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Dem Wetter auf den Zahn gefühlt

Klimaänderungen in den Alpen stehen im Fokus der Konferenz in Brig. Keystone

Der Klimawandel und seine Folgen für die Alpen stehen im Zentrum einer internationalen Konferenz in der Walliser Stadt Brig.

Am Treffen, das von Montag bis Donnerstag dauert, nehmen rund 200 Spezialisten aus gut 25 Ländern teil.

Seit etwa 100 Jahren wird weltweit eine Erwärmung der Erdatmosphäre beobachtet. Auch in der Schweiz ist diese Entwicklung spürbar.

«Die Messreihe der Klimastation von MeteoSchweiz in Sion zeigt zum Beispiel auf, dass sich die mittlere Herbsttemperatur an diesem Standort seit 1864 um 1,7°C erhöht hat, die Wintertemperatur sogar um 2,3°C», sagte Professor Christoph Schär, Leiter der Instituts für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich zur Eröffnung der Briger Konferenz.

Mehr Katastrophen wegen Erwärmung

Im Herbst und Winter bestehe ein deutlicher Trend zu vermehrten intensiven Niederschlägen. Zusammen mit dem Anstieg der Schneefallgrenze folge daraus für die Zukunft eine mögliche Zunahme der Gefahr von Überschwemmungen und Erdrutschen, befürchtet der Experte.

Das Ausmass dieser Entwicklung sei aber noch sehr schwierig abzuschätzen. Unwetter in Berggebieten haben ein enormes Schadenpotenzial: So gab es bei den Überschwemmungen vom Oktober 2000 im Wallis, Tessin und in Norditalien 37 Todesopfer zu beklagen. Die versicherte Schadensumme betrug zirka 700 Millionen Franken.

Sollten ähnliche Ereignisse aufgrund der Klimaänderung gehäuft auftreten, sei mit schwerwiegenden Konsequenzen zu rechnen.

Klimaänderung und ihre Folgen im Alpenraum

Vom 19. bis 23. Mai 2003 findet in Brig eine Konferenz statt, an der rund 200 Wissenschafter aus aller Welt teilnehmen. Ihr gemeinsames Interesse gilt den speziellen meteorologischen und klimatologischen Verhältnissen im Alpenraum.

Die Konferenz verbindet zwei wichtige Tagungen: Die mehr praxisorientierte ICAM (International Conference on Alpine Meteorology) und das wissenschaftliche Forschungsprogramm MAP (Mesoscale Alpine Programme).

Ganz oben auf der Themenliste der Konferenz stehen extreme Wetterereignisse im gebirgigen Gebiet und die Auswirkungen der Klimaänderung auf den Alpenraum. In über 200 Referaten und Präsentationen werden die Fachleute neueste Erkenntnisse austauschen, Forschungsresultate präsentieren und die aufgeworfenen Fragen diskutieren.

Instrumente und Techniken verfeinern

Die Konferenz soll ein Forum für den länderübergreifenden Austausch schaffen. Doch gefördert werden sollen auch die wichtigen Kontakte zwischen Fachleuten in der Grundlagenforschung, Entwicklung und Anwendung.

Als Beispiel erwähnt die Konferenzleitung die Möglichkeit, die Instrumente und Techniken für die Wettervorhersage zu verfeinern. Letztlich gehe es darum, einen Beitrag zu leisten, damit der Alpenraum in Zukunft besser vor Unwetterfolgen geschützt werden könne.

Warum alpine Meteorologie?

Die Alpen nehmen laut Professor Hans Richner in der Gebirgsmeteorologie aus verschiedenen Gründen eine Sonderstellung ein. Richner ist Leiter der Forschungsgruppe Atmosphärenphysik an der ETH Zürich.

«Jedes Gebirge beeinflusst die Prozesse, die sich in der Atmosphäre abspielen, und damit das Wetter», sagte er zur Eröffnung der Konferenz. Luftströmungen würden durch Gebirge abgelenkt, es entstünden beispielsweise Staulagen und Tiefdruckgebiete.

Dazu kämen kleinräumige, lokale Wetterentwicklungen, die im Flachland nicht in dieser Form auftreten. Die Vorhersage des Wetters in Bergregionen sei somit eine hochkomplexe Angelegenheit.

Dennoch würde es sich lohnen, «die alpine Meteorologie als einen speziellen Bereich der Gebirgsmeteorologie hervorzuheben».

Einerseits würden die Aufzeichnungen zeitlich weit zurück reichen. Und: «Kein anderes Gebirge weist ein derart dichtes Netz von Mess- und Beobachtungsstationen auf», so Richner. Ausserdem sei die Alpenregion verglichen mit anderen Gebirgen relativ dicht besiedelt.

Naturkatastrophen 2000 weltweit: Über 7000 Tote
Schaden: Über 7,5 Mrd. Franken
Überschwemmungen 2000 im Wallis: 37 Tote
Schaden: Über 700 Mio. Franken

Die Internationale Tagung für Alpine Meteorologie (ICAM) findet alle 2 Jahre statt.

Die gleichzeitige Tagung des Mesoscale Alpine Programme (MAP) ist das grösste Forschungsprogramm in Gebirgsmeteorologie, das je in Europa stattgefunden hat.

Rund 200 Forscher aus zwei Dutzend Ländern tauschen während einer Woche Themen der alpinen Meteorologie, Forschungsresultate und neue Erkenntnisse aus.

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