Zuger Kantonsrat will am obligatorischen Frühfranzösisch festhalten
Mit einem Postulat haben mehrere Mitte-Kantonsräte das Aus für das obligatorische Frühfranzösisch auf der Primarstufe gefordert. Der Zuger Kantonsrat hat den Vorstoss am Donnerstag mit 49 zu 25 Stimmen nicht erheblich erklärt.
(Keystone-SDA) Sechs Kantonsräte forderten in ihrem Postulat, dass Englisch die einzige Fremdsprache auf der Primarstufe bleibt. Französisch soll ab der fünften Klasse nur noch als Freifach angeboten werden. Obligatorisch soll die zweite Landessprache erst ab der Sekundarstufe werden.
Die Kantonsräte begründeten ihren Vorstoss mit dem mangelnden Erfolg des Modells. «Qualität erreicht man nicht durch Zwang», sagte Martin Hausheer (Mitte) im Namen der Motionäre. Die frei werdende Unterrichtszeit solle zur Stärkung der Grundkompetenzen in Deutsch, Mathematik und den naturwissenschaftlichen Fächern genutzt werden, so der Kantonsrat. Unterstützung gab es vom FDP-Sprecher. Tom Magnusson sagte, der Fokus des Französischunterrichts solle auf die Oberstufe verlagert werden, «um die Primarstufe zu entlasten».
Ablehnend äusserten sich die Sprecherinnen der ALG, SP, Mitte und SVP. Sozialdemokratin Michèle Schmid warnte vor einem «übereilten Systemwechsel». Manuela Käch (Mitte) sagte, ein Alleingang würde Probleme schaffen, statt sie zu lösen. Esther Monney (SVP) erklärte, man solle das Frühfranzösisch nicht abschaffen, nur weil es einigen Schwierigkeiten bereite. Das mache man bei anderen Fächern auch nicht.
Regierung war dagegen
Die Regierung lehnte den Vorstoss ab. Ein Systemwechsel beim Fremdsprachenunterricht sei verfrüht, der Kanton Zug solle da nicht vorpreschen. Stattdessen sollen die nationalen Entwicklungen beobachtet werden. Zudem seien bereits Massnahmen zur Verbesserung gestartet worden.
Erwähnt wurden Austauschprogramme, Weiterbildungen für Lehrpersonen oder der Einsatz von Sprachassistenzpersonen. «Allfällige Motivationsprobleme der Lernenden lösen wir nicht, wenn wir das Französisch auf die Oberstufe verschieben», sagte Bildungsdirektor Stephan Schleiss (SVP).
In der Zentralschweiz hat der Kanton Schwyz die Abschaffung des Frühfranzösisch beschlossen. Im Kanton Uri beginnt der Französischunterricht erst in der Oberstufe. Italienisch kann ab der 5. Klasse als Wahlpflichtfach belegt werden.