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Auslandschweizer: Bürde oder Bereicherung für die Schweiz?

Geschäftsleute unterhalten sich an einem Tisch
Die Auslandschweizer:innen sind der Ansicht, dass sie einen Beitrag zur Volkswirtschaft leisten, insbesondere durch die Gründung von Unternehmen im Ausland, die mit ihrem Heimatland Handel treiben. Keystone / Gaetan Bally

Die Frage, welchen Beitrag die «Fünfte Schweiz» für das Land leistet, sorgt regelmässig für Diskussionen. Die Auslandschweizer:innen selbst betonen, dass die Diaspora die öffentlichen Finanzen entlastet und eine wichtige diplomatische Rolle spielt. In der Schweiz wird die Legitimität ihrer politischen Rechte jedoch bisweilen infrage gestellt – wegen der geografischen Distanz und weil sie keine direkten Steuern zahlen.

Mehr als 838’000 Schweizer:innen leben ausserhalb der Landesgrenzen. Dennoch behalten sie ihre politischen Rechte. Rund 231’000 sind im Auslandschweizerregister eingetragen und damit berechtigt, an Abstimmungen und Wahlen in der Schweiz teilzunehmen.

Allerdings geniesst die Diaspora hierzulande nicht nur einen guten Ruf. Auslandschweizer:innen werden regelmässig als Profiteure bezeichnet, die ihrem Herkunftsland «im Gegenzug» für ihre Rechte nichts zurückgäben.

Die Betroffenen weisen diesen Vorwurf weitgehend zurück, wie ihre Beiträge in unserer Debatte zu diesem Thema zeigen.

Entlastung für die öffentlichen Finanzen

Folgendes Argument taucht immer wieder auf: Auslandschweizer:innen, insbesondere Rentner:innen, sind der Ansicht, dass sie dem Staat erhebliche Ausgaben ersparen. Wer im Ausland lebt, «schenkt der Eidgenossenschaft bis zu seinem Tod die Ergänzungsleistungen sowie die individuelle Prämienverbilligung», schreibt zum Beispiel C.L.D. über Rentner:innen.

Da die Pensionierten bei ihrem Wegzug aus der Schweiz auf diese Leistungen verzichten müssen, würden sie die öffentlichen Finanzen direkt entlasten. Eine Leserin kommentiert ironisch: «Die Schweiz sollte sich über jede freiwillige Auswanderung freuen.» R.T. schlägt seinerseits vor, «zu berechnen, wie viele Millionen die Schweiz einspart, weil sie Auslandschweizern keine Ergänzungsleistungen auszahlt».

Der Auslandschweizer-Rat hat kürzlich über den finanziellen Beitrag der Auslandschweizer diskutiert:

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Viele Auslandschweizer:innen haben aus finanziellen Gründen die Schweiz verlassen. So auch User Mojer: «Ich lebe in Asien im Rahmen meiner finanziellen Möglichkeiten, ohne das Sozialsystem zu belasten.» Auch Leser Navy-Blue-Challhöchi entschied sich nach einer langen und erfolglosen Stellensuche für die Auswanderung. Das Ziel: zu vermeiden, «die Ersparnisse eines ganzen Lebens aufzubrauchen und schliesslich Sozialhilfe beantragen zu müssen».

Mehrere Leser:innen erwähnen zudem ihre freiwilligen Beiträge an die AHV. Wer die Schweiz verlässt und sich in einem Land ausserhalb der EU/EFTA niederlässt, kann freiwillig in die AHV einzahlen und sich damit weiterhin am Solidaritätssystem beteiligen.

Beitrag zur Schweizer Wirtschaft

Auslandschweizer:innen bringen weiterhin Geld in die Schweizer Wirtschaft. User JoanBoa, die in Luxemburg lebt, erinnert daran, dass Rentner:innen auf Bezüge aus der zweiten Säule «in der Schweiz Quellensteuer zahlen». Auch Personen mit Immobilien in der Schweiz tragen über ihre Steuern zur Wirtschaft des Landes bei.

Zudem haben zahlreiche Schweizer:innen im Ausland berufliche Tätigkeiten aufgebaut, die sich an den Schweizer Markt ausrichten. Eine weitere Berufsgruppe bringt Einnahmen in die Schweiz: entsandte Angestellte, die zwar nicht in ihrem Heimatland wohnen, dort aber ihre gesamten Steuern bezahlen.

Bei Besuchen in der Schweiz werden Auslandschweizer:innen zudem zu Tourist:innen. «Ich komme alle zwei Jahre in die Schweiz und gebe dort viel Geld aus», sagt E.B. Auch M.B. betont: «Ich unterstütze die Schweizer Kultur, den öffentlichen Verkehr, die Gastronomie und die Hotellerie, wenn ich Teile unseres schönen Landes besuche oder ausländischen Bekannten die Schweiz zeige.» D.-P.M. ergänzt: «Ausserdem denke ich, dass Auslandschweizer die Schweiz im Ausland praktisch kostenlos bekannt machen – während offizielle Tourismuswerbung viel Geld kostet.»

