SGB verlangt neue Bildungsoffensive
Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) fordert von der Wirtschaft und vom Staat eine "neue Bildungsoffensive". In einer Studie präsentiert er zwei Vorschläge für die Ausgestaltung und Finanzierung der beruflichen Ausbildung.
Die vom Gewerkschaftsbund in Auftrag gegebene Studie zeigt die Unterschiede zwischen dem Entwurf für ein neues Berufsbildungsgesetz des Bundesrates und der hängigen Lehrstelleninitiative auf. Dies sind laut SGB-Präsident Paul Rechsteiner die zwei entscheidenden Weichenstellungen im Berufsbildungsbereich, die zur Zeit in der «politischen Pipeline» sind.
Mit der neuen Grundlage sollte laut SGB aufgezeigt werden, dass neben der bundesrätlichen Botschaft zu einem neuen Bundesgesetz über die Berufsbildung weitere Massnahmen angezeigt seien. Weiter konnte konkretisiert werden, wie ein Anreizsystem im Sinne der Lehrstelleninitiative (lipa) funktioniere.
Diese war im Oktober 1999 von Jugendverbänden und mit Unterstützung des SGB eingereicht worden. Sie bezweckt, ein ausreichendes Angebot an Lehrstellen sicherzustellen.
Gegenüberstellung von neuem BBG und lipa
Der Bundesrat hat in einer Botschaft im letzten Jahr dem Parlament beantragt, die Initiative abzulehnen. Der Entwurf für ein total revidiertes Berufsbildungsgesetz (BBG) wurde laut SBG quasi als indirekter Gegenvorschlag vorgelegt.
Zwei Unterschiede treten laut Studie zwischen dem neuen BBG und der lipa deutlich zu Tage: In der Initiative wird in der Verfassung ein Recht auf Ausbildung verankert. Der Staat muss somit für genügend Lehrstellen sorgen.
Gemäss Studie sind dauerhaft 15’000 bis 24’000 zusätzliche Lehrstellen zu schaffen. Für Bund und Kantone wäre mit permanenten Zusatzkosten von 260 bis 380 Mio. Franken zu rechnen. Die zusätzlichen Angebote sollten laut Initiative in zukunftsträchtigen Branchen erfolgen und auch für leistungsschwächere Jugendliche geschaffen werden.
Zudem wird in der lipa, nicht aber im BBG-Entwurf, ein Berufsbildungsfonds vorgeschrieben. Die Studie kommt zum Schluss, dass im Fonds 500 bis 750 Mio. Franken vorhanden sein sollten.
Stärkung des dualen Systems
Der SBG setze sich für die Stärkung des dualen Systems – also dem Lernen in Schule und Betrieb – in der Grund- und Weiterbildung ein, betont Peter Sigerist vom SGB in der Studie. Insbesondere die Lehrstelleninitiative trage diesem Ziel Rechnung.
Alle – nicht nur gut Ausgebildete – müssten den Zutritt zu den Wissensbeständen der Gesellschaft haben, sagte Paul Rechsteiner am Freitag (06.07.) vor den Medien. Das Recht auf eine berufliche Grundausbildung für alle müsse der Ausgangspunkt für die Reform im Bildungswesen sein.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch