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Das Jahrhundert des Bildes: Verstoss gegen die Schönheit

Wie hat die Photographie das Jahrhundert wiedergegeben? Mit welchen Werkzeugen, welchen Tricks? Das zweite der zwölf vom Musée de l'Elysée in Lausanne ausgewählten Bilder: "Good Fellows".

Stellen Sie sich eine schöne Frau vor, wenn möglich ein Mannequin: das ist nicht schwer, die Zeitschriften sind voll davon. Kehren Sie das Bild um, bewaffnen Sie sich mit einem harten und spitzen Gegenstand, aber nicht allzu spitz, sonst gibt es Löcher ins Papier. Zeichnen Sie, kritzeln Sie, kratzen Sie auf der Rückseite, wie es Sie gerade gelüstet. Nur keine Angst, einfach drauf los … die andere Seite erscheint dann nur um so quälender. Vielleicht schöner?

Dem in Mailand geborenen und in Zürich lebenden Schweizer Photographen Daniele Buetti scheint die glatte und kalte Schönheit der Models nicht zu gefallen. Also korrigiert er sie nach seinem Gutdünken. Und plötzlich denkt man an Opferhandlungen oder fremde, ekelerregende Hautkrankheiten, die zur neuen Ästhetik erhoben wurden. Schockierend? Vielleicht, aber schliesslich gar nicht so anders die Piercings auf den Gesichtern vieler Jugendlicher oder als die Schönheitspflästerchen, welche die Adligen des 18. Jahrhunderts auf ihren bleichen Gesichtern anbrachten.

Im Musée de l’Elysée hat man verschiedene Erklärungen. “Daniele Buetti denkt darüber nach, wie Schönheit auch heute noch gesteigert werden kann. Und Daniele Buetti schlägt Übertreibungen vor”, kommentiert der stellvertretende Konservator Christophe Blaser. Und weiter: “Unordnung als Element der Schönheit.”

Im “Good Fellows”-Gesicht sind bekannte Namen eingraviert: Cartier, Lancôme, Absolut Vodka, so dass Direktor William Ewing zu einer anderen Ansicht gelangt: “Ich glaube, er will sagen, dass wir in einer kranken Gesellschaft leben, in der Glamour Verführung bis hin zur Krankheit ist… Eine Art Kolonisierung der Haut durch die Welt der Industrie und des Handels.”

Übertreibung der Ästhetik auf Glanzpapier, Verurteilung des kommerziellen Einflusses? Zwei Erklärungen, die sich eher ergänzen als widersprechen. Wie auch immer, Buetti konfrontiert uns auch mit der Frage der Beziehung zwischen Kunst und Kommerz.

Im auslaufenden 20. Jahrhundert hat uns noch ein anderer Künstler auf brutale Weise angesprochen: Oliviero Toscano, der im Weltformat von Multikulturalismus, Aids, Krieg, Religion erzählte … und für eine bekannte italienische Kleidermarke arbeitete.

Bernard Léchot für swissinfo

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