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Medien zunehmend vor PR-Karren der Parteien gespannt

Trotz wachsenden Einflussversuchen der Parteien auf die Medien sehen Publizistikexperten deren Unabhängigkeit nicht in Gefahr.

Sie verweisen aber auf die Notwenidgkeit eines starken Service public, der auch die kleinen Parteien zu Wort kommen lasse.

Die Medialisierung der Gesellschaft birgt Risiken. Journalistinnen und Journalisten sehen sich den Einflussversuchen eines wachsenden PR-Apparats gegenüber. Publizistikwissenschaftler raten zu redaktionellem Qualitätsmanagement und Selbstkritik.

Urteilsfähige Journalisten

Grundsätzlich blickt der Berner Medienwissenschaftler Roger Blum nicht pessimistisch auf die moderne Mediengesellschaft: Er entdeckt in ihr eine Art «Selbstheilungseffekt». Medienschaffende seien in der Lage herauszufinden, wann sie an der Nase herumgeführt würden. Auch das Publikum sei sensibel genug und könne abstrahieren.

Vor allem, wenn Krisen sichtbar seien, reagiere der Schweizer Journalismus kritisch, sagt Blum. Unterentwickelt sei hingegen die grosse Recherche. Nahezu allen Medien fehlten die Ressourcen, um ein Journalistenteam wochenlang für eine Recherche freizustellen. Immerhin: Die Wahlberichterstattung hat sich laut Blum verbessert.

Politiker unter der Lupe

Immer mehr Medien bemühten sich ob der eidgenössischen Wahlen, kritisch Bilanz zu ziehen, sagt er: «Man muss den Leuten etwas in die Hand geben, damit sie Entscheide fällen können.» Von den Medien erwartet er unter anderem Parteienvergleiche, Kandidatenporträts, aber auch die Darstellung wichtiger Zukunftsthemen.

TV macht Grosse noch grösser

Gleichwohl sieht Blum in der Mediengesellschaft die Gefahr eines «Zwei-Klassen-Systems». Wenn etwa das Fernsehen zu stark dominiere, setzten sich grosse Parteien und gewichtige Kandidaten von den kleineren ab. «In einem demokratischen System müssen alle Zugang haben», sagt der Zürcher Publizistikwissenschaftler Otfried Jarren.

Für Jarren ist deswegen wichtig, dass es einen starken Service public gibt, der auch Schwächere zu Wort kommen lässt. «Den Medienschaffenden muss man mehr Autonomie geben, damit sie für Pluralität sorgen können», fordert er weiter. Zudem brauche es ein redaktionelles Qualitätsmanagement.

Zu einer Professionalisierung des Medienschaffens gehörten Selbstfindung und Selbstreflexion, sagt Jarren – doch: «Im Medienbereich ist das Bewusstsein dafür noch unterentwickelt.»

swissinfo und Agenturen

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