Überraschende Artenvielfalt in den Alpen: Neue Mückenart entdeckt
Über 2'000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten haben 74 Experten in nur 24 Stunden auf der Alp Flix beim Julierpass im Bündnerland gefunden. Die Aktion zur Artenvielfalt in den Alpen hat auch ein bisher weltweit nicht bekanntes Insekt zu Tage gefördert.
«Neue» Mücke
Die Entdeckung wurde anfangs Juni anlässlich eines Aktionstages gemacht, bei dem die 20 Schweizer Naturmuseen mit der Zeitschrift «GEO» zusammenarbeiteten. Neu ins Inventar der weltweit rund 900’000 Insekten aufgenommen werden kann eine Dung- Mückenart, die der Wissenschaft bisher noch nicht bekannt war, wie es an einer Medienkonferenz am Donnerstag (24.08.) im Botanischen Garten der Universität Zürich hiess.
Die Entdeckung des 1,8 Millimeter kleinen Zweiflüglers sei ein Glücksfall, hiess es an der Medienorientierung weiter. Die neuartige Dung-Mücke, die bisher noch keinen Namen hat, konnte erst im Nachhinein im Naturmuseum von Neuchâtel identifiziert werden. Ihre nächste Verwandte ist in Nordamerika heimisch.
Die anderen «Entdeckungen»
Bei der grossangelegten Feldforschung auf der Alp Flix wurden ferner ein Blattflo und eine Schnecke gefunden, die bekannt sind, aber bisher in der Schweiz noch nicht nachgewiesen wurden.
Die 24-Stunden Aktion habe eine erstaunliche Artenvielfalt hervorgebracht, die man nicht erwartet habe, sagte Jürg Paul Müller vom Bündner Naturmuseum in Chur. Angesichts der kurzen Zeit rechneten die Experten mir rund 1’500 Arten.
Die grosse Ausbeute weise darauf hin, dass bei längerem Suchen auf der Alp Flix bis zu 10’000 verschiedene Tier- und Planzenarten gefunden werden könnten, schätzte Ambros Hänggi vom Naturhistorischen Museum Basel.
Noch viel zu entdecken
Eine solche Vielfalt schreibe man gemeinhin den Tropenwäldern zu, aber nicht einem vier Quadratkilometer grossen Alpenareal zwischen 1’600 und 1’900 Metern über Meer, sagte Hänggi weiter.
Die Hälfte der über 2’000 Arten waren Pflanzen, die andere Hälfte Tiere, darunter rund 700 Insekten aber nur 18 Säugetiere. Die Alp Flix figuriert im Bundesinventar der Moorlandschaften.
Laut Erich Kohli, Sektion Arten und Biotopschutz vom Bundesamt für Umwelt Wald und Landschaft (BUWAL), hat der Aktionstag, der die Artenvielfalt und deren Schutz propagieren wollte, die oft vorherrschende falsche Meinung widerlegt, dass in der Schweiz alle Lebensarten schon bekannt seien.
Über die detaillierten Ergebnisse des GEO-Tages der Artenvielfalt berichtet die September-Ausgabe der deutschen Zeitschrift GEO.
swissinfo und Agenturen
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