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Sozialleistungen verhindern mehr Armut

Bettlerin im Zürcher Bahnhof. Keystone

Ohne Sozialleistungen gäbe es in der Schweiz viel mehr Armut. Menschen mit niedrigem Einkommen leben zu einem Drittel von staatlichen Leistungen, wie eine Studie des BFS ergab. Die AHV bekämpft die Armut im Alter sehr wirksam.

Grosse städtische Zentren sind überdurchschnittlich erfolgreich im Kampf gegen Armut.

Mit der am Dienstag (27.06.) veröffentlichten Studie des Bundesamtes für Statistik (BFS) wurden erstmals die Wirkungen und der Umverteilungseffekt einzelner Leistungen des Sozialstaates untersucht. Die Studie ergab, dass diese Leistungen in der Schweiz äusserst wichtig für die Einkommenssicherung bei den Menschen mit den niedrigsten Einkommen sind. Eine wichtige existenzsichernde Funktion hat die AHV für Rentner, die einkommensmässig weniger gut gestellt sind, während die Sozialhilfe für Alleinerziehende oder Alleinlebende wichtig ist.

Die berufliche Vorsorge ist ein wichtiges Einkommenselement für Gruppen mit mittlerem Verdienst; für Arbeitnehmende in den tiefsten Lohnsegmenten hat dieser Versicherungszweig jedoch kaum eine einkommenssichernde Funktion im Alter.

Dank der AHV und den dazugehörigen Ergänzungsleistungen sei Armut im Alter in der Schweiz relativ wenig verbreitet, schreibt das BFS weiter. Gemessen an der unteren Armutsgrenze verringerte sich die Armutsquote der Rentnerhaushalte durch Ergänzungsleistungen um die Hälfte, gemessen an der oberen Armutsgrenze um einen Fünftel. Ohne diese Leistungen wären Rentnerinnen und Rentner stark von Armut betroffen.

Altersarmut gibt es jedoch nach wie vor, insbesondere bei ausländischen Rentnern. Für die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter haben Sozialleistungen hauptsächlich bei Alleinerziehenden, Erwerbslosen und Geschiedenen einen bedeutenden Effekt für die Armutsbekämpfung. Gemessen an der unteren Armutsgrenze verringert sich die Armutsquote bei diesen Gruppen um rund 30 Prozent. Sie gehören aber trotzdem zu den am stärksten von Armut Betroffenen.

Bei der Armutsbekämpfung bestehen grosse regionale Unterscheide, wie die Studie weiter ergab. Diese sind durch die unterschiedlich ausgestalteten kantonalen Leistungssysteme bedingt. Insbesondere grosse Zentren bekämpfen die Armut überdurchschnittlich wirksam. So wird in der Region Genfersee mit hohen Armutsquoten als auch im Kanton Zürich mit niedrigen Werten die Armut aufgrund der ausgebauten Leistungssysteme überdurchschnittlich stark verringert.

In der Zentral- und Nordwestschweiz, wo die Armutsquoten im schweizerischen Durchschnitt liegen, haben staatliche Sozialleistungen hingegen einen relativ geringen Effekt auf die Armutsbekämpfung. Auch die Peripherien der Grossstädte, die überdurchschnittlich von Armut betroffen sind, sind weniger erfolgreich.

Umverteilung gelingt vor allem der AHV

Die Sozialversicherungszweige und Sozialleistungstypen unterscheiden sich in Bezug auf die Umverteilung von Geldern zwischen den Einkommensgrppen sehr stark. Eine starke Umverteilung zugunsten der unteren Gruppen gelingt bei den Ergänzungsleistungen, den Krankenkassen-Prämienverbilligungen, der AHV und der Sozialhilfe. Gemessen am Volumen hat bei den Sozialversicherungen die AHV eine deutliche Solidaritätskomponente, wie das BFS weiter erklärt.

Bei der beruflichen Vorsorge hingegen könne keine Umverteilung zugunsten der Einkommensschwachen erwartet werden, das Arbeitnehmer im unteren Lohnsegment oft von den Pensionskassen ausgeschlossen blieben. Menschen, die nicht an der beruflichen Vorsorge beteiligt sind, sind überdurchschnittlich häufig auf Ergänzungsleistungen und andere bedarfsabhängige Sozialleistungen angeweisen. Solche Versicherungslücken könnten laut BFS künftig zu erheblichen Kosten bei den bedarfsabhängigen Sozialleistungen führen.

swissinfo und Agenturen

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