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Baselland will bei der Gesundheitsversorgung Neuland betreten

Keystone-SDA

Der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomi Jourdan (EVP) will eine effizientere Gesundheitsversorgung im Kanton. Dafür hat er Leistungserbringer und Versicherungen an Bord geholt, um ein flächendeckendes und integriertes Versorgungsmodell zu realisieren.

(Keystone-SDA) «Das Projekt beschreitet Neuland», sagte Jourdan am Mittwoch an einer Medienkonferenz in Liestal. Zunächst kam er auf die Dialogplattform zu sprechen. Diese sei «kein runder Tisch, sondern ein gesundheitspolitischer Labor mit vielen engagierten Personen aus der Gesundheitsbranche».

Diese sollen sich selber organisieren und halbjährlich ihre Lösungsvorschläge präsentieren, wobei der Kanton die Rolle des Moderators und des Ermöglichers einnehme. Jourdan betonte mehrfach, dass es sich nicht um ein Top-Down-Konzept handle.

Am Mittwoch wurde eine Reihe von Arbeitsgruppen vorgestellt, die sich mit Themen wie der Standardisierung der Medikationsprozesse oder der Digitalisierung auseinandersetzten. Zudem Teil der Dialogplattform seien sogenannte Fokusgruppen. Diese arbeiteten an grösseren Projekten, sagte Jourdan. Dazu zählten etwa eine für die Aus- und Weiterbildung im Gesundheitswesen und eine für Versorgungshubs (bisher Gesundheitszentren genannt).

«Versorgungsmodell Baselland» im Fokus

Die dritte Fokusgruppe beschäftigt sich mit dem «Versorgungsmodell Baselland», wie es weiter hiess. Dabei handle es sich um ein kantonsweites, sektorenübergreifendes Angebot, das Datensichtbarkeit zwischen Leistungserbringern sicherstelle und von mehreren Krankenkassen getragen werde.

Integrierte Versorgung sei per se nichts neues, erklärte Jourdan. Es würden bereits solche Netzwerke existieren. Diese seien aber sehr beschränkt und oft sei nur ein Versicherer involviert. Im Baselland wolle man ein Modell mit mehreren Krankenkassen entwickeln und die Daten zwischen den Leistungserbringern einsehbar machen. «Es ist ein Novum in der Schweiz, das so flächendeckend einzuführen», sagte der Gesundheitsdirektor.

In einer ersten Phase haben sieben Leistungserbringer eine Absichtserklärungen unterzeichnet, wie erklärt wurde. Dazu gehörten aus dem Baselbiet der Apothekerverband, die Ärztegesellschaft, das Kantonsspital und die Klinik Arlesheim sowie der Hausärzteverband Medix Nordwest, Medgate und die Stiftung Medizinische Notrufzentrale sowie stellvertretend für andere Versicherer die Swica.

Sie haben sich damit in einer ersten Etappe im Bereich Akutsomatik auf Grundlagen geeinigt, wie dem ebenfalls am Mittwoch veröffentlichten Statusbericht zum Rahmenprogramm Gesundheit BL 2030 zu entnehmen ist. Basierend auf den erarbeiteten Grundlagen sollen im weiteren Verlauf weitere Leistungserbringer hinzukommen, so etwa im Bereich der Psychiatrie oder der Spitex, wie Jourdan gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA ausführte.

Auch erste Versicherungen hätten eine Absichtserklärung unterschrieben. Es handle sich um Assura, Condordia, CSS, EGK, Helsana, Sanitas und Swica. Sie decken gemäss Angaben des Kantons über 60 Prozent der Versicherten in Baselland ab. Sie werden ab Mai unter Federführung der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) einen Rahmenvertrag für ein alternatives Versicherungsmodell ausarbeiten, wie im Statusbericht steht.

Datenaustausch mit «OpenHealth BL»

An der Medienkonferenz wurden diverse Videos gezeigt, wie das System zumindest unter Idealbedingungen funktionieren soll. Es ging einerseits etwa um die Rolle von Hausärztinnen und Hausärzten, der Telemedizin oder der Medizinischen Notrufzentrale als Gatekeeper, die unnötige Eintritte in den Notfall verhindern sollen. Andererseits stand aber auch der Datenaustausch zwecks Effizienzsteigerung im Fokus.

Mit dem System «OpenHealth BL» sollen Leistungserbringer untereinander und datenschutzkonform aktuelle Untersuchungsdaten miteinander austauschen können. Das soll Doppelspurigkeiten verhindern, indem die gleiche Untersuchung nicht zweimal vorgenommen werden müsse. Im Gegensatz zum elektronischen Patientendossier könnten die Leistungserbringer bei ihren Systemen bleiben, diese könnten jedoch dank OpenHealth Daten untereinander kommunizieren.

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