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Borodin schweigt weiter

Pawel Borodin beim Verlassen des Genfer Justizpalastes. Keystone

Pawel Borodin ist am Montag (11.06.) in Genf zu einer weiteren Anhörung vor dem Untersuchungsrichter erschienen. Dabei machte der ehemalige Verwaltungschef des Kreml wie schon im Mai von seinem verfassungsmässigen Schweigerecht Gebrauch.

Die Genfer Staatsanwaltschaft verdächtigt Borodin, mehr als 25 Mio. Dollar Schmiergelder von den zwei Tessiner Firmen Mabetex und Mercata für Renovationsaufträge im Kreml und Arbeiten am Präsidenten-Flugzeug kassiert zu haben. Das Geld soll er bei Schweizer Banken gewaschen haben.

Zu der kontradiktorischen Anhörung vom Montag in Genf hatte Untersuchungsrichter Daniel Devaud neben Borodin drei weitere Verdächtige in der Affäre Mabetex/Mercata vorgeladen, zwei Bankiers und einen Anwalt. Ein vierter Verdächtiger, Mabetex-Chef Behgjet Pacolli, musste nicht erscheinen.

Schweigen bis zum Ende

Borodin habe sein verfassungsmässiges Recht genutzt und weiter geschwiegen, sagte sein Anwalt Robert Assael nach der Anhörung. Borodin war auf 9.30 Uhr ins Gericht bestellt worden, das er gegen Mittag wieder verliess.

Sein Anwalt begründete Borodins Schweigen danach nochmals. Sein Mandant, nun Staatssekretär der Union Russland/Weissrussland, sei der Ansicht, dass er nicht gegen das Gesetz verstossen habe. Also brauche er sich vor Gericht auch nicht zu rechtfertigen.

Borodin wolle bis zum Ende des Verfahrens schweigen, erklärte Assael weiter. Und hoffe, dass das Ganze rasch über die Bühne gehe. Assael sieht nur ein mögliches Ende, nämlich dass Borodin von allen Vorwürfen freigesprochen wird.

Neuer Termin im Juli

Untersuchungsrichter Devaud legte für den 4. und 5. Juli eine weitere Anhörung fest. Aus seiner Sicht sei Borodin kein Opfer von Untersuchungsrichter Devaud, sagte sein Anwalt Assael weiter. Die Untersuchung nehme ihren normalen Lauf mit etwa einer Anhörung pro Monat.

Auf Unverständnis stösst bei Assael hingegen, dass Borodin trotz seines Schweigens weiter zu den Anhörungen vorgeladen wird, während Pacolli nicht erscheinen müsse. Auf Fragen von Journalisten erklärte der Anwalt zudem, Borodin zahle die Reisen von Moskau nach Genf selber und werde keine Entschädigung fordern.

Mabetex-Chef Pacolli war für die Anhörung am Montag von Devaud nicht vorgeladen worden, wie sein Tessiner Anwalt Edy Grignola in Chiasso erklärte. Weder Pacolli noch ein anderer leitender Mabetex-Vertreter oder enger Mitarbeiter von Pacolli waren am Montag in Genf, sagte Grignola.

Verfahren in Russland eingestellt

Die russischen Ermittlungsbehörden hatten ihre Untersuchung gegen Borodin im vergangenen Dezember eingestellt. Am 17. Januar war Borodin dann auf Grund eines Schweizer Ersuchens in New York festgenommen und am 7. April an Genf ausgeliefert worden. Am 12. April kam er aus der Untersuchungshaft frei, nachdem Moskau eine Kaution von fünf Mio. Franken hinterlegt hatte.

swissinfo und Agenturen

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