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Technische Berufe sind immer noch «Männerberufe»

Nach wie vor sind in den technischen Berufen kaum Frauen anzutreffen. Keystone

Junge Frauen, die eine Lehre in einem typischen Männerberuf machen, sind bei den Betrieben gesucht. Die traditionellen Rollenbilder bei der Berufswahl halten sich in der Schweiz jedoch hartnäckig.

Nur Luxemburg weist gemäss einer OECD-Studie von 25 untersuchten Industrieländern stärkere Berufsunterschiede zwischen Frauen und Männern auf als die Schweiz.

Männer sind Techniker, Frauen Pflegerinnen. Dies zeigt ein Blick auf die Lehrstellenstatistik des Bundes. In Sachen Berufswahl von Mädchen und Knaben hat sich dieses Bild in den letzten fünfzehn Jahren kaum verändert.

Bei beiden Geschlechtern ist die kaufmännische Lehre am beliebtesten, sonst unterscheidet sich die Liste der Top Ten aber markant. 77 Prozent der jungen Frauen wählen einen Beruf im Bereich Verkauf, Gastgewerbe, Hauswirtschaft und Körperpflege.

73,6 Prozent der Knaben entscheiden sich für eine Lehre in den Branchen Metall- und Maschinenindustrie, Holzverarbeitung oder einen technischen Beruf.

Resistentes Rollenverhalten

Das Berufswahlverhalten der Schülerinnen und Schüler sei erstaunlich resistent gegenüber den Bemühungen, die klassischen Rollen zu überwinden, konstatiert Ursula Huber, Projektleiterin des Lehrstellenprojekts «16 plus» – eines Projekts im Rahmen des Lehrstellenbeschlusses des Bundes.

Einen untypischen Beruf zu wählen, sei für die Jugendlichen eine grosse Herausforderung. Denn die Berufswahl falle in eine schwierige Lebensphase, in der Jugendliche eine Orientierungshilfe suchten. Viele erfüllten bei der Wahl des Berufes die Erwartungen der Eltern oder ihrer gesellschaftlichen Umgebung. Schon vier Jahre später sei ihr Blickwinkel viel offener, sagt Huber.

Keine Vorbilder

Frauen würden oft einen Beruf wählen, bei dem die Wiedereinstiegschancen nach einer Familienphase gut erscheinen. Dies trifft vor allem auf die klassischen Frauenberufe wie Krankenschwester oder Verkäuferin zu.

Hinzu kommt, dass die Mädchen bei technischen Berufen wenige oder gar keine Vorbilder haben und sich unter Berufen wie Automatiker nichts Genaues vorstellen könnten.

Interessierte Betriebe

Genau dies hat auch Christine Davatz, Vizedirektorin des Schweizerischen Gewerbeverbandes (SGV) und zuständig für Bildungsfragen, festgestellt. Wenn die Mädchen von zu Hause aus keinen Bezug haben, kommen sie nicht auf die Idee einen technischen Beruf zu erlernen.

Auf Unternehmensseite bestehe jedoch Interesse, Frauen in sogenannten Männerberufen auszubilden, sagt Davatz. Vor allem jene Betriebe, die bereits Mädchen ausgebildet hätten, seien sehr zufrieden.

Die Mädchen seien motiviert und engagiert, und sie würden die Lehre erfolgreich abschliessen. Zudem: Die weiblichen Lehrlinge würden das Betriebsklima und die Arbeitsatmosphäre verbessern.

Frauenberufe aufwerten

Auch für Davatz sind die unterschiedlichen Rollenbilder und Karrieremuster von Mann und Frau der Hauptgrund für das fehlende Interesse der Mädchen. Die gesellschaftlichen Verhältnisse liessen sich aber nicht einfach durch einen politischen Bildungsbeschluss neutralisieren.

Sinnvoller als die Berufswünsche der Mädchen in Richtung Männerberufe zu lenken, an denen sie kein Interesse hätten, findet Davatz die Aufwertung der Frauenberufe. Der Berufsstolz und das Sozialprestige müssten gefördert werden. «Aus den sogenannten Sackgassenberufen müssen Berufe mit Entwicklungsmöglichkeiten werden», sagt auch Huber.

swissinfo und Agenturen

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