Holocaust-Versicherungspolicen: Weltweite Informationskampagne gestartet
Die Internationale Kommission für Versicherungs-Ansprüche aus der Zeit des Holocaust (ICHEIC) ruft Holocaust-Überlebende und Erben von Opfern auf, Ansprüche auf nicht ausbezahlte Versicherungspolicen aus dem Zweiten Weltkrieg anzumelden.
Die Internationale Kommission für Versicherungs-Ansprüche aus der Zeit des Holocaust (ICHEIC) ruft Holocaust-Überlebende und Erben von Opfern auf, Ansprüche auf nicht ausbezahlte Versicherungspolicen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs anzumelden. Am Dienstag (15.02.) wurde eine weltweite Informationskampagne lanciert.
«Es ist unsere unmittelbare Verantwortung, Versicherungs-Ansprüche auszuzahlen, die Opfern des Holocaust überall auf der Welt zustehen», erklärte der ICHEIC-Vorsitzende und frühere US-Aussenminister Lawrence Eagleburger am Dienstag in Washington.
Die Informationskampagne der ICHEIC betrifft nicht ausbezahlte Lebens-, Ausbildungs- und Aussteuer-Policen aus der Zeit zwischen 1920 und 1945. Sie läuft in den nächsten vier Monaten in 70 Ländern Amerikas, Europas, der früheren Sowjetunion und in Israel. Sie umfasst weitere Pressekonferenzen und zeitlich gestaffelte Zeitungsinserate mit Anmeldetalons zur Anforderung von Unterlagen.
Mehrere Versicherungen hatten sich nach dem Zweiten Weltkrieg geweigert, Policen von Holocaust-Opfern an Erben auszuzahlen, und als Beweis für den Tod amtliche Totenscheine angefordert.
Die in der ICHEIC vertretenen Versicherungen Zürich, Winterthur, Allianz, Generali und Axa mit ihren Tochterfirmen hätten nun vereinbart, weniger strenge Masstäbe anzulegen, um der Komplexität der Ansprüche gerecht zu werden, heisst es in einer Pressemitteilung der Kommission. Ausserdem wurden laut Eagleburger 10’000 jüdische Organisationen und Holocaust-Überlebenden-Verbände über die Massnahmen informiert und gebeten, bei der Suche nach Berechtigten mitzuwirken.
Die zur ICHEIC gehörenden Versicherungen haben für die Prüfung der Ansprüche ein unabhängiges Verfahren entwickelt. Dieses erlaubt es, relevante Aufzeichnungen und Archive zu überprüfen. Für Anspruchsteller werden kostenlose Informations-Telefonlinien, besondere Poststellen sowie mehrsprachige Websites im Internet eingerichtet. Ansprüche an Versicherungen, die nicht der Kommission angehören, werden zur Prüfung an die entsprechenden Unternehmen weitergeleitet.
Ein separater humanitärer Fonds, den die beteiligten Versicherungen gründen, wird die Ansprüche aus Policen nicht mehr existierender Gesellschaften überprüfen und allenfalls entschädigen. Auch eine unabhängige Beschwerdeinstanz wird eingerichtet.
Die der ICHEIC angehörenden Versicherungen unterstützen die von Eagleburger lancierte Informationskampagne. Sie sei ein wichtiger Schritt zur Klärung des Problems der nicht ausbezahlten Policen von Holocaust-Opfern, heisst es in einer Erklärung der Versicherungen. Sie verpflichten sich zu einer fairen und gerechten Erfüllung des Anspruchsverfahrens.
Weitere Informationen sind auf der Internet-Website der ICHEIC zu finden.
SRI und Agenturen
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