Berner Kantonsparlament pocht auf härtere Strafen bei Fangewalt
Die Berner Regierung prüft schärfere Massnahmen gegen Fangewalt. Der Grosse Rat hat am Mittwoch einen entsprechenden Vorstoss von André Roggli (Mitte) und Mitunterzeichnern von FDP, SVP und EDU überwiesen.
(Keystone-SDA) Der Vorstoss wurde Ende 2025 nach den Ausschreitungen beim Europacup-Spiel der Young Boys in Birmingham als Motion eingereicht. Im Schweizer Männerfussball gebe es ein Gewaltproblem, hielt Roggli fest. Der Staat sei gefordert, weil sich die Vereine und die Liga gegen griffige Massnahmen wehrten.
Mit ihren Forderungen liessen sich die Vorstösser von den englischen Behörden inspirieren. Von den schnellen und abschreckenden Strafen in England könne die Schweiz lernen.
Mit 98 zu 49 Stimmen verlangte der Rat Schnellverfahren gegen Straftäter. Wenn ein Strafverfahren zügig zum Abschluss komme, stärke dies die Rechtssicherheit, sagte Melanie Beutler-Hohenberger (EVP).
Möglichkeiten für beschleunigte Verfahren gibt es schon heute; der Regierungsrat will deren Umsetzung nun zusammen mit der Justiz prüfen. Weitere Massnahmen werden auf Bundesebene diskutiert.
Flächendeckende Videoüberwachung
Weiter beschloss der Rat mit 100 zu 48 Stimmen, die flächendeckende Videoüberwachung mit Gesichtserkennung in den Stadien prüfen zu lassen. Die Regierung sehe darin einen Mehrwert für die Sicherheit und die Strafverfolgung, stellte Andrea Gschwend-Pieren (SVP) fest.
Der Regierungsrat will nun prüfen, ob der Einsatz verhältnismässig ist. Die Linke sieht das anders, blieb aber in der Minderheit – auch bei der Frage der personalisierten Tickets. Mit 74 zu 73 Stimmen beauftragte das Parlament die Regierung, dieses Anliegen an die Klubs heranzutragen.
Der Regierungsrat sieht in personalisierten Tickets ein wirksames Mittel, um Gewalt zu verhindern und Straftaten besser aufzuklären. «Bei Untätigkeit der Klubs kann eine Verankerung im kantonalen Recht geprüft werden», schrieb er in seiner Antwort auf den Vorstoss.
Fangewalt rückläufig
Manuel C. Widmer (Grüne) zweifelte am Nutzen, aber auch an der Notwendigkeit der Massnahmen. Die Fälle von Fangewalt in den obersten Schweizer Ligen seien seit Jahren rückläufig. «Die Fakten rechtfertigen keine neue Verschärfungsrunde.»
Auch Alice Kropf (SP) berief sich auf die Statistik. Wenn man das Abbrennen von Pyros ohne Verletzungsfolgen nicht berücksichtige, habe es in der Saison 2025/2026 insgesamt 58 Gewaltereignisse gegeben – bei 512 Spielen mit über drei Millionen Fans.
«Zum Vergleich: Letztes Jahr gab es schweizweit über 22’000 Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt», sagte Kropf. «Aufgrund dieser Zahlen könnte man in Erwägung ziehen, die Ressourcen vermehrt in diesem Bereich einzusetzen.»