Von Bruno Manser weiterhin keine Spur
Seit letztem Mai gibt es vom Schweizer Regenwaldschützer Bruno Manser kein Lebenszeichen mehr. Er war unterwegs nach Sarawak auf Borneo, um seine Freunde, die Penan, zu besuchen. 1984 bis 1990 hatte Manser bei diesen Waldnomaden gelebt.
Über den Verbleib des bekannten Basler Umweltaktivisten Bruno Manser gibt es seit mehr als einem halben Jahr keine Nachricht. Familienangehörige und Freunde sind beunruhigt, denn noch nie hat er sich so lange nicht gemeldet. Erich Manser, Bruder des Vermissten, erklärte gegenüber swissinfo: «In früheren Jahren, auch in den schlimmsten Zeiten, als Bruno von Polizei und Militär in Sarawak gejagt wurde, erhielten wir alle zwei bis drei Monate eine Nachricht.»
Intensive Suche – bislang ohne Erfolg
Seit August suchen Angehörige sowie der Bruno-Manser-Fonds mit Hilfe von Verbindungsleuten und Freunden vor Ort nach dem Schweizer. Bislang ohne Erfolg. Auch Suchtrupps der Penan konnten keine Spur von ihm finden. Der 46-jährige Manser ist wie vom Erdboden verschluckt.
EDA eingeschaltet
Gegen Ende November deponierte die Familie Manser beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA eine Vermisstmeldung und ersuchte formell um Hilfe. Botschafter Walter Thurnherr, Leiter der politischen Abteilung VI im EDA erklärte gegenüber swissinfo, die Behörden in Malaysia hätten gegenüber dem Schweizer Botschafter in Kuala Lumpur, Rudolf Staub, versichert, Bruno Manser sei nicht inhaftiert. Er werde umgehend ausgeschafft, sollte er gefunden werden, denn er sei illegal eingereist.
Zahlreiche Spekulationen
Bruno Mansers Schicksal bleibt im Moment ein Rätsel: Ist er bei den beschwerlichen Märschen durch den Urwald verunglückt? Ist er erkrankt oder verletzt? Wird er, der in Malaysia als Persona non grata, ja gar als Staatsfeind gilt und auch bei der Holzindustrie äusserst unerwünscht ist, irgendwo gefangen gehalten? Ist er ermordet worden? Oder hält er sich absichtlich versteckt, um die Weltöffentlichkeit auf Sarawaks Kahlschläge zu lenken?
Zwischen bangen und hoffen
Bruno Mansers Familie schliesst keine der Möglichkeiten aus. Dass sich der Umweltschützer absichtlich versteckt halte, sei eher unwahrscheinlich, erklärte Erich Manser. Dies würde er seiner Familie nur in äusserster Not zumuten. Sarawak sei weit weg, und was dort an der Front passiere, wisse man nicht. Familie und Freunde leiden vor allem unter der Ungewissheit über das Schicksal des Basler Penan-Freundes.
Er lernte die Sprache der Penan
Vor 15 Jahren machte sich Bruno Manser auf nach Sarawak auf Borneo, um das Volk der Penan kennen zu lernen. 9000 von ihnen gibt es noch, lediglich 250 von ihnen leben noch als Vollnomaden.
Sechs Jahre lang wohnte Manser bei ihnen, erlernte ihre Sprache und Kultur, ihre Überlebens-Techniken als Jäger und Sammler und machte unzählige Skizzen. Er musste mitansehen, wie der Lebensraum der Penan durch Rodungen immer kleiner wurde. In den letzten 20 Jahren wurden in Sarawak über 70 es Regenwaldes abgeholzt. Manser organisierte Aktionen und Blockaden.
1990 kehrte er in die Schweiz zurück und gründete den Bruno-Manser-Fonds.
Gaby Ochsenbein
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