Kuoni: Streit dauert an
Der Machtkampf um den Reisekonzern Kuoni ist noch nicht entschieden. Die Suspendierung des Kuoni-Präsidenten Daniel Affolter ist bestenfalls provisorisch. Das letzte Wort haben die Aktionäre. Dabei hat Affolter weiterhin gute Karten.
Die Kuoni und Hugentobler-Stiftung hat nach ihrer bereits am 30. April eingereichten Strafanzeige gegen Unbekannt am Sonntag (06.06.) Strafanzeigen gegen Kuoni-Vizepräsident Heinz Müller und Mittäter eingereicht. Ihnen wirft die Stiftung konkret Unterdrückung von Urkunden, Sachentziehung, Datenbeschädigung, Verletzung des Geschäfts-Geheimnisses und versuchte Nötigung vor, wie die Stiftung am späteren Sonntagnachmittag mitteilte.
Es handle sich teilweise um Delikte, die von Amtes wegen abgeklärt werden müssten. Die Stiftung rechnet gemäss ihren Angaben auf Grund des vorliegenden Beweismaterials mit einer raschen Untersuchung. Die Stiftung hatte am vergangenen Donnerstag bekannt gemacht, dass sie wegen vom Pult von Stiftungsratspräsident Daniel Affolter verschwundener Dokumente Strafanzeige eingereicht hatte.
Streit um Extra-Millionen
Der Streit um den hoch dotierten Arbeitsvertrag Affolters hatte in den letzten Tagen zu einem Machtkampf im grössten Schweizer Reisekonzern geführt. Fünf Verwaltungsräte und die Konzernleitung hatten den Arbeitsvertrag mit Affolter fristlos gekündigt. Nachforschungen hätten ergeben, dass Affolter die Kuoni- und Hugentobler-Stiftung im letzten Jahr veranlasst habe, den Stiftungsrats-Mitgliedern rund 12 Mio. Franken auszuzahlen. Davon habe Affolter selber 8,1 Mio. Franken erhalten.
Hinzu kommt, dass sich Affolter im Fall seines Ausscheidens bis zur ordentlichen Pensionierung eine jährliche Zahlung von einer Million Franken gesichert haben soll. Und dies alles neben seinem Jahresgehalt von 2 Mio. Franken als Kuoni-Verwaltungsrats-Präsident.
Heinz Müller, Vizepräsident des Kuoni-Verwaltungsrates, und Konzernchef Hans Lerch geisselten in zwei Tageszeitungen die «unrechtmässigen und unmoralischen» Zahlungen an Affolter. Sie appellierten an die Vernunft Affolters.
Kein Nachgeben
Die Fronten bleiben jedoch verhärtet. «Ein Rücktritt ist kein Thema», liess Affolter, der seine Kündigung als rechtlich unwirksam bezeichnet, verlauten. Die fünf Verwaltungsräte, die sich gegen Affolter stellen, denken ihrerseits nicht daran zu demissionieren.
Sie empfinden vor allem die Machtballung von Herr und Frau Affolter, die im Stiftungsrat sitzen und alle Änderungen abblocken können, als stossend. Das widerspreche der Vorstellung von guter, ethischer Unternehmensführung und den internen Regeln bei Kuoni.
swissinfo und Agenturen
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