Ascoms Powerline geht an den Start
Was vor vier Jahren noch als Vision galt wird jetzt wahr. Was der Berner Elektronik-Konzern lange versprach, lanciert Ascom nun in Deutschland: Das Internet via Steckdose. Die deutsche RWE geht am Montag als erster Energiekonzern mit dem Powerline-Zugang ins Internet.
Das Prinzip der Datenübertragung durch Stromleitungen ist nicht neu. Einfache «Babyphones» übertragen Sprache über das Stromnetz innerhalb eines Hauses. Schon seit den 20er Jahren können Energieversorger über das Stromnetz interne Informationen übertragen.
Allerdings stellt die Übertragung großer Datenmengen per Stromkabel weit höhere technische Ansprüche: Mit bis zu 30 Mio. Schwingungen (Megahertz) wollen die «Powerliner» die Daten durch die Stromkabel schicken.
Nur in Deutschland am Start
Vorerst in den deutschen Städten Essen und Mülheim kann ab Montag über die Stromleitung im Internet gesurft und können Daten heruntergeladen werden. Etwa 7’000 Kunden in diesen beiden Städten haben bereits ihr Interesse angemeldet, sagte ein Sprecher der Essener RWE Powerline – einer Tochter des grössten deutschen Energieversorgers RWE.
Ascom hofft auf weitere Bestellungen
Die neue Technologie soll zügig in weiteren Städten eingeführt werden. Köln sei die nächste Stadt, hiess es in Firmenkreisen. Bis zum Jahresende sollen so 20’000 Kunden gewonnen werden, bis Ende 2002 nochmals 100’000.
Die Ascom rechnet sich gute Chancen aus, dass nach Deutschland nun weitere Bestellungen folgen werden. Zurzeit laufen mit vierzehn Partner-Unternehmen in elf Ländern, darunter auch der Schweiz, Feldversuche.
Der neue Ascom-Konzernchef Urs Fischer sagte im März, dass rund 30% des Investitions-Budgets 2001 für Powerline reserviert ist. Das heisst, in diesem Jahr dürfte Ascom demnach rund 50 Mio. Franken in das System investieren. Für die kommenden 12 Monate erwartet der Konzern (rund 3 Mrd. Franken Umsatz) einen Powerline-Umsatz von gut 100 Mio. Franken.
In der Schweiz wurde bereits in den siebziger Jahren zum Thema Powerline geforscht. In Zusamenarbeit mit Schweizer Elektrizitätswerken ging es darum, eine Fernablesung der Stromzähler zu ermöglichen. Eine Wirtschaftlichkeit konnte unter den damaligen Rahmen-Bedingungen jedoch nicht sichergestellt werden. Jetzt wird sich weisen, ob der neue Anlauf Wirtschaftlichkeit bringt.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch