Wunsch zum Muttertag:Mehr Rechte für die Frauen
Der Muttertag ist Anlass für Politikerinnen, mehr Rechte für Frauen zu fordern - mehr Rechte zu Hause und am Arbeitsplatz. Diese Forderungen beinhalten auch den Wunsch nach besserem Schutz vor häuslicher Gewalt, die in der Schweiz eine traurige Tatsache bleibt.
Gemessen am Zugang zu Gesundheitsfürsorge, Gebrauch von Verhütungsmitteln, Familienplanung, Fähigkeit zu lesen und Regierungsbeteiligung belegen die Schweizer Mütter weltweit den sechsten Rang.
Dies geht hervor aus einer Studie der amerikanischen Stiftung «Save the Children», die vor kurzem veröffentlicht wurde. Sie beurteilt die Lage der Mütter in 17 Industrie- und 77 Entwicklungsländern. Schweden, Norwegen, Dänemark und die Niederlande liegen vor der Schweiz, die im Vergleich zum Vorjahr um zwei Ränge schlechter platziert wurde
«Überrascht»
«Ich bin ziehmlich überrascht von diesem Resultat», sagt Lucretia Meier-Schatz, Präsidentin von Pro Familia Schweiz und Mitglied des Nationalrates.
«Wenn man analysiert, was die Schweizer Regierung für die Familienpolitik tut und das Resultat dann mit den Ergebnissen dieser Studie vergleicht, zeigt sich, dass die Studie ungenau ist.»
Die Investition in die Familien-Politik sei so schlecht wie in Griechenland und Portugal, und alle anderen Länder Europas sowie die Mitglieder der OECD (Organisation of Economic Cooperation and Development) würden vor der Schweiz liegen.
Lucretia Meier-Schatz ist der Ansicht, dass die Frauen in der Schweiz immer noch weit von den Zielen der Gleichberechtigung entfernt sind. Dies, obwohl die Nationale Familienpolitik in den letzten zehn Jahren stärker im Zentrum gestanden habe als früher.
Richtung stimmt
Zwar sei die Richtung gut, die die Politikerinnen und Politiker eingeschlagen haben, meint Meier-Schatz. Sie verweist auf die Ankündigung der Regierung, in den nächsten zehn Jahren 1 Mrd. Franken in Kinderkrippen zu investieren.
Dennoch: «Ich denke, wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Wir sind politisch in einer eher konservativen Periode und deshalb gibt es Kräfte die dazu tendieren, dass Frauen immer noch die Erziehung übernehmen und zu Hause bleiben sollen.»
Hoffnungen setzt Lucretia Meier-Schatz in die jungen Frauen, die eine bessere Ausbildung haben als ihre Mütter. Sie vermutet, dass diese ihre Jobs nicht verlassen wollen, um zu Hause zu bleiben.
Häusliche Gewalt diskutieren
Für die Parlamentarierin Ruth Gaby-Vermot stellt die häusliche Gewalt eines der wichtigsten Themen dar, an welches am Muttertag gedacht werden sollte. Gegenüber swissinfo sagte sie, dass zwanzig Prozent der Frauen der Schweiz Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch in den eigenen vier Wänden seien.
«Häusliche Gewalt ist nicht ein speziell schweizerisches Problem. Es gibt sie in jedem Land. Wir müssen das Thema ganz einfach diskutieren. Es ist sehr wichtig.»
Ihr Wunsch zum Muttertag ist, dass das Parlament ein neues Gesetz unterstützt, welches Frauen vor sexuellem Missbrauch schützen soll. Zur Debatte gelangt die Vorlage im Juni.
swissinfo und Agenturen
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