Dunkle Wolken über UNO-Wetteragentur
Überschattet von Vorwürfen und Untersuchungen wegen Betrugs und Korruption hat die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf ihren alle vier Jahre stattfindenden Kongress eröffnet.
Die Schweiz forderte die UNO-Organisation zu mehr Transparenz auf. Sie will im Laufe des dreiwöchigen Kongresses dazu konkrete Vorschläge vorlegen.
Die Resolution, die von Daniel Keuerleber-Burk, dem Direktor des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz) eingereicht wird, verlangt, dass die 188 Mitgliedstaaten eine aktivere Rolle beim Management der WMO-Geschäfte spielen.
Obwohl der Kongress das Verwaltungsgremium ist, wird die Organisation durch einen 37 Mitglieder starken Exekutiv-Rat geleitet, der unabhängig von den Mitgliedstaaten agiert. Den Ländern wird gar der Zugang zu den Ratsversammlungen verweigert.
«Die Mitgliedstaaten haben einen sehr kleinen Einfluss in der Zeit zwischen den Kongressen, und sie erhalten nur sehr beschränkte Informationen darüber, was läuft – insbesondere, wenn sie keine Vertreter im Exekutivrat haben», sagt Alex Rubli, Leiter internationale Zusammenarbeit bei MeteoSchweiz gegenüber swissinfo.
«Eigenartige Situation»
Die Schweizer Resolution enthält zwei Anträge: Den Mitgliedstaaten soll erlaubt werden, als Beobachter an den Sitzungen des Exekutivrates teilzunehmen und sich an den Diskussionen zu beteiligen.
Zweitens sollen sie Zugang haben zu allen Dokumenten, die vom Exekutivrat und vom Finanzausschuss der WMO publiziert werden.
«Momentan erhalten die Mitgliedstaaten nur Einsicht in Dokumente, wenn sie sich hart darum bemühen, denn der Zugang gehört nicht zu den WMO-Richtlinien. Das ist eine eigenartige Situation», sagt er.
Rubli beharrt darauf, dass die Schweizer Resolution für mehr Transparenz «keine direkte Verbindung» hat mit den fortwährenden Korruptions- und Betrugsfällen. Die Resolution sei nicht gegen das Management der WMO gerichtet. Man strebe eher neue Richtlinien an.
Er gesteht aber ein, dass die Untersuchungen einen Schatten über die Organisation geworfen haben.
«Für die Schweiz ist es eine sehr wichtige Organisation, weil die Anstrengungen zur Verbesserungen und Überwachung der Wettervorhersagen nicht ohne eine durch die WMO organisierte internationale Zusammenarbeit möglich sind», sagte Rubli.
«In dieser Hinsicht sind wir an einer gut organisierten WMO sehr interessiert. Natürlich wird ihr Renommee durch den Betrugsfall beeinträchtigt.»
Korruptionsvorwürfe
Letzte Woche reichte die im November entlassene Hauptrevisorin der WMO in New York Strafanklage ein wegen angeblicher Korruption bei der Wahl des Generalsekretärs Michel Jarraud im Jahr 2003.
Am Sonntag deckte die NZZ am Sonntag auf, dass der Genfer Staatsanwalt eine eigene Untersuchung zu dieser Wahl aufgenommen hat. Jarraud bestreitet bis anhin jegliches Vergehen.
Bereits früher hatte die Schweiz Vorwürfe untersucht, wonach ein sudanesischer WMO-Angestellter 4,3 Mio. Franken unterschlagen haben soll.
«Auf Bitten der Schweizer Behörden hat das WMO-Sekretariat ausführliche Informationen über das Wahlverfahren der WMO und zu den Wahlen 2003 ausgehändigt», sagte WMO-Sprecherin Carine Richard-Van Maele gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
swissinfo, Adam Beaumont in Genf
(Übertragung aus dem Englischen: Etienne Strebel)
Der WMO-Kongress findet vom 7. bis 25. Mai in Genf statt.
Die Schweiz unterstützt die WMO mit 736’000 Franken jährlich
Die Schweiz ist in allen Hautprogrammen des WMO involviert.
Die Schweizer Beteiligung fokussiert hauptsächlich auf dem Programm der globalen Atmosphäre, das sich mit der Überwachung von Treibhausgasen und Sonnenstrahlung beschäftigt.
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