Arbeit, Verdienst und Kampfjetlärm im Oberhasli
Der Militärflugplatz in Unterbach bei Meiringen wurde 1941 in Betrieb genommen. Er brachte Arbeit und Verdienst in die Bergregion, was durchaus wohlgelitten war. Doch zunehmend wurde auch der Fluglärm in der Region ein Thema.
(Keystone-SDA) Mit dem Beginn des Jet-Zeitalters in den 1950er-Jahren verursachten Flugzeuge auf einmal deutlich mehr Lärm. Anders als im urbanen Raum, trafen im östlichen Berner Oberland vor allem die Interessen der Erholung und Ruhe suchenden Touristen auf die Bedürfnisse der Landesverteidigung.
Lange nutzte die Luftwaffe eine Vielzahl von Flugplätzen und der Fluglärm verteilte sich in der ganzen Schweiz besser, wie die im Kampf gegen den Fluglärm engagierte Vereinigung IGF Alpenregion auf ihrer Internetseite schreibt.
Nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende des Kalten Krieges wurden verschiedene Standorte der Luftwaffe wie etwa Interlaken oder St. Stephan aufgegeben. Weitere Reduktionen erfolgten ab 2004. Heute gibt es in der Schweiz noch die drei Kampfjet-Basen in Payerne VD, Meiringen BE und Emmen LU.
In den 1990er-Jahren warnte eine Interessengruppe aus der Region Haslital/Brienz, dass die zum Kauf vorgesehenen F/A-18-Kampfjets beträchtlich lauter sein würden als ihre Vorgänger. Dies werde in dem engen Bergtal, wo der Schall nicht wegebbt, sondern von den Bergflanken reflektiert wird, zu Problemen führen.
Auftrieb durch Initiative
Eine vom bekannten Umwelt- und Tierschützer Franz Weber lancierte eidgenössische Initiative gegen Fluglärm in Tourismusgebieten verlieh dem Thema ab 2004 Auftrieb.» 2008 lehnte das Schweizer Volk die Initiative zwar deutlich mit über 68 Prozent Neinstimmen ab – doch in den vom Fluglärm betroffenen Gemeinden der Region Haslital/Brienz lag die Zustimmung bei über 60 Prozent.
Seit 2008 engagiert sich in der Region auch ein Verein für den Erhalt des Militärflugplatzes Meiringen. «Sicherheit, Arbeitsplätze und Wertschöpfung für die Region», führt er als Argumente ins Feld.
Weniger Starts
Mit dem Entscheid des Bundes zum Kauf des F-35-Kampfjets flammte der Widerstand gegen den Lärm in Teilen der Bevölkerung wieder auf. Denn: Der F-35 wird noch einmal lauter sein als heute ein F/A-18, wie das Bundesamt für Rüstung bekannt gab.
Im vergangenen Herbst beteiligten sich mehrere hundert Menschen an einem Schweigemarsch beim Militärflugplatz Meiringen. Über das Ganze gerechnet, müssten die Anwohnenden der Militärflugplätze nicht mehr Lärm aushalten, denn die neuen Kampfjets gingen im Trainingsalltag weniger oft in die Luft, versprach der Bund.
Der Verein «Pro Flugplatz Meiringen» rechnet auf seiner Internetseite vor, dass der F-35 ab 2030 rund 50 Prozent weniger Flugbewegungen generiere. Das ergebe noch «etwa fünf Minuten Lärm pro Tag».
Wie viel Lärm die neuen Kampfjets wirklich machen, wissen die Haslitaler derzeit nicht. Ein im April angesetzter Hörvergleich auf dem Flugplatz Meiringen zwischen F-35 und F/A-18 wurde vom Bund kurzfristig auf unbestimmte Zeit verschoben.
Als Grund wurde die italienische Luftwaffe genannt, die aus operationellen Gründen die Kampfjets nicht zur Verfügung stellen konnte.
Die IGF Alpenregion hat nach eigenen Angaben gegen den Sachplan-Entwurf zur Stationierung des F-35 eine Kollektiveinsprache mit mehr als 200 Personen eingereicht. Auch die Gemeinde Meiringen machte Einsprache.