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Sambesi-Dammprobleme unter Schweizer Lupe

Der gewaltige Karibadamm hat einen Teil des Sambesi in einen neuen See verwandelt. Getty images

Schweizer Forschende verschiedener Fachrichtungen studieren gemeinsam Probleme im Zusammengang mit Staudämmen beim grössten Fluss Sambias und arbeiten an Lösungen.

Die Forschergruppe, gebildet aus Teams der Eidgenössischen Technischen Hochschulen ETH in Zürich und EPFL in Lausanne, untersucht mit Feldstudien die Auswirkungen von Staudämmen auf die Ökosysteme am Sambesi, dem viertlängsten Fluss Afrikas.

Mit Adapt, so nennen die Wissenschafter ihr Staudamm-Projekt, möchten sie die Wassernutzung optimieren, damit die Menschen, die Umwelt und die Wirtschaft vom kostbaren Nass profitieren können.

Die Wissenschafter wählten Afrika für ihre Forschungen aus, weil dieser Kontinent das grösste Potential an ungenutzter Wasserkraft aufweist. Zudem werden die bestehenden Wasserkraft-Anlagen oft international kritisiert.

Bernhard Wehrli vom ETH-Institut für Biochemie und Schadstoffdynamik sagt gegenüber swissinfo: «Es gibt dort ein enormes Potential für die Installation weiterer Wasserkraftwerke. Die bestehenden haben aber eine unglückliche Vergangenheit, weil viele dieser Dämme ohne Beteiligung und Berücksichtigung der Zivilgesellschaft entstanden sind. Es gab bereits einige grosse Ausfälle, besonders im Bereich der Bewässerung.»

Für Wehrli ist der Sambesi «ein interessanter Fall, weil verschiedene Länder an ihn anstossen und er mehrere grosse Staudämme aufweist. «Zudem haben wir Partner gefunden, die gerne mit uns zusammenarbeiten. Und dann ist es ein riesiges Gebiet, fast so gross wie die Schweiz.»

In den vergangenen 50 Jahren wurden fünf Dämme gebaut, um den acht beteiligten Ländern Strom zu liefern. Studien zeigen nun, dass sich in dieser Zeit die ökologischen und sozialen Probleme vergrössert haben.

Hochwasser, Flora und Fauna

Wegen der Dämme wurden viele Menschen umgesiedelt. Noch immer aber werden Dörfer überflutet, wenn die Dämme ihre Schleusen öffnen.

Zudem ist die Wasserqualität schlecht, Flora und Fauna leiden. Auch die landwirtschaftlichen Gewohnheiten veränderten sich. Das Agrarland wurde statt mit Überflutung künstlich bewässert, was viele Menschen gezwungen hat, sich näher an den Flussufern anzusiedeln.

Die Pilotphase des Projekts begann 2006. Man wollte herausfinden, wie Fluss und Dämme nachhaltig optimiert und die Wasserversorgung in den Ebenen um den Fluss verbessert werden könnten – und das ohne negative Auswirkungen auf die Strom-Produktion.

Im Forscherteam teilt man die Ansicht, die grösste Qualität der Gruppe zeige sich bei der Problembewältigung und der Zusammenführung der verschiedenen Spezialgebiete.

Das Team vereint Experten und Ressourcen aus den Bereichen Umwelt- und Wasserbau, Integrative Biologie, Schadstoff-Dynamik sowie auf Entwicklungsländer spezialisierte Forschende.

«Wir arbeiten auf ein integriertes Fluss-Management hin, in dem nicht nur die unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen zusammenarbeiten. Einbezogen werden auch Gemeinden, Interessengruppen und Unternehmen aus dem öffentlichen oder privaten Bereich», erklärt Wehrli.

Nun finde die Feinabstimmung statt und die Zusammenarbeit mit der Universität von Sambia, den Elektrizitätswerken und Flusswasser-Behörden.

Erste Forschungsresultate belegen etwa die Ausbreitung des schädlichen Unkrauts Mimoa Pigra. Weiter wurden die länger anhaltenden Überschwemmungen analysiert, die nach dem Bau des Itezhi Damms an einem wichtigen Nebenfluss des Sambesi auftraten. Unter anderem hat das Weideland stark darunter gelitten. Und dies wiederum hat direkte Auswirkungen auf die Population der dort heimischen Antilopen.

Kontinuität

Mit dem auf mehrere Jahre angelegten Projekt soll der Weg für bessere Hochwasser-Vorhersagen und besseren Schutz der Dämme geebnet werden, damit die Menschen sicherer leben können.

Weiter ist der Start eines Test-Projekts für die grössten Nebenflüsse des Sambesi noch im Jahr 2008 geplant.

Die Sambesi Studie baut auf früheren Forschungen über Fliessgewässer der Umweltorganisation WWF.

«Als wir uns damit zu beschäftigen begannen, realisierten wir, dass wir weiterarbeiten sollten, denn viele dieser Initiativen hatten einen beschränkten zeitlichen Durchführungsrahmen. So werden Projektmitarbeitende oft abgezogen, und die lokalen Behörden haben meist nicht genügend Kapazität, um weiter zu machen», sagte Wehrli.

«Zudem ist es wichtig, dass es in den afrikanischen Ländern eine Reihe von Projekten gibt, in denen die lokalen Forscher ihre Arbeit fortführen können.»

swissinfo, Jessica Dacey
(Übertragung aus dem Englischen: Etienne Strebel)

Adapt startete als Pilotprojekt, bevor eine Zusammenarbeit mit Schweizer Experten, der Sambia University, dem Staat, Flusssnutzern und den Fluss-Behörden zustande kam.

Es vereint Forscher des ETH-Zentrums für Vergleichende und Internationale Studien, Nachdiplomlehrgänge zum Thema Entwicklungsländer, das Institut für Umwelt-Engineering, das Institut für integrative Biologie und Schadstoffdynamik und das ETH-Wasserforschungsinstitut.

Ebenfalls Partner sind das Wasserbau-Labor, die Abteilungen für Umweltwissenschaften und Zivil- und Umweltgeomatik und die Abteilung Geistes- und Sozialwissenschaften der EPFL Lauzsanne.

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