Zahl der angezeigten Sexualdelikte steigt in Zürich um 20 Prozent
Die Zahl der angezeigten Sexualdelikte hat im Kanton Zürich im vergangenen Jahr um ganze 20 Prozent zugelegt. 1642 Fälle gingen bei der Staatsanwaltschaft ein.
(Keystone-SDA) «Dies bedeutet nicht automatisch, dass viel mehr Taten passierten», sagte Oberstaatsanwältin Susanne Leu vor den Medien. Einer der Hauptgründe für den Anstieg sei das neue Sexualstrafrecht.
Dieses trat im Juli 2024 in Kraft und brachte den Grundsatz «Nein ist Nein» mit sich. Seither gilt eine Handlung bereits als Straftat, wenn eine Person unmissverständlich signalisiert, dass diese unerwünscht ist. Unter dem alten Gesetz mussten die Staatsanwaltschaften noch nachweisen, dass beim Übergriff Gewalt oder Drohungen angewendet wurden.
Gleichzeitig wurde mit dem neuen Gesetz der Straftatbestand der Vergewaltigung erweitert. «Heute gelten mehr Handlungen als Vergewaltigung als zuvor», sagte Leu. Unter altem Recht konnten etwa ausschliesslich Frauen vergewaltigt werden, nicht aber Männer.
Von einem ersten Fall eines vergewaltigten Mannes berichtete diese Woche «20 Minuten»: Ein Mann steckte einem Bekannten an der Street Parade einen Finger in den Anus – unter altem Recht hätte dies noch als sexuelle Nötigung gegolten. Wegen des neuen Sexualstrafrechts wurde der Beschuldigte wegen Vergewaltigung angeklagt. Der Fall endete jedoch in einem Freispruch.
Mehr Strafverfahren, mehr hängige Fälle
Insgesamt gingen bei der Zürcher Staatsanwaltschaft 43’548 Strafverfahren ein. Das sind 1,6 Prozent oder rund 700 mehr als im vergangenen Jahr. Das Total der hängigen Verfahren stieg um 6,5 Prozent auf über 12’800. Gleichzeitig sanken die abgeschlossenen Verfahren um 1,1 Prozent – es bleiben also immer mehr Fälle liegen.
Um diesen Berg an Fällen, die zunehmend komplizierter werden, abzubauen, schuf der Kanton bis 2028 insgesamt 55 neue Stellen.