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Börse reagiert positiv auf Swissair-Group

Die Swissair hebt zumindest an der Börse wieder ab Keystone

Am Morgen nach der mit Spannung erwarteten Generalversammlung der Swissair-Group hat deren Aktie am Donnerstag (26.04.) deutlich zugelegt: Bei Handelsbeginn an der Schweizer Börse schoss der Kurs gegenüber dem Vorabend um 18 Franken oder 16,2 Prozent auf 129 Franken. Mehr als 27'000 Aktien wurden bereits umgesetzt.

Vor knapp 5’300 Aktionären führte Mario Corti, Verwaltungsrats-Präsident und Konzernchef der Swissair-Group, am Mittwoch (25.04.) durch die Generalversammlung der Schweizer Fluggesellschaft. Die angeschlagene Swissair-Group wird von einem Sonderprüfer durchleuchtet. Ein Milliardenkredit der Banken sichert vorläufig die Liquidität. Und mit dem neuen Namen Swissair-Group will die Gesellschaft zurück zum Erfolg.

Bis spät in die Nacht dauerte die 75. General-Versammlung (GV) der Swissair-Group. Mario Corti, Verwaltungsrats-Präsident und Konzernchef, gewann das Vertrauen der Aktionäre und Aktionärinnen für die Swissair zurück. Er räumte das Scheitern eines eigenen Flugverbandes ein und versprach, die Kontrolle im Konzern zu verbessern.

Verwaltungsrat verzichtet auf Décharge

Statt der erwarteten 12’000 Aktionäre nahmen lediglich knapp 5’300 an der Generalversammlung teil. Sie vertraten 39,4 Prozent des Aktienkapitals. Sie stimmten überraschend deutlich einem Antrag auf die Einsetzung eines Sonderprüfers zu, obwohl sich der neue Verwaltungsrats-Präsident Mario Corti dagegen stemmte. Damit wurden die Voraussetzungen geschaffen, um den Verwaltungsrat und das Management möglicherweise mit einer Verantwortlichkeits-Klage für das finanzielle Debakel zur Rechenschaft zu ziehen. Der Verwaltungsrat entschied im weiteren, aus eigenen Stücken auf die Erteilung der Décharge vorerst zu verzichten. Die Generalversammlung erteilte somit Corti als einzigem Mitglied des Verwaltungsrates die Décharge.

Milliardenkredit, neuer Name, vereinfachte Konzernstruktur

Corti machte noch an der Generalversammlung erste Angaben zur künftigen Strategie. Die Liquidität wird mit einem Milliardenkredit der drei Banken Credit Suisse First Boston, Deutsche Bank und US-Citibank sichergestellt. Nicht dabei ist die UBS. Dies überrascht umso mehr, als Eric Honegger, ehemaliger Verwaltungsrats-Präsident der SairGroup, im Verwaltungsrat der Schweizer Grossbank sitzt.

Auf das Abseitsstehen der UBS angesprochen, sagte Corti: «Mit diesem Institut sind wir in Kontakt». Hohe Prioriät habe nun die Verbesserung der Eigenkapitaldecke. Corti rechnet mit Resultaten bis Ende Juni.

Die SAirGroup wird, wie Corti sagte, in Swissair-Group unbenannt. Der neuen Konzernleitung gehören 13 Personen an – nach wie vor auch der umstrittene Finanzchef Georges Schorderet.

Schliesslich bereitet Swissair den Ausstieg aus den französischen Beteiligungen an AOM-Air Liberte vor, schiesst aber noch ein letztes Mal einen Beitrag in der Höhe von 500 Mio. Franken ein, um die Ausarbeitung eines Sanierungsplans bis Ende Juni zu ermöglichen. Im Gegensatz zu den Beteiligungen in Frankreich ist nach den Worten von Verwaltungsrats-Präsident Mario Corti im Fall der belgischen Fluggesellschaft Sabena noch keine Lösung gefunden worden.

Nur wenige Angaben machte Corti zu den Abgangs-Entschädigungen für die gescheiterten Manager und Verwaltungsratspräsidenten. Im Fall von Eric Honegger nannte er die Zahl von 480’000 Franken. Dies entspräche einer Jahres-Entschädigung. Bei den anderen verschanzte er sich hinter dem in den Verträgen vereinbarten Stillschweigen.

Corti kritisiert Verhandlungsergebnis mit Deutschland

Corti ging an der GV auch auf die Luftverkehrsverhandlungen mit Deutschland und die Zukunft des Flughafens Genf-Cointrin ein. Das Ergebnis der Verhandlungen in Berlin sei enttäuschend. Zu Lasten der Schweizer Bevölkerung und der Swissair müssten sehr einschneidende Massnahmen hingenommen werden. Die Hub-Funktion von Zürich-Kloten werde durch die rigorosen und international wohl einzigartigen Massnahmen gefährdet.

Deutschland auferlege den eigenen Flughäfen keine solchen Bedingungen. Corti bezeichnete das von Bundespräsident Moritz Leuenberger ausgehandelte Ergebnis als gefährlichen Präzedenzfall für die internationale Luftfahrt. Die Swissair werde sich gegen die einschneidende Benachteiligung wehren, aber auch konstruktive Vorschläge machen, kündigte Corti an.

Der Konzernchef sagte weiter, seiner Meinung nach müsse die Rolle von Genf-Cointrin innerhalb des Konzerns neu überdacht werden. Das heisse nicht, dass alle früheren Entscheide umgestossen werden müssten. Aber man sei doch sehr weit gegangen. Eine Arbeitsgruppe soll bis im Juni Lösungen vorlegen, zum Beispiel zur Verbesserung des Shuttle-Betriebs zwischen Genf und Zürich. Eine weitere Frage sei, ob ab Cointrin nicht mindestens eine weitere interkontinentale Verbindung geflogen werden sollte. Corti sieht dafür gute Chancen.

swissinfo und Agenturen

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