WHO warnt vor Resistenz gegen Antibiotika
Die zunehmende Resistenz gefährlicher Bakterien gegen Antibiotika droht den medizinischen Fortschritt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) um Jahrzehnte zurückwerfen. Als besonders ernst bezeichnet die WHO die Lage in Industrieländern.
Auf Grund des übermässigen Einsatzes von Medikamenten gegen Infektionskrankheiten aller Art sprächen immer mehr Erkrankungen nicht auf die Behandlung an, hiess es in einem am Montag (12.06.) in Washington veröffentlichten Bericht der Organisation.
Auf diese Weise würden ursprünglich leicht zu behandelnde Krankheiten unheilbar, sagte der WHO-Experte für Infektionskrankheiten, David Heymann.
Besonders ernst sei die Lage in Industrieländern, wo Antibiotika häufig bereits zur Behandlung leichter Erkältungen eingesetzt würden, hiess es in dem Bericht. Nach Schätzung amerikanischer und kanadischer Ärzte sind 50 Prozent aller Antibiotika-Verschreibungen unnötig.
In Entwicklungsländern besteht nach Angaben der WHO das umgekehrte Problem: Dort könnten sich viele Patienten selbst bei schweren Erkrankungen notwendige Medikamente nicht leisten.
Zusätzlich erschwert wird das Problem dem Bericht zufolge durch den Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht und der Futterproduktion.
Weltweit werde die Hälfte dieser Medikamente Tieren verabreicht, was die Gefahr von Resistenzen und in der Folge vergifteten Tierprodukten erhöhe. Als Beispiele für vielerorts nicht mehr heilbare Krankheiten, die früher mit Antibiotika behandelt werden konnten, führte die WHO unter anderem Malaria und Tuberkulose an.
swissinfo und Agenturen
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