Hände weg von der Börsen-«Giftkiste»
Nationalbank-Vizepräsident Bruno Gehrig hat Forderungen nach geldpolitischen Massnahmen der Notenbanken zur Vorbeugung von übertriebenen Kursausschlägen an der Börse eine deutliche Absage erteilt. Solche Schritte wären unrealistisch und sogar kontraproduktiv, sagte Gehrig am Donnerstag (14.06.) in Bern.
Denn sie würden eine tiefere Einsicht bei der Notenbank über die richtige Bewertung an den Aktienmärkten voraussetzen. Und ein Eingreifen der Notenbank würde die Risikobereitschaft der Anleger erhöhen und so seinerseits gefährliche Verzerrungen auslösen. Überdies würde sich die hohe Volatilität der Aktienindex-Entwicklung auf den geldpolitischen Kurs übertragen, was dem Stabilitätsauftrag der Zentralbank diametral zuwiderlaufen würde.
«Das ist eine Giftkiste diese Börse, die man nicht in die Hand nehmen sollte», fasste Gehrig zusammen. Er räumte aber ein, dass die Aktienkurs-Entwicklung dann geldpolitisch von Bedeutung sein kann, wenn sie das Wirtschafts-Geschehen beeinflusst.
Denn Kurseinbrüche könnten zu Störungen im Finanzsystem führen, was Beeinträchtigungen der Kreditvergabe zur Folge haben könne. Und eine Veränderung von Vermögenspreisen könne direkt eine Veränderung der Gesamt-Nachfrage bewirken. Im ersten Fall kann die Geldpolitik laut Gehrig höchstens kurzfristig dämpfend wirken.
Der zweite Fall, in dem ein negativer Vermögens-Effekt die wirtschaftliche Abschwächung beschleunigen würde, sei in einem Land wie den USA denkbar, wo die private Sparquote sehr tief und der Aktienbesitz unter den Konsumenten stark verbreitet sei. Auch in den USA hätten sich solche Befürchtungen bis jetzt allerdings noch nicht realisiert, und in der Schweiz sei die Sachlage anders, sagte Gehrig.
swissinfo und Agenturen
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