«Soziale Fragen nie, nie vernachlässigen»
Viele Computer-Bildschirme, mahnende Worte und gemischte erste Reaktionen von Bürgerinnen und Bürgern: Die Innenministerin hat die erste Schweizer Wissenschafts-Woche, das "Festival Science et Cité", in Zürich offiziell eröffnet.
«Ich glaube, diese Woche wird der Anfang von einem ständigen Dialog sein», sagte Innenministerin Ruth Dreifuss an der Eröffnungs-Feier am Freitagabend (04.05.) in Zürich. «Was wir brauchen, sind wissenschaftliche Fragen und Antworten, die nie, nie die sozialen Fragen und Antworten vernachlässigen.»
Allerdings präsentiert sich zurzeit in der Zürcher Bahnhofshalle primär die eine Seite: die Wissenschaft. Dies bereits der erste Eindruck beim Betreten der Ausstellung – bei allen Themen-Inseln dominieren Computer-Bildschirme, multimedial ist aktuelle Forschung für Laien einsehbar.
Multimediale Leistungs-Show?
«Katastrophal», schüttelt ein Besucher den Kopf. Und ergänzt: «Der normale Bürger versteht das nicht.» Eine junge Frau steht interessiert vor einem Bildschirm, ihr gefällts. Allerdings findet sie, dass hier eher «Information und nicht Dialog» stattfindet. «Werkschau» ist denn auch der Titel des Anlasses.
Eine unpassende Leistungs-Show? Woher denn, lacht ein weiterer Gast. Er findet es gut, dass sich die Wissenschaft so modern präsentiert. Und einschüchtern lasse er sich nicht davon.
Anziehungs-Kraft der bewegten Bilder
«Ich bin selber erschrocken über die vielen Computer», sagt Barbara Haering, SP-Politikerin und Mitorganisatorin des Zürcher Festivals, gegenüber swissinfo. Doch sie setzt auf die Anziehungs-Kraft der bewegten Bilder und futuristischen Klänge. Und zudem würden alle Stände auch betreut. Dass der Einstieg zu funktionieren scheint, zeigt der hohe Anteil junger Besucher. Und dem Vorurteil, das sei nichts für ältere Menschen, widerspricht ein älterer Mann vehement.
Im Trubel der Eröffnungs-Feierlichkeiten blieb aber in der Tat wenig Zeit und Raum für Diskussionen oder Gespräche. Verschiedene Besucherinnen und Besucher betonten jedoch, sie wollten nur einen ersten Eindruck gewinnen. «Ich komme sicher am Sonntag wieder und schaue mir alles in Ruhe an», so eine Frau gegenüber swissinfo.
Auf dem Sofa sitzen, mit jungen Forschern über Lawinen, Weltraum-Forschung, Neandertaler oder virtuelle Architektur diskutieren – der riesige Raum im Zürcher Bahnhof lädt wirklich ein zum Verweilen. Und die jungen Betreuerinnen und Betreuer – meist Studierende oder junge Forscherinnen und Forscher – sind motiviert. Von Arroganz oder unverständlicher Fachsprache keine Spur.
Defektes Glück
Übrigens: Mit «Glücks-Barometer» wollen die Initianten in allen am Festival beteiligten Städten die Bevölkerung zum Nachdenken bringen. «Bin ich glücklich?» – so lautet die Frage, präsentiert auf grossen Schalt-Tafeln. «Nein», «Ja», «Ich weiss nicht» – dies die möglichen Antworten, die man wählen kann, die abgegebenen Stimmen erscheinen als Stimmungs-Barometer in Leuchtschrift. Der Haken dabei: Die Wissenschaftler haben die Energie der Bürgerinnen und Bürger (oder zumindest die Energie von spielenden Kindern) unterschätzt. In Bern war die Anlage defekt, bevor die Wissenschafts-Woche richtig begonnen hat.
Eva Herrmann
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