AIDS-Hilfe Schweiz warnt vor Banalisierung
Die 1985 aus der Not als Selbsthilfeorganisation entstandene Aids-Hilfe Schweiz leistet seit 15 Jahren Präventions- und Beratungsarbeit. Anlässlich ihres Jubiläums warnte sie am Mittwoch (07.06.) vor einer "Banalisierung" der Immunschwächekrankheit.
1994 starben in der Schweiz 686 Menschen an Aids, 1999 waren es noch 46. Zum drastischen Rückgang führten die seit 1996 angewandten neuen Therapien, die Aids-Kranken ein Weiterleben ermöglichen und bei HIV- Positiven den Ausbruch der Krankheit verhindern.
Diese «Erfolgsgeschichte» berge Gefahren, wie Ruth Rutmann, die Geschäftsleiterin der Aids-Hilfe Schweiz (AHS), an einer Medienkonferenz am Mittwoch in Zürich sagte. Weder gebe es gegen Aids einen Impfstoff, noch seien die heute angebotenen Kombinationstherapie zeitlich befristet.
Täglich zwei weitere HIV-positive
Seit 1994 hat sich die Zahl der Neuinfektionen auf heute jährlich 600 bis 700 halbiert. Christiana Hofmann, Bereichsleiterin Prävention, gab trotz des Präventionserfolgs zu bedenken, dass damit in der Schweiz täglich noch immer rund zwei Menschen neu von einer unheilbaren Krankheit infiziert werden.
Die AHS werde sich künftig vermehrt der schwierigeren Prävention «marginalisierter Gruppen» wie beispielsweise ausländischer Sexworkerinnen widmen. 1999 gab die AHS für Präventionsprojekte und Beratung knapp 4 Mio. Franken aus, zwei Drittel davon steuerte der Bund bei.
Gemäss Statistik des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) leben heute rund 20’000 HIV-Postive und rund 1’800 an Aids Erkrankte in der Schweiz. Laut Max Rohr, Leiter Medizinische Information der AHS, ist Aids heute in vielen Fällen nicht mehr lebensbedrohend.
Therapieerfolg an dünnem Faden
Der Therapieerfolg hänge aber oft an einem «dünnen Faden»: Die nach heutigem medizinischem Stand auf lebenslange Therapie angewiesenen Patientinnen und Patienten litten unter zahlreichen Nebenwirkungen, welche die Lebensqualität permanent stark einschränkten. Nach wie vor seien von Aids Betroffene im Berufsalltag oder beim Abschluss von Versicherungen diskriminiert.
Die 1985 von schwulen Männern gegründete AHS hat mit ihren Kampagnen in enger Zusammenarbeit mit dem BAG Präventionsgeschichte geschrieben. Die unkonventionellen, statt auf Repression auf Eigenverantwortlichkeit setzenden Präventionsbotschaften führten neben dem Hauptziel der Eindämmung einer tödlichen Krankheit auch zu einer Entkrampfung der öffentlichen Diskussion über Sexualität.
swissinfo und Agenturen
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