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Science-Fiction und die Politik

Giannis Mavris

Liebe Leserin, lieber Leser

Am Pfingstmontag fand Papst Leo XIV. bei der Präsentation seiner neuen Enzyklika deutliche Worte: «Die Künstliche Intelligenz muss entwaffnet werden».  Er wandte sich damit ziemlich unverblümt an die USA, die das Zusammenrücken von Tech-Industrie und Militär richtiggehend zelebrieren.

Anfang Mai sprach der Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis bei einer OSZE-Konferenz in Genf davon, dass KI, Quantencomputer und Neurotechnologie keine «neutralen Entwicklungen» seien. Sondern «strategische Assets», die zunehmend die Souveränität von Staaten definierten.

Dass Technologien die Gegenwart beeinflussen und die Zukunft bestimmen können, ist nun keine Überraschung. Auch nicht, dass vor ihnen gewarnt wird. Bei seiner Rede erwähnte Cassis die Science-Fiction-Klassiker 2001: A Space Odyssey, Blade Runner und The Matrix. Alle drei Filme entwerfen dystopische Zukunftsszenarien.

Aber wir haben die Zukunft längst eingeholt: KI wird immer mehr im Kriegsgeschehen eingesetzt. Bei Bombardierungen in Gaza und im Iran wurden damit beispielsweise Ziele identifiziert – gemäss Medienberichten wurde so die Frequenz der Einschläge hochskaliert, jedoch blieb die Prüfung durch einen Menschen dabei immer wieder auf der Strecke.

Auch hier gilt die alte Weisheit, dass es noch immer Menschen sind, die andere Menschen töten. Aber es macht eben einen Unterschied, wie sie das machen können. Und eine Technologie, die immer autonomer und potenter agiert, ist naturgemäss auch gefährlicher.

Der Papst warnte vor der Entmenschlichung, die durch Technologie entstehen kann. Und Cassis rief zu einer rechtzeitigen Regulierung auf, damit die Politik nicht von der Technologie abgehängt wird. Ob sie erhört werden, wird sich zeigen.

Übrigens: An Pfingsten wird der Heilige Geist gefeiert. Dass der Papst ausgerechnet an diesem Datum dazu aufgerufen hat, sozusagen den Geist nicht endgültig aus der Maschine zu lassen, ist eine Pointe, die nicht nur Katholiken aufgefallen sein dürfte. In Washington soll sie jedenfalls zu Verärgerung geführt haben.

Was ist Ihre Meinung dazu? Sie können mir wie immer schreiben auf giannis.mavris@swissinfo.ch

Mit freundlichen Grüssen,

Giannis Mavris

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