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10’000 Kubikmeter-Felssturz oberhalb der Grimselstrasse

Im schlimmsten Fall könnten 300'000 Kubikmeter Fels am Chapf oberhalb der Grimselstrasse abstürzen. Keystone

Im Felssturz-Gebiet Chapf auf der Berner Seite des Grimsel-Passes sind am Samstagmittag rund 10'000 Kubikmeter Fels abgebrochen. Die Grimselstrasse war schon in der Nacht zuvor gesperrt worden, nachdem der Fels vermutlich witterungsbedingt wieder schneller in Bewegung geriet.

Das Felssturz-Gebiet Chapf ist altbekannt und seit 1951 wohl das am meisten beobachtete schweizweit, es wird regelmässig vermessen. Nachdem sich 1999 beim Tauwetter nach dem strengen Lawinenwinter die Felsbewegung massiv beschleunigte, wurden die automatischen Messungen mit einer Alarm-Anlage gekoppelt. Seither schrillten bereits verschiedentlich die Alarmglocken in den nahe gelegenen Dörfern Guttannen und Innertkirchen. Automatisch wird bei Alarm jeweils die Grimselstrasse gesperrt.

So auch Freitagnacht: Beim Absturz von 10’000 Kubikmeter Fels am Samstagmittag war deshalb niemand in Gefahr. Die Felsbrocken blieben zudem oberhalb der Strasse liegen. Beschädigt wurden jedoch die Sicherheits-Netze.

Klein – verglichen mit dem, was noch kommen könnte

Es war eigentlich nur ein «kleiner» Felssturz. Oder – wie es der zuständige Geologe Ueli Gruner gegenüber swissinfo nannte – «ein Vorgeschmack» darauf, was noch kommen könnte. Denn die beiden Felspfeiler, die am Chapf am Rutschen sind, messen insgesamt 300’000 Kubikmeter. Der zuständige Geologe Ueli Gruner schliesst nicht aus, dass irgendwann die ganze Masse auf einmal abstürzen wird. Wann allerdings, ist unklar. «Wir rechnen nicht damit, dass alles in den nächsten Wochen hinunter kommt», sagt der Experte Gruner. «Aber wir rechnen damit, dass weitere Felsabbrüche stattfinden.»

Murrend arrangiert

Die Bevölkerung der beiden nahe gelegenen Dörfer Guttannen und Innertkirchen leben mit der Unsicherheit. Und auch die Kraftwerk-Gesellschaft, die im Wasserschloss des Chapfgebietes arbeitet, hat sich mit den Gegebenheiten arrangiert.

Auch im dritten Jahrtausend lassen sich die Naturgefahren nicht einfach wegputzen. Man habe schon viele Male überlegt, ob man den rutschenden Fels nicht einfach sprengen könne, sagt Gruner. Doch «es ist sehr heikel». Denn durch die Sprengung könnten gar neue Instabilitäten ausgelöst werden.

Ebenfalls Probleme bereitet eine weitere technische Massnahme, die von den Einheimischen seit längerem gefordert wird: ein Tunnel, um die Pass-Strasse sicher zu machen.

Ob ein Tunnel im instabilen Fels überhaupt möglich ist, sollen im kommenden Sommer erste Bohrungen zeigen. Neben den technischen Hürden geht es dabei auch noch um sehr viel Geld.

Eva Herrmann

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