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CH/In Graubünden soll das grösste Solarkraftwerk entstehen

Dieser Inhalt wurde am 21. Mai 2010 - 16:22 publiziert

St. Antönien GR (awp/sda) - In der Bündner Gemeinde St. Antönien soll das grösste Solarkraftwerk der Schweiz gebaut werden. Die Gemeindeversammlung des 360-Seelen-Dorfes hat den Projektierungskredit von 80'000 CHF genehmigt.
Der Kredit sei ohne eine einzige Gegenstimme bewilligt worden, sagte Gemeindepräsident Heinz Rieder am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Die Solarmodule sollen an den Lawinenverbauungen oberhalb des Dorfes befestigt werden. 1200 Haushalte könnte das Solarkraftwerk mit Strom versorgen.
"Wir brauchen keinen Quadratmeter Boden", betonte Gemeindepräsident Rieder. Das Vorhaben sei nicht nur innovativ und wegweisend für den gesamten Alpenraum, sondern auch ökologisch wertvoll.
Konzipiert wurde die Anlage von der Zürcher Solar-Ingenieurfirma energiebüro ag. Laut Firmengründer Christian Meier sind Lawinenverbauungen für photovoltaische Solarkraftwerke "der perfekte Standort". In den Alpen herrschten eine erhöhte Sonneneinstrahlung und kühle Temperaturen - ideale Voraussetzungen für Solarkraft.
Der Bau des Solarkraftwerks in der abgelegenen Gemeinde im bündnerischen Prättigau kostet rund 20 Millionen Franken. Die Finananzierung ist noch nicht sichergestellt. Gemeindepräsident Rieder denkt an die Gründung einer Aktiengesellschaft. Und er ist zuversichtlich, Investoren zu finden.
Die Lawinenverbauungen im Alpenraum stellen nach Einschätzung der Firma energiebüro ein riesiges Potenzial für Solarenergie dar. In der Schweiz gibt es rund 500 Kilometer Lawinenverbauungen.
Unter der Annahme, dass 200 Kilometer davon die geeignete Ausrichtung und Grösse für die Montage von Solarmodulen aufweisen, ergibt sich eine potenzielle Energieleistung, um 20'000 Haushalte mit Strom versorgen zu können.
Würden die Verbauungen von 1200 Kilometern im gesamten Alpenraum genutzt, könnte eine Stadt wie Bern mit etwa 50'000 Haushalten Solarstrom beziehen. Das Zürcher energiebüro hat Erfahrung mit Solarkraftwerken. Es entwickelte auch die Anlage auf dem Dach des Stade de Suisse in Bern und wurde dafür mit dem Schweizer und dem Europäischen Solarpreis ausgezeichnet.
Keine grossen Einwände gegen das Solarkraftwerk kommen von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL). Geschäftsführer Raimund Rodewald sprach auf Anfrage von einer auf den ersten Blick "relativ bestechenden Idee". Das Chüenihorn, wo die Lawinenverbauungen stehen, sei kein Schutzgebiet.
Fragezeichen setzt Rodewald hinter die Blendwirkung der Solarmodule. Dieser Punkt sei aus wildbiologischer Sicht näher zu prüfen. Die Module dürften kein Störfaktor für das Wild sein.
Grundsätzlich sähe es der SL-Geschäftsführer lieber, wenn St. Antönien die Solarenergie im bebauten Gebiet, mit Modulen auf Hausdächern, fördern würde. Ein Solarkraftwerk auf Lawinenverbauungen sei deshalb nicht die beste, sondern zweitbeste Lösung.

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