Swissair: Aktienkurs tief, Sinkflug gebremst
Heftige Börsenturbulenzen schütteln die Swissair Group seit Tagen durch. Seit vergangenem Freitag stürzten die Aktien der Schweizer Fluggesellschaft um 16,8 Prozent ab. Grund sind Spekulationen sowie weiterhin ungelöste Probleme.
Vor einer Woche war die Swissair noch zu einem steilen Steigflug gestartet: Als Konzernchef Mario Corti am Pfingstdienstag eine Kostensenkung von 500 Mio. Franken in Aussicht stellte und Tags darauf gegenüber dem Schweizer Fernsehen DRS für die ersten fünf Monte von einem Betriebsgewinn sprach, kletterte der Kurs im Vergleich zu den Vortagen um fast 15 Prozent auf annähernd 142 Franken.
Freier Fall gestoppt
Doch der Absturz folgte rasch. Als letzten Freitag Bankanalysten und internationale Medien auf die weiterhin ungelösten Probleme bei den französischen Beteiligungen und auf das schrumpfende Eigenkapital der Gruppe hinwiesen, kippte der Aktienkurs in den freien Fall.
Nachdem Medien am Wochenende sogar von einem möglichen Konkurs der ganzen Swissair Group berichteten, kam der Aktienkurs vollends ins Trudeln. Erst am Dienstag fing der Flugkonzern den Sturzflug auf. Die Aktien verloren nur noch um 0,42 Prozent auf 118 Franken. Insgesamt haben die Swissair-Papiere damit im Vergleich zum Donnerstagabend um 16,8 Prozent an Wert eingebüsst.
Hauptprobleme ungelöst
«Die Euphorie der vergangen Woche hat sich innert zweier Tage völlig in Luft aufgelöst», erklärte Patrik Schwendimann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Der Anstieg habe zu wenig Hand und Fuss gehabt.
Nach wie vor seien die Hauptprobleme der Swissair ungelöst. Da offenbar kein Käufer für die französischen Tochtergesellschaften gefunden werde, erachte er die Wahrscheinlichkeit eines Konkurses von AOM und Air Liberté als gross. Was dies für den Schweizer Konzern bedeute, sei nur schwer abzuschätzen.
Zwar könne die Swissair dazu auf sehr hohe Rückstellungen von über 2,2 Mrd. Franken zurückgreifen. Doch sei nicht völlig sicher, ob diese ausreichten, da voraussichtlich ebenfalls für die belgische Sabena weitere Mittel benötigt würden und auch die deutsche LTU ihre Durststrecke noch nicht hinter sich habe.
Grosse Kapitalerhöhung erwartet
Laut Schwendimann ist auch unklar, wie die Swissair ihre «derzeit fast nicht mehr vorhandene Eigenkapitaldecke» aufstocken wolle. «Aus heutiger Sicht ist eine sehr grosse Kapitalerhöhung nötig», zeigte sich Schwendimann überzeugt. Ob es auch zu einem von den Aktionären befürchteten Kapitalschnitt komme, liess er offen. Die Swissair hatte am Freitag bestätigt, dass sie Möglichkeiten zur Verbesserung der Eigenkapitalquote prüfe.
Konkurs der Swissair unwahrscheinlich
Das von Medien erwähnte Risiko eines Konkurses der Swissair bezeichete ZKB-Analyst Schwendimann als «sehr klein». Auch Dieter Winet von der Bank Pictet sprach von einem «unrealistischen Szenario». Der Flugkonzern könne sich nicht nur auf die Rückstellungen von über 2,2 Mrd. Franken stützen, er habe von einem Bankenkonsortium auch Kredite von 1 Mrd. Franken zugesichert erhalten.
Schwendimann wies auch auf die Möglichkeit hin, das Eigenkapital durch Firmenverkäufe zu erhöhen. So könne beispielsweise ein Verkauf der Informatiktochter Atraxis gegen 500 Mio. Franken einbringen.
Aufgrund der verbleibenden Unsicherheiten ist weiterhin mit stark schwankenden Swissair-Börsenkursen zu rechnen. «Die Entwicklung wird von Ängsten und Hoffnungen getrieben», sagte Schwendimann.
swissinfo und Agenturen
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