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Swiss Fashion Night Kreative auf der Suche nach Kunden

Swiss Fashion Night

Swiss Fashion Night in der Residenz der Schweizer Botschaft in Berlin.

(EDA)

Stoffe aus Ananasgewebe, mit Kunst bedruckte Blusen und Kleider. Junge Schweizer Designer stemmen sich gegen den Billigmodetrend und versuchen ihre Nischen zu finden. Dazu brauchen sie den deutschen Markt.

Die kleinen eidgenössischen Labels müssen sich gegen widrige Umstände behaupten: Als Folge des globalen Wettbewerbs und der Verlagerung von Produktionen in Niedriglohnländer ist die helvetische Textilindustrie bereits erheblich geschrumpft. Doch mit grossen Konzernen wie H&M und Zara, die billig in Bangladesch und Vietnam schneidern lassen, wollen die jungen Designer gar nicht konkurrieren. Sie stellen besondere Ideen und hochwertige Materialien in den Vordergrund und wissen, dass viele Kunden eine nachhaltige Produktion sowie faire Produktionsbedingungen in der Schweiz oder in EU-Ländern schätzen. Das gute Gewissen spielt, sofern man es sich leisten kann, beim Kauf von Kleidung und Accessoires eine zunehmend grosse Rolle.

Innovative Gewebe sind Exportschlager

Während die Schweizer Bekleidungsindustrie unter Umsatzrückgängen leidet, entwickelt sich der Bereich der technischen Textilien mehr und mehr zu einer Schweizer Erfolgsgeschichte. Innovative Outdoorgewebe, beschichtete Stoffe, Seile, Netze und chemische Garne verzeichnen laut Aussage des Branchenverbandes Swiss Textiles beachtliche Exportzuwächse.

In Berlin stellte die Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA einige ihrer Innovationen vor, die im Medizinbereich zum Einsatz kommen. Darunter ein blau leuchtendes Gewebe, das zu Pyjamas verarbeitet wird, mit denen sich unter Gelbsucht leidende Neugeborene schonend behandeln lassen. Für den Alltag besonders praktisch: Ein von aussen mit Solarzellen beschichtetes Material, das die Tasche beim Öffnen von innen beleuchtet. Integriert ist ebenfalls ein Anschluss zum Aufladen des Handys.

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Während der internationalen Berliner "Fashion Week", die sich insbesondere als Trendbarometer für nachhaltige Mode einen Namen gemacht hat, präsentierten ausgewählte Schweizer Labels ihre Kollektionen in der Residenz der Schweizer Botschafterin. Christine Schraner Burgener hatte ihr Haus in einen Laufsteg verwandelt und Einkäufer und Prominente in ihre Villa zu einer "Swiss Fashion Night" geladen. Aus gutem Grund: Deutschland ist ein wichtiger Markt für die Designer. Fünf Mal mehr Exporte der Schweizer Modebranche fliessen nach Deutschland als nach Italien.

Kleider als Kunst

Insbesondere für die jungen Labels ist es ein Kampf ums Überleben. "Es ist schwierig, sich als kleines Modelabel zu etablieren", bekennt Mona Weber. Die Finnin hat gemeinsam mit dem Ecuadorianer Edgar Balseca in Zürich das Label "Balseca Weber" gegründet. Ihr Stil vermischt südamerikanische mit klaren nordeuropäischen Einflüssen. Zur Berlin Fashion Week haben sich die beiden zum ersten Mal über die Grenze begeben, "um einen Fuss in den deutschen Markt zu bekommen", so die Wahl-Schweizerin. Zuhause sei das Geschäft mit hochpreisiger Mode derzeit schwierig, sie hofft auf ihre Chance in Deutschland, wo es genügend kaufkräftige Kunden gebe.

