Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Wie tritt man am sichersten auf eine giftige Schlange? Was passiert, wenn man Unterhosen für zwei Monate im Garten vergräbt? Die Ig-Nobelpreise für die skurrilsten wissenschaftlichen Forschungen wurden in der Schweiz verliehen.
Bevor wir über diese Experimente berichten, erfahren wir jedoch, wie die Schweizer Armee beim Kauf der Patriot-Flugabwehrsysteme einen weiteren Rückschlag erlitten hat.
Wir wünschen Ihnen eine gute Lektüre!
Die Lieferung der Patriot-Flugabwehrsysteme an die Schweiz verzögert sich weiter und wird teurer. Die Schweiz hatte gehofft, einen Teil der Lieferungen zu erhalten, die die USA für Deutschland vorsehen. Die Verhandlungen mit Berlin und Washington endeten jedoch ergebnislos.
Die erste Lieferung der von der Schweiz in den USA bestellten Patriot-Systeme hätte eigentlich in diesem Jahr eintreffen sollen. Washington beschloss jedoch im vergangenen Jahr, diese stattdessen an Deutschland zu liefern. Deutschland hatte seine Patriot-Systeme an die Ukraine abgegeben und wollte die entstandene Lücke rasch schliessen.
Das Schweizer Verteidigungsdepartement (VBS) sah im Juni die Chance, einen Teil der deutschen Lieferungen zu übernehmen. Hoffen liess die Schweiz unter anderem der Umstand, dass die Patriot-Systeme nicht der von Deutschland bestellten Konfiguration entsprechen. Rüstungschef Urs Loher bestätigte jedoch gegenüber SRF, dass keine Einigung erzielt werden konnte.
Hätte sich die deutsche Lösung realisieren lassen, wäre die Rechnung für die Schweiz um «nur» eine Milliarde Franken teurer ausgefallen. Die ursprünglich geplanten Kosten beliefen sich auf 2 Milliarden Franken. Angesichts der erwarteten Teuerung bei später produzierten Systemen und technischer Entwicklungen, die die Kosten in die Höhe treiben werden, schätzt Loher die Mehrkosten zwischen mindestens 1,7 und höchstens 4,3 Milliarden Franken.
Das Regionalgericht Maloja hat alle fünf Beschuldigten im Prozess um den tödlichen Bergsturz am Pizzo Cengalo im Jahr 2017 freigesprochen. Der Bergsturz hatte das Bündner Dorf Bondo getroffen.
Unter den Personen, die sich wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung verantworten mussten, befand sich auch die Nationalrätin und damalige Gemeindepräsidentin Anna Giacometti.
Das Gericht sah keine Beweise dafür, dass es in den Wochen vor dem Bergsturz klare Anzeichen für ein absehbares Grossereignis gab. Es kommt deshalb zum Schluss, dass es die Beschuldigten nicht fahrlässig unterlassen hatten, Massnahmen zu ergreifen – konkret die Sperrung der Wanderwege in der Gefahrenzone.
Im August 2017 verloren acht Wandernde (vier aus Deutschland, zwei aus Österreich und zwei aus der Schweiz) beim Bergsturz ihr Leben. Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin neben Giacometti auch zwei Mitarbeitende des kantonalen Amts für Wald und Naturgefahren, einen Angestellten der Gemeinde Bregaglia sowie einen externen Geologen angeklagt.
Die Aussenpolitische Kommission des Ständerats sagt mit 9 zu 3 Stimmen bei einer Enthaltung deutlich Ja zum Vertragspaket zwischen der Schweiz und der EU. Dieses wird eines der Hauptthemen der am 14. September beginnenden Herbstsession sein.
Die Kommission sprach sich zudem (mit 5 zu 3 Stimmen bei 5 Enthaltungen) für den Vorschlag der Staatspolitischen Kommission des Ständerats aus, eine Zuwanderungsabgabe für Arbeitskräfte aus der EU einzuführen. Ziel ist es, die Rekrutierung von inländischen Arbeitskräften zu fördern.
Zu den weiteren Themen des Vertragspakets mit Brüssel, die im Ständerat für intensiv geführte Debatten sorgen dürften – die kleine Kammer wird sich in der bevorstehenden Session drei Tage lang damit befassen –, gehören die dynamische Rechtsübernahme, der Lohnschutz und eine Schutzklausel bei zu starker Zuwanderung in die Schweiz.
Zudem wird über die Frage des Volksentscheids debattiert. Konkret geht es darum, ob die EU-Verträge lediglich dem fakultativen Referendum unterstellt werden sollen oder, wie mehrere Ständeratsmitglieder fordern, dem obligatorischen Referendum. Letzteres erfordert auch das Ständemehr, was im Vergleich zum reinen Volksmehr schwieriger zu erreichen ist.
Bei der Verleihung der Ig-Nobelpreise, die zum ersten Mal in der Schweiz in Zürich stattfand, wurde auch eine Schweizer Forschungsarbeit ausgezeichnet. Diese hatte bereits in der Vergangenheit für Schlagzeilen gesorgt.
Die Ig-Nobelpreise zeichnen seit 1991 skurrile wissenschaftliche Arbeiten aus, die Menschen zuerst zum Lachen und dann zum Denken anregen sollen. Eine teilweise in der Schweiz durchgeführte Studie erhielt den Preis für Bodenkunde: Dafür wurden Tausende identische Unterhosen in über 25 Ländern vergraben, um sie zwei Monate später wieder auszugraben.
Das Projekt von Agroscope und der Universität Zürich hatte bereits während seiner Durchführung im Jahr 2021 mediale Aufmerksamkeit erregt. Die Ergebnisse wurden im vergangenen Jahr in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Plants People Planet veröffentlicht. Die gesammelten Daten lieferten mit das umfassendste Bild, das je über die biologische Aktivität von Schweizer Böden erstellt wurde.
Unter den weiteren diesjährigen Preisträger:innen ist, nicht zuletzt wegen des Wagemuts, die Auszeichnung im Bereich Biologie hervorzuheben. Sie ging an Forschende aus Brasilien und Australien. Diese sind wiederholt behutsam auf verschiedene Körperteile von Giftschlangen getreten – zu unterschiedlichen Zeiten und bei verschiedenen Temperaturen –, um herauszufinden, was die Tiere zum Beissen bewegt.
Vor diesem Jahr fand die Ig-Nobelpreis-Zeremonie stets in den USA statt, am Massachusetts Institute of Technology (MIT) oder an der Harvard-Universität. Auch aufgrund der restriktiveren Einwanderungspolitik der Trump-Administration, die vielen Forschenden die Einreise in die USA verunmöglicht hätte, beschloss das Organisationskomitee, die Verleihung nach Zürich zu verlegen. Die Zeremonie soll künftig alle zwei Jahre in Zürich stattfinden, in den ungeraden Jahren wird sie in anderen europäischen Städten ausgetragen.
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