Das «Globale Dorf» auf dem Bundesplatz
Am Freitag (17.08.) verwandelte sich der Berner Bundesplatz in einen Ort der Begegnung von jungen Leuten aus über 80 Nationen. Der bunte Anlass bildete den Startschuss zum Jahreskongress der internationalen Studenten-Vereinigung AIESEC, der in diesem Jahr in der Schweiz stattfindet.
«Super finge i da, was da aus los isch.» Das Gesicht der Türsteherin des Bundeshauses strahlt. Tatsächlich ist einiges los an diesem Freitagnachmittag auf dem Bundesplatz in Bern. Mehr als hundert junge Leute aus 85 verschiedenen Nationen haben sich versammelt und präsentieren an Marktständen die Eigenart ihrer Herkunftsländer; mit Plakaten, folkloristischen Kostümen und kulinarischen Köstlichkeiten.
Jeweils zwei Länder teilen sich in diesem «Globalen Dorf» je einen Stand. Die «Nachbarschaften» scheinen völlig zufällig: Panama neben Grossbritannien, Ghana neben Malaysia, Indonesien neben Estland… Vor einem der Stände schäkert eine Kolumbianerin mit einem Ungarn, ein paar Schritte weiter formieren sich junge Thailänder und eine Mexikanerin zum Gruppenbild. Und dahinter erregt ein hochgeschossener Schwede die Aufmerksamkeit der Umstehenden: Sein Wikinger-Look fällt selbst innerhalb dieses bunten Treibens auf.
Auf der kleinen Bühne hat in der Zwischenzeit eine mit Sennechutteli und Hackbrett ausgerüstete Musikformation aufgespielt. «And now, you can hear a typical Walzer from the Appenzöll», tönt es aus den Lautsprechern. Beifall aus der Menge.
Ideen- und Kulturaustausch
Hinter dem Treffen auf dem Bundesplatz steht die «Association Internationale des Etudiants en Sciences Economiques et Commerciales» (AIESEC), die 1948 gegründete und heute grösste Studenten-Organisation der Welt. Die Vereinigung will laut eigenen Angaben Studentinnen und Studenten der ganzen Welt die Möglichkeit bieten, internationale Erfahrungen zu sammeln und auf diese Weise einen Beitrag zur internationalen Entwicklung und Zusammenarbeit leisten.
Die Inszenierung des «Globalen Dorfes» auf dem Berner Bundesplatz bildet den Auftakt des Jahreskongresses von AIESEC, der in diesem Jahr schwerpunktmässig in der Gemeinde Lenk durchgeführt wird. Im Zentrum des Kongresses stehen Themen wie Globalisierung, soziale Verantwortung, Führung und Innovation. Verschiedene prominente Spitzenmanager haben ihre Teilnahme zugesagt; unter ihnen Swissair-Chef Mario Corti, Greenpeace-Geschäftsführer Gerd Leipold und Jakob Kellenberger, Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz.
Der Anlass wird ausschliesslich von Studentinnen und Studenten organisiert. Mitglied des Organisations-Komitees ist auch der 24-jährige Roland Meier, der in Lugano Kommunikations-Wissenschaft studiert: «Wir wollen evaluieren, wo wir mit unseren Studenten-Austauschprogrammen Lösungen für bestehende Probleme anbieten können.»
Grosse Hoffnungen
Die jungen Gäste aus der ganzen Welt verbinden mit dem Kongress grosse Hoffnungen. Der 25-jährige Tilman aus Deutschland etwa erklärt, dass er durch Veranstaltungen wie den AIESEC-Jahreskongress enorm viel lerne und seine Persönlichkeit entwickeln könne. Mascha aus Moskau hofft, durch die Diskussion mit Gleichaltrigen aus der ganzen Welt zu Einsichten zu gelangen, welche auch dem krisengeschüttelten Russland nützen.
Der aus Papua-Neuguinea stammende David wiederum ist überzeugt, dass seine Heimat die enorme Rückständigkeit nur dann zu überwinden vermag, wenn mehr seiner Landsleute die Gelegenheit zum Studium in den Industrie-Nationen erhalten. Und die 20-jährige Uganderin Kathrin schwört auf den internationalen Ideenaustausch: «Wir werden viel über Lösungen der aktuellen Probleme auf der Welt diskutieren. Ich werde mir dabei stets überlegen, was sich bei mir zu Hause umsetzen lässt.»
Jugend-WEF?
Während des «AIESEC International Congress 2001» versammelt sich zweifelsohne ein Teil der zukünftigen Elite dieser Welt. Wird da also von der Jugend das «World Economic Forum» (WEF) von morgen geprobt? Roland Meier winkt ab: «Natürlich treffen sich in Lenk diejenigen Leute, die es in ihrem Heimatland an die Spitze der nationalen AIESEC geschafft haben. Aber wir möchten trotzdem nicht einfach Wirtschafts-Führer ohne soziales Gewissen haben. Bei AIESEC ist immer auch das gegenseitige kulturelle Verständnis wichtig.»
Felix Münger
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