Private Equity Holding trennt sich von Vontobel
Die Risikokapital-Geberin Private Equity Holding trennt sich per sofort von der Bank Vontobel. Neue Partnerin wird die Swiss Life Private Equity Partners AG, eine Tochter-Gesellschaft der Lebensversicherungs-Gesellschaft Swiss Life. Vontobel bezeichnet dies als "nicht vertragskonform".
Die Private Equity Holding trennt sich per sofort von ihrem Mutterhaus Bank Vontobel. Das Vertrauens-Verhältnis mit Vontobel sei wegen der Vorkommnisse innerhalb der Vontobel-Gruppe erheblich gestört, teilte Private Equity am Dienstag (05.06.) mit. Die Zürcher Privatbank Vontobel hatte im März mehrere Topkader entlassen. Ihnen werden Unregelmässigkeiten im Zuammenhang mit dem gescheiterten Internet-Bank-Projekt y-o-u und im Corporate Finance vorgeworfen.
Private Equity und 5E vor Fusion
Private Equity Holding soll nun mit der Beteiligungs-Gesellschaft 5E fusioniert werden. Beide Gesellschaften wurden bislang von der Bank Vontobel gemanagt. Bei Private Equity handelt sich um eine rechtlich selbstständige, an der Schweizer Börse SWX kotierte Gesellschaft. Die Bank Vontobel hält etwas weniger als 5 Prozent des Kapitals.
Neu werden die auf Risikokapital spezialisierte Private Equity und die auf Beteiligungen in Osteuropa ausgerichtete 5E von der Swiss Life Private Equity Partners, einer Tochtergesellschaft der Lebensversicherungs-Gesellschaft Swiss Life, betreut.
Vontobel weist Kündigung zurück
Die Vontobel-Gruppe wies die fristlose Kündigung des Management Agreements durch die Private Equity Holding zurück. Dies sei «nicht vertragskonform», heisst es in einem am Dienstagabend publizierten Communiqué.
Vontobel strebe eine «Gesamtlösung» an, die den Interessen ihrer Kunden sowie ihren Interessen als Aktionärin und grösster Kreditgeberin der PEH Rechnung trage. Die mit Swiss Life in Aussicht gestellte Konstellation könne den Weg dazu ebnen. Vontobel sei zu einer Neuaushandlung der Vertragsbestimmungen bereit.
Keine finanziellen Unregelmässigkeiten
Private Equity Holding hatte nach den Ereignissen bei der Vontobel-Gruppe eine Untersuchung eingeleitet. Dabei seien keine finanziellen Unregelmässigkeiten festgestellt worden, hiess es weiter.
Hingegen habe der Bericht in verschiedenen Fällen Fehlverhalten dokumentiert, wie Kompetenz-Überschreitungen, Verletzung der Sorgfaltspflicht sowie mangelhafte Dokumentation durch den Geschäftsleiter.
Die Leitung der beiden Gesellschaften hatte Hans-Peter Bachmann inne. Er wurde nach Bekanntwerden der Schwierigkeiten bei der Bank Vontobel durch Dominik Meyer ersetzt.
Juristische Abklärungen
Neben Bachmann, der bei der Bank Vontobel als Leiter Corporate Finance waltete, wurden im März Verwaltunsrats-Delegierter Jörg Fischer und Finanzchef Walter Kaeser entlassen. Fischer hatte die Vorwürfe an seine Adresse zurückgewiesen.
Der Verwaltungsrat der Private Equity Holding habe juristische Abklärungen in Auftrag gegeben um allfällige Ansprüche gegenüber Dritten zu prüfen. Das Kerngeschäft werde durch die Vorkommnisse in keiner Weise tangiert.
Die Private Equity Holding schloss das Jahr 2000/2001 (per 31.März) mit einem Reingewinn von 52,8 (Vorjahr 130,3) Mio. Franken ab. Für das laufende Jahr werde keine Gewinnsteigerung erwartet. Ende März war die Gesellschaft an 89 Funds und an 47 Unternehmen direkt beteiligt.
Der Handel mit Aktien der Private Equity Holding wurde am Dienstagvormittag eingestellt. Am Nachmittag legten die Aktien um 2,94 Prozent zu und schlossen auf 280 Franken. Die Vontobel-Aktien dagegen liessen um 2,1 Prozent auf 2927 Franken nach. Der SMI notierte 0,88 Prozent höher.
swissinfo und Agenturen
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