Beiersdorf-Gewinn leidet 2011 unter Umbau der Pflegesparte (AF)
LONDON (awp international) – Beim Nivea-Konzern Beiersdorf wird der Umbau der Pflegesparte den Gewinn im kommenden Jahr schmälern. Erst 2012 werde das Ergebnis wieder das Niveau von 2010 erreichen, teilte Beiersdorf am Mittwoch zum Investorentag in London mit. Der Konzern hatte bereits vergangene Woche ein grosses Investitionspaket angekündigt und dabei auch seine Renditeziele für 2010 nach unten geschraubt. Ein Sprecher des Unternehmens sprach von einem Übergangsjahr, das jetzt auf Beiersdorf zukomme. Die Beiersdorf-Aktie sackte am Nachnmittag um 5,81 Prozent auf 41,16 Euro an das Dax-Ende.
Der Hamburger Konzern, der besonders durch seine Stammmarke Nivea bekannt ist, kämpft vor allem in seinem Heimatmarkt Deutschland mit einem starken Wettbewerb. Dieser kommt nicht nur von Konkurrenten wie L’Oreal , Procter & Gamble (Pantene, Wella, Gillette) , Unilever (Dove, Axe) oder Henkel (Aok, Fa, Schwarzkopf). Druck kommt zunehmend auch durch den hiesigen Einzelhandel, der mehr und mehr die Regale mit günstigen Eigenmarken bestückt.
Beiersdorf will deshalb fortan nur die Sortimente ausbauen, die gut laufen wie Cremes, Deodorants, Duschgel oder Sonnenmilch. Schwache Umsatzbringer werden aussortiert. So wird sich Beiersdorf in Deutschland aus dem Geschäft mit der dekorativen Kosmetik verabschieden. In anderen Ländern obliegt es den jeweiligen Tochtergesellschaften, inwieweit sie noch Lippenstifte oder Make-up der Marke Nivea im Handel behalten.
In den Hintergrund rücken wird für Beiersdorf auch die Haarpflege. Gerade dieser Markt gilt als sehr hart umkämpft. In Ländern wie Deutschland, in denen Beiersdorf bereits in der Körperpflege gut aufgestellt sei, werde aber auch weiterhin in Shampoos und Spülungen investiert, erklärte der Sprecher. Fraglich hingegen ist der Verbleib der Marke Juvena im Konzern. Beiersdorf prüft für die Marke verschiedene Optionen, die auch in einen Verkauf münden können.
Bis zum Jahr 2012 rechnet der Konzern mit Aufwendungen für die Neuausrichtung in Höhe von 270 Millionen Euro. Davon fallen 120 Millionen bereits in das Jahr 2010. Das Aussortieren einzelner Produkte wird sich auch auf den Umsatz auswirken. In diesem Jahr soll er konzernweit noch um ein bis zwei Prozent zulegen, im kommenden Jahr dann stabil bleiben. Kompensiert werden sollen die Umsatzrückgänge durch einen Schub bei den Kernmarken. Die Hamburger werden deshalb neue Produkte auf den Markt bringen und die Werbung verstärken.
Eine noch grössere Rolle wird künftig das Thema Nachhaltigkeit und Natürlichkeit spielen. So soll es bereits ab Januar eine neue Anti-Aging-Pflege ohne Mineralöle, Farbstoffe oder Silikone von Nivea geben. Ein weiteres grosses Standbein neben Nivea ist die Marke Eucerin. Mit der Pflegeserie, die in Apotheken erhältlich ist, will Beiersdorf künftig in neue Märkte vorstossen.
Auf seine Prioritätenliste hat der Vorstand auch den chinesischen Markt gesetzt. Das Unternehmen war 2007 bei dem chinesischen Pflegespezialisten C-Bons eingestiegen und will nun dessen Vertriebsnetz nutzen, um Nivea besser landesweit vermarkten zu können. China sei der Wachstumsmotor Asiens, heisst es in der Präsentation zum Investorentag. Im kommenden Jahr rechnet Beiersdorf aber erst noch einmal mit weiteren Lagerbereinigungen in dem Land. Der Konzern muss bereits in diesem Jahr deswegen Wertberichtigungen vornehmen./she/stw/tw