Weniger Lohn in der Schweiz
Trotz höherer Löhne haben die Schweizerinnen und Schweizer im letzten Jahr einen Kaufkraftverlust hinnehmen müssen. Für 2001 wird ein kräftiger Zuwachs erwartet.
Die Löhne stiegen nominal um 1,3%, preisbereinigt sanken sie aber um 0,3%. Der Nominallohnindex stieg im vergangenen Jahr auf 106,9 Punkte (1993 = 100 Punkte), wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Freitag (01.06.) bekannt gab. Der durch Abzug der Teuerung ermittelte Reallohnindex sank auf 100,3 Punkte.
Stagnierende Kaufkraft
Die Kaufkraft der Löhne hatte bereits in den Jahren 1999 (-0,5%), 1995 (-0,5%) und 1993 (-0,7%) abgenommen. Insgesamt stiegen die Reallöhne laut BFS zwischen 1993 und 2000 bloss um 0,3%.
Der 1997 einsetzende Konjunkturaufschwung hinterliess damit bei den Nominallöhnen erstmals erkennbare Spuren. Mit 1,3% fiel der Zuwachs in 2000 jedoch nach wie vor bescheiden aus, gemessen am Wirtschafts-Wachstum von 3,4%.
Die Löhne reagierten erst mit einer zeitlichen Verzögerung auf die Konjunkturentwicklung, sagte BFS-Sprecher Didier Froidevaux. Die Löhne 2000 seien im Herbst 1999 ausgehandelt worden. Damals hätten die Unternehmer noch recht vorsichtig agiert.
Kräftiger Anstieg 2001 erwartet
Im laufenden Jahr schlägt der Aufschwung erstmals voll bei den Löhnen durch. Serge Gaillard, Ökonom beim Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, rechnet damit, dass die Löhne nominal um 2,6% und real um 1,1% gestiegen sind. Das ist der stärkste Zuwachs seit 1992.
«Der Aufschwung ist bisher am Arbeitsmarkt vorbei gegangen. Erst die harte Position der Gewerkschaften Ende 2000 hat den Trend brechen können», sagte Gaillard. Auch Ende 2001 werde es eine harte Lohnverhandlungen geben, da der Nachholbedarf beträchtlich sei.
Unterschiedliche Lohnentwicklung in den drei Sektoren
Die Lohnentwicklung in den einzelnen Wirtschaftssektoren verlief im letzten Jahr unterschiedlich. In der Landwirtschaft nahmen die Löhne im Schnitt um 1,9% zu. In Industrie und Gewerbe stiegen sie um 1,5%. Der Dienstleistungssektor verzeichnete ein Plus um 1,1%.
Die überdurchschnittliche Lohnsteigerung in der Industrie und im Gewerbe ist laut BFS das Ergebnis stärkerer Lohnerhöhungen als 1999, und zwar in allen Branchen. Der unterdurchschnittliche Wert im Dienstleistungssektor erkläre sich dagegen durch die deutlichen Unterschiede in den einzelnen Branchen.
Während die Versicherungen, die Banken, die mit dem Kredit- und Versicherungsgewerbe verbundenen Tätigkeiten sowie die sonstigen öffentlichen und persönlichen Dienstleistungen stark zulegten, verzeichneten andere Branchen Steigerungen von weniger als 1%. Dazu gehören etwa das Unterrichtswesen, das Gastgewerbe oder das Gesundheits- und Sozialwesen.
swissinfo und Agenturen
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