Auch Julia Weber vom Zürcher Label "M.Luna" ist in Berlin, weil sie "wachsen und international bekannt werden möchte". Ihre Mode verbindet Kunst und Kleidung und nennt sich entsprechend Kunst-Mode-Label. Ihr Mann kreiert Kunstwerke, welche die Designerin auf ihre Stücke druckt, in sehr limitierter Auflage. Ein zufällig ausgewähltes Kleid an ihrem Stand kostet 600 Euro. "Dafür gibt es nur zwei Exemplare davon", sagt sie.

Die Schweizer Botschafterin Christine Schraner Burgener.

Rechts im Bild: die Schweizer Botschafterin Christine Schraner Burgener.

(EDA)

Röcke aus Ananasfasern

Die jungen Labels können in kleiner Stückzahl ausprobieren, wofür es keinen Massenmarkt gibt: Vegane Mode aus Ananasfasern, Röcke aus recycelten Pet-Flaschen, Handtaschen, deren Material von innen leuchtet, Blusen mit extravaganten Designs. Der Grat zwischen Mode als Kunst und Kleidungsstück ist fliessend.

Doch wie erreicht man auf dem hart umkämpften Markt seine Zielgruppe? Nicht jeder kann sich ein eigenes Geschäft leisten. Alternativ teilen sich Designer eine Ladenfläche in einem Konzeptstore, bieten ihre Stücke auf Kommission in ausgewählten Boutiquen an oder vermarkten ihre Ware über einen Online-Shop oder hoffen darauf, von Einkäufern grosser Ketten entdeckt zu werden.

Manuela Helg vom Zürcher Label "Beige", das unkonventionelle Strickwaren in einer kleinen Schweizer Strickerei produziert, hat die Erfahrung gemacht, dass der Internet-Verkauf nicht in allen Fällen funktioniert. Accessoires wie Mützen und Schals vertreibt "Beige" im eigenen Online-Shop. Für den Kleider- und Pulloverkauf muss der Kunde jedoch in das Geschäft in Zürich kommen. "Im höheren Preissegment möchten viele die Stoffe fühlen und sehen", sagt Manuela Helg. "Beige" ist mit seiner exklusiven Strickmode bereits seit 1996 im Geschäft und wird auch von deutschen Kunden geschätzt. Doch unter denen gab es mit der Freigabe des Frankenkurses Anfang 2015 einen deutlichen Rückgang, berichten die Designerinnen und Inhaberinnen Manuela Helg und Karin Maurer.

Swiss Made
(EDA)

Noch nicht vom Frankenschock erholt

"Die Freigabe des Wechselkurses hat uns vor drei Jahren wie eine Bombe erwischt", bestätigt die Zürcherin Minna Susanna Leisi-Böhi, Inhaberin des 100 Jahre alten Hutmacher-Labels Charles Muller. Ihr Deutschland-Geschäft habe sich von diesem Schock noch nicht erholt. Umso wichtiger sei es für sie, immer wieder auf Messen präsent zu sein und neue Kontakte anzubahnen. Früher war Düsseldorf das unumstrittene Modezentrum Deutschlands, doch gerade die junge Mode präsentiert sich mittlerweile vorwiegend in Berlin.

Im Nischen-Trend zu mehr Nachhaltigkeit und Qualität kann die Schweiz eigentlich auf ihre Stärke setzen: "Die Schweizer Textilindustrie beherrscht die alten Handwerkstraditionen wie die Lochstickereien, aber sie ist auch offen und flexibel für Neues", sagt Valeska Schmidt-Thomsen, Direktorin des Instituts für experimentelles Bekleidungs- und Textildesign an der Berliner Universität der Künste (UdK). Insbesondere im Outdoormarkt kämen aus der Schweiz immer wieder neue innovative Gewebe.

Die Berlinerin liebt den speziellen Schweizer Humor in der Gestaltung, eine Leichtigkeit, die sie in deutschen Entwürfen selten finde. Und dennoch: Der Markt für junge Labels sei in beiden Ländern gleichermassen schwierig, so Valeska Schmidt-Thomsen. Nur selten könnten junge Designer von ihrer Mode leben. "Die meisten müssen sich nebenbei mit anderen Jobs Geld verdienen."

swissinfo.ch

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