Kuoni: Rekordverlust, aber Schweizer Glanzergebnis
Der Reisegigant Kuoni weist für das vergangene Jahr einen Verlust von 282 Mio. Franken aus. Eine Überraschung ist der Rekordumsatz in der Schweiz.
Schon im November 2001 meinte Hans Lerch, der CEO des Schweizer Reisekonzern Kuoni, zu Presseberichten: «Die Financial-Times-Schätzung von rund 300 Mio. Fr. Verlust fürs Geschäftsjahr 2001 will ich nicht kommentieren. Sicher dürfte einzig sein, dass Kuoni für das Gesamtjahr 2001 einen Verlust schreiben wird.»
Mitte Woche ist nun der Verlust für 2001 bekannt geworden: 280 Mio. Fr. Mit anderen Worten: Die Finanzanalysten wussten knapp zwei Monate nach dem 11. September bereits auf 20 Mio. genau, wie hoch der Jahresverlust des Reiseveranstalters wohl ausfallen wird. Im touristischen Hochjahr 2000 hatte Kuoni noch einen Gewinn von 115 Mio. Franken erzielt. Die Börse, die dies alles schon vorweggenommen hatte, reagierte positiv: Die Preise für Kuoni-Namenaktien stiegen um 4%.
Schlechtes Jahr wird ausgenützt
Der Reiseveranstalter führt den Einbruch zudem auf Goodwill-Abschreibungen in der Höhe von über 200 Mio. Franken zurück. Das Ergebnis wurde im weiteren von Rückstellungen für ein überzähliges Flugzeug der skandinavischen Tochter Apollo in Höhe von 80,5 Mio. Franken belastet.
Im Klartext: Man nutzt das erwartete schlechte Geschäftsjahr 2001 auch dazu aus, nötige Abschreibungen rund um Neubewertungen von gekauften Tochtergesellschaften zu tätigen. Das ist der Preis für die in den vergangