Asylsituation im Kanton Bern auf hohem Niveau stabil
Der Kanton Bern hat die besondere Lage im Asylwesen per Ende 2025 aufgehoben. Das zuständige Amt betreibt heute weniger Kollektivunterkünfte als noch im Jahr zuvor, hiess es anlässlich der Jahresmedienkonferenz der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion.
(Keystone-SDA) Das Amt für Integration und Soziales ist aktuell für 40 Kollektivunterkünfte mit rund 3000 Bewohnenden zuständig, sagte dessen Vorsteher Manuel Michel am Freitag vor den Medien. Zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr waren es deren 48. Letztes Jahr wurde etwa die Containersiedlung im Stadtberner Viererfeld aufgehoben.
Dennoch sei die Last weiterhin hoch. Das zeige sich auch bei der Anzahl betreuter Personen. Derzeit seien rund 16’500 Teil des kantonalen Asylsystems, also doppelt so viele vor Beginn des Ukrainekriegs. Aktuell gebe es aber genügend Unterbringungskapazitäten.
Sumiswald will ein Ausbildungszentrum
Gesundheits- und Sozialdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP), der Ende März zur Wiederwahl als Regierungsrat antritt, lobte unter anderem die Ausbildungszentren in Bellelay im Berner Jura sowie Ringgenberg bei Interlaken. Asylsuchende und vorläufig Aufgenommene werden dort sprachlich und beruflich ausgebildet. Mitte Januar konnten die ersten elf Ausgebildeten ihre Zertifikate entgegennehmen.
Künftig soll es im Emmental ein vergleichbares Angebot geben, fügte Michel an. Die Gemeinde Sumiswald habe Interesse angemeldet. Sobald der Betrieb in Bellelay und Ringgenberg stabil laufe, wolle man dort ein weiteres Ausbildungszentrum in Angriff nehmen.
NFFS wird ausgeweitet
Ebenfalls unter die Leitung von Michel fällt die Einführung des Neuen Fallführungssystems (NFFS) der Sozialdienste, Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden sowie Fachstellen der Arbeitsintegration. Bekanntlich soll das System 2029 flächendeckend in Betrieb gehen und die Mitarbeitenden bei ihrer Arbeit entlasten. Der Grosse Rat sprach dafür einen Kredit von fast 54 Millionen Franken.
Als «wichtigen Meilenstein» hob der Amtsvorsteher in dieser Hinsicht die erste Pilotgemeinde Herzogenbuchsee hervor. Deren Sozialdienst setzt seit Dezember auf NFFS und konnte ihm zufolge das Vorgängerprogramm planmässig einstellen. Die Ausweitung stehe nun im Fokus, bis Ende 2026 sollen weitere fünf Gemeinden migrieren.
Allerdings räumte er auch Startschwierigkeiten ein. Ursprünglich war der erste Pilot nämlich in Pieterlen geplant. In diesem Rahmen habe sich gezeigt, dass «der Betrieb noch nicht in allen Bereichen den Anforderungen entsprach». Die Gemeinde setzte den Versuch vorerst aus. Durch eine eingesetzte Taskforce hätten nun aber «zentrale Schwachstellen» behoben werden können.
Ob der vorgesehene Kredit trotz dieser Verzögerung reicht, konnte Michel noch nicht beantworten. Zum aktuellen Zeitpunkt gehe sein Amt aber davon aus. Mit den Erkenntnissen von weiteren Pilotprojekten verspricht er sich bis Ende Jahr mehr Klarheit.
Spitäler finanziell erholt
Zum ersten Mal in seiner Rolle trat schliesslich Philipp Banz vor die Medien. Er übernahm letzten Sommer das kantonale Gesundheitsamt. Eine grosse Herausforderung seiner Arbeit in den kommenden Jahren werde die Spitalplanung sein, sagte er. Dabei werde die Ambulatisierung weiterhin hohe Priorität haben.
Ebenfalls im Fokus stehe die integrierte Versorgung und die Pflege der alternden Gesellschaft. Diesbezüglich gelte es auch, Lücken zu benennen, meinte Banz. Schärfen müsse man beispielsweise die Gerontopsychiatrie – ein Spezialgebiet, das sich mit psychischen Erkrankungen bei älteren Menschen befasst.
Banz übernahm das Amt nach einer finanziell angespannten Zeit für die Listenspitäler. Die Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) mussten ein Überbrückungsdarlehen in Anspruch nehmen. Inzwischen hätten sich aber alle Spitäler im Besitz des Kantons erholt, führte Schnegg aus. Die Führungsstrukturen des Inselspitals seien konsolidiert worden und auch die UPD stehe wieder «solide» da.