Wirtschaftliche Vermittlerinnen und Kulturbotschafter

Über die rein finanziellen Aspekte hinaus wird in vielen Beiträgen unserer Debatte betont, dass die Diaspora zum guten Ruf der Schweiz beiträgt. Viele Auslandschweizer:innen sehen sich als wirtschaftliche und kulturelle Vermittler.

«Praktisch alle meine Bekannten und Kunden wissen, dass ich Schweizer bin, und vertrauen deshalb unseren Produkten», sagt Emmentaler, der in den USA lebt. C.N. bezeichnet sich seinerseits als «Botschafter, dessen Kollegen seine Herkunft mit dem für die Schweizer typischen Anspruch an Seriosität und Präzision verbinden».

Auch auf kultureller Ebene ist es vielen Mitgliedern der Diaspora wichtig, Traditionen weiterzugeben. V.B. engagiert sich beispielsweise im Schweizer Club in Vancouver und hat den Kindern Schweizerdeutsch beigebracht. Ebenfalls in Kanada hat H.S. einen Jodelclub mitgegründet.

«Wir sind die Stützen der Schweiz in unseren jeweiligen Ländern», sagt K.L.V. «Wir erleichtern die Beziehungen zwischen Unternehmen, fördern die Schweizer Kultur im Ausland und reagieren auf Kritik, wenn die Schweiz angegriffen wird.»

Diese Rolle wird jedoch zunehmend infrage gestellt. Während sich Auslandschweizer:innen früherer Jahrzehnte als unverzichtbare Botschafter:innen verstanden, haben Globalisierung und moderne Technologien ihren Einfluss abgeschwächt. So meint H.S., «dass die Menschen heute im Allgemeinen über jeden Teil unseres globalisierten Planeten gut informiert sind. Der Beitrag der hier lebenden Schweizer ist dadurch unbedeutend geworden».

Zwei Vorstellungen von Staatsbürgerschaft

Die Frage nach der Legitimität des Fernstimmrechts ist der umstrittenste Punkt in der Debatte darüber, welchen Beitrag die Auslandschweizer:innen für ihr Land leisten.

Hier finden Sie unsere neue Artikelserie zum Thema «Wählen aus dem Ausland»:

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Einige unserer Leser:innen sind der Ansicht, dass politische Rechte an den Wohnsitz und an einen direkten finanziellen Beitrag gekoppelt sein sollten.

Leser Lynx Vegas stützt sich auf seine Erfahrung als britischer Staatsbürger, der nach 15 Jahren im Ausland sein Stimmrecht verlor, und schlägt eine ähnliche Regelung für die Schweiz vor: «Wenn man für längere Zeit wegzieht, vielleicht sogar für immer, sollte man in der Schweiz nicht mehr abstimmen.»

Auch Auslandschweizer:innen selbst räumen mitunter ein, dass ihnen der Bezug zum Land fehlt. «Nach 50 Jahren im Ausland fühle ich mich nicht mehr qualifiziert, in der Schweiz abzustimmen», sagt Leser Gold Coast.

Demgegenüber ist ein Teil der Diaspora der Ansicht, dass der Schweizer Pass unveräusserliche Rechte verleihen sollte – unabhängig vom Wohnort und davon, ob man in der Schweiz Steuern zahlt. User Paul kritisiert deshalb die rein finanzielle Sichtweise mancher und sagt: «Die Möglichkeit abzustimmen hält das Interesse und die Verbindung zur Heimat aufrecht.»

M.B. meint: «Unsere Staatsangehörigkeit bringt Rechte und Pflichten mit sich. Ich bin wie alle anderen den Pflichten eines Schweizer Bürgers unterworfen. Deshalb erscheint es mir selbstverständlich, auch meine bürgerlichen und politischen Rechte wahrzunehmen.»

Der Schweiz nichts schuldig

Trotz der Kritik lehnt die Mehrheit der Auslandschweizer:innen es ab, sich zu rechtfertigen oder der Schweiz etwas schuldig zu sein.

«Warum sollten wir etwas zurückgeben? Die Frage müsste vielmehr lauten: Was tut die Schweiz für uns?», fragt Leser Fossi. D.-P.M. erinnert seinerseits daran, dass er während seines gesamten Berufslebens in der Schweiz «viele Steuern bezahlt, Unternehmen gegründet und Menschen beschäftigt» habe.

«Jetzt im Ruhestand denke ich, dass ich jedes Recht habe, dort zu leben, wo ich will.» Ähnlich sieht es ein Leser: «Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet, Steuern und andere Beiträge bezahlt. Deshalb habe ich gegenüber der Schweiz überhaupt kein schlechtes Gewissen.»

Hier finden Sie unsere Debatte zum Thema:

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Gastgeber/Gastgeberin Emilie Ridard

Welchen Beitrag leisten Sie als Auslandschweizer:in für die Schweiz?

Ein Leser fragt sich, was die Auslandschweizer:innen der Schweiz zurückgeben. Was meinen Sie dazu? Teilen Sie es uns mit!

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Editiert von Pauline Turuban, Übersetzung aus dem Französischen: Janine Gloor

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