Eine Brücke zwischen Lehren und Lernen
Vom 28.08. bis zum 01.09. findet in Freiburg die 9. Konferenz über Lern- und Unterrichts-Forschung statt. Rund 1'200 Mitglieder der Europäischen Vereinigung für Lern- und Unterrichts-Forschung (EARLI) aus über 40 Ländern nehmen teil. Die Konferenz findet zum ersten Mal in der Schweiz statt.
«Wir wissen, dass es heute viele Probleme gibt im Unterricht. Das hat zu tun mit fehlender Motivation, mit Lernschwierigkeiten, mit Aggression. Oft wünschen sich die Studierenden guten Unterricht, aber bekommen ihn nicht», sagt Fritz Oser, Leiter der Konferenz und Professor für Pädagogik und pädagogische Psychologie im Departement für Erziehungswissenschaften der Universität Freiburg.
Am Kongress geht es vor allem darum, wie zwischen Lehrenden und Lernenden eine Brücke geschlagen werden kann. «Die Lehrperson muss im Kopf haben, was im Kopf der Schülerinnen und Schüler vor sich geht,» betont Professor Oser.
Haben die Lehrer ausgedient?
Der Einfluss der neuen elektronischen Medien und des Computers sei gross, so Oser. In Freiburg werden denn auch viele Projekte vorgestellt, bei denen es um das virtuelles Lernen geht. E-Learning werde bereits häufig eingesetzt, Lehrkräfte würden dadurch teilweise gar ersetzt. Der Bildungsexperte betont aber auch die Nachteile, die entstehen können: «Menschen vereinsamen, soziales Lernen findet nicht mehr statt. – Dieses Plus und Minus in Bezug auf diese neuen Medien ist ein Kernthema dieses Kongresses.»
Für den Pädagogik-Professor ist klar, dass der Lehrer keineswegs überflüssig geworden ist. Im Gegenteil: Gute Lehrkräfte seien wichtig. Ihre Ausbildung müsse aber dringend verbessert werden. «Die künftigen Lehrkräfte müssen lernen, mit den Gefühlen von Schülern umzugehen, wie man Unterrichtsstoff so aufarbeitet, dass er für die Studierenden attraktiv wird, wie man Team-Teaching und Schulhauskultur macht.»
Noch vieles bleibt zu tun
Was das Bildungswesen im Allgemeinen betrifft, liegt die Schweiz gemäss verschiedener Studien europaweit gesehen etwa im Mittelfeld. Im Bereich der neuen Medien aber sei unser Land weit hinten, bemerkt Professor Oser gegenüber swissinfo. Und in Sachen neuer Schulformen und neuer Modelle bilde sie fast das Schlusslicht.
Schule als Forschungsplatz
Für die Forschung im Bereich der sozialen Wissenschaften und der Pädagogik steht gemäss Professor Oser zu wenig Geld zur Verfügung. In den Schulen werde zu wenig empirische Forschung betrieben, auch junge Forscher kämen zu wenig zum Zug. Deshalb sei es von grosser Bedeutung, dass die Konferenz unter der Schirmherrschaft von Bildungsministerin Ruth Dreifuss stehe. «Wir möchten ihr zeigen, dass nicht nur die Naturwissenschaften wichtig sind, sondern dass auch wir internationale Netze haben und die Schulprobleme in Spanien oder Finnland ähnlich sind wie bei uns. Wir hoffen, dass wir auch von der Politik Unterstützung für unsere Anliegen bekommen.»
Eine Première in der Schweiz
Der Kongress, der alle zwei Jahre stattfindet, kommt zum ersten Mal in die Schweiz. Dem misst Professor Oser eine «ungeheure» Bedeutung zu. «Dass der Kongress in dieses Land kommt, das ’nicht zu Europa gehört‘, ist eine sehr grosse Ehre.» Freiburg sei ein idealer Austragungsort, weil die Stadt international sei und hier dank der vielen ausländischen Studierenden verschiedene Sprachen gesprochen würden.
Gaby Ochsenbein
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