. Vielmehr trügen ihre Investitionen dazu bei und stünden im Einklang mit einem solchen Erwärmungsszenario.

Eine am Dienstag veröffentlichte Folgestudie habe diese Befunde klar bestätigt, so Lüthi. Die Ergebnisse würden eindeutig gegen die Emissionsziele des Pariser Klimaabkommens von 2015 verstossen, das auch von der Schweiz ratifiziert wurde und die globale Erwärmung auf 2 Grad Celsius begrenzt.

"Wir konnten beweisen, dass die Anlagepolitik der Nationalbank die Bemühungen der Schweiz um den Klimaschutz und um eine Verbesserung der Situation der ärmsten Länder zerstört", sagt Markus Keller. Er ist Vizepräsident des Vereins Fossil-free.ch, der die Studien von Artisans de la Transition auf Deutsch übersetzt hat.

Investitionen in erneuerbare Energien verdoppeln

Die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle stösst Treibhausgase wie CO2 aus. Deshalb müsse sich die Praxis der SNB, die Exploration, Erschliessung und Förderung neuer Vorkommen fossiler Brennstoffe zu finanzieren, ändern, fordert die Klima-Allianz in einer Medienmitteilung.

So investiert die Nationalbank gemäss der bereits erwähnten Folgestudie zu wenig in erneuerbare Energietechnologien. "Nur 11% der Aktien, welche die Stromproduktion betreffen, entfallen auf Unternehmen, die auf neue erneuerbare Energien ausgerichtet sind, im Gegensatz zu 73% für fossile Stromproduktion", heisst es. Das 2-Grad-Celsius-Klimaziel würde demnach mindestens eine Verdoppelung der Investitionen im Bereich der Erneuerbaren erfordern.

Die Empfehlungen der Klima-Allianz, die unter Beteiligung von Wirtschafts-, Finanz-, Umwelt- und Klimaexperten an mehreren Schweizer Universitäten formuliert wurden, sollen zeigen, wie die SNB "im bestehenden Mandat klimafreundlich investieren kann und ihre Aufgabe zur Bewahrung der Finanzstabilität durch Einbezug der Klimarisiken nachkommen soll".

So solle die SNB beispielsweise "Klima-Stresstests" und Szenarioanalysen für den Schweizer Finanzsektor – Versicherungen, Banken, Pensionskassen – durchführen und Massnahmen "zur Eindämmung von Makro-Risiken" veröffentlichen. Auch solle sie ihre Anlagerichtlinien erweitern, um Investitionen in Unternehmen auszuschliessen, die "systematisch gravierende Klimaschäden" verursachen, schreibt die Klima-Allianz.

"Ohne die Dekarbonisierung der Nationalbank ist das Pariser Klimaabkommen nicht umsetzbar", so Klima-Allianz-Geschäftsführer Lüthi. "Je später die Nationalbank wirksame Massnahmen ergreift, desto plötzlicher kann es zu einer Krise des Schweizer Finanzsystems kommen".


Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen