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Ascom streicht jede 10. Stelle

Der Stellenabbau wird auch den Berner Hauptsitz nicht verschonen. Keystone

Der Fernmelde-Konzern Ascom baut im Zuge einer Restrukturierung weltweit 1'100 Stellen ab; rund zehn Prozent insgesamt. In der Schweiz sind rund 400 Stellen vom Abbau betroffen. Die Gewerkschaften reagierten empört. Die Börse reagierte nicht.

Der Stellenabbau beim Berner Traditions-Unternehmen steht im Zusammenhang mit der Strategie, die der neue Chef Urs T. Fischer dem Konzern im Frühjahr verpasst hat. Ascom wolle durch die einschneidenden Massnahmen Doppelspurigkeiten beseitigen und Hierarchien verflachen, heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch (13.06.). Der Stellenabbau wird laut Konzernchef Urs T. Fischer rasch, sozialverträglich und mit möglichst wenigen Entlassungen durchgezogen.

Lieber Kahlschlag als Salamitaktik

Fischer sagte in einem Interview mit SR DRS: «Ich bin völlig gegen Salamitaktik. Wir wollen mit einem Schritt die Ascom dahin bringen, wo sie sein muss.» Ascom müsse sich an den Besten im Weltmarkt messen. Dabei ist der Ascom-Chef mit dem Geschäfts-Verlauf gar nicht unzufrieden: Auftragseingang und Umsatz hätten im Vergleich zum Vorjahr leicht zugenommen, verkündete er stolz.

Alle Bereiche betroffen

Der Abbau beginnt in drei Wochen und soll bis in vier Monaten zu zwei Dritteln vollzogen sein. Betroffen sind Administration, Stabsstellen und Produktion, aber auch Forschung und Entwicklung. Dieses rasche Vorgehen führt zu Entlassungen – erste Kündigungen sollen bereits im Juli erfolgen. Die 1’100 Stellen enthalten 300 Temporärstellen, 100 davon in der Schweiz. In der Schweiz verschwinden insgesamt 400 Arbeitsplätze. Das betrifft laut Gewerkschaftsangaben die Kantone Aargau, Bern, Solothurn und Zürich.

Ascom verspricht sich von der Massnahme mittelfristig Einsparungen von 70 Mio. Franken jährlich.

Gewerkschaften laufen Sturm

Die Gewerkschaften reagierten empört. Die Gewerkschaft für Industrie, Gewerbe und Dienstleistungen SMUV will den sofortigen Abbau-Stopp und Verhandlungen; bis zu deren Abschluss dürfe es keine Kündigungen geben. Für die christliche Gewerkschaft Syna wählte Ascom den Weg des geringsten Widerstandes; das Personal trage die Folgen von Managementfehlern. Laut dem Verband Schweizerischer Angestelltenvereine der Maschinen- und Elektroindustrie (vsam) müssen die Betroffenen wieder Arbeit finden oder zur Arbeitsmarktfähigkeit weitergebildet werden.

Für die Berner Volkswirtschaftsdirektorin Elisabeth Zölch ist es angesichts des Marktumfeldes nachvollziehbar, dass Hierarchien verflacht, Doppelspurigkeiten beseitigt und Synergien ausgeschöpft würden.

Börse reagierte gelassen

Der angekündigte Arbeitsplatz-Abbau hat die Schweizer Börse am Donnerstag (14.06.) kalt gelassen. Der Kurs der Ascom-Namenaktie schloss am Abend mit 100,25 Franken um lediglich 0,7% oder 75 Rappen tiefer als am Vorabend.

swissinfo und Agenturen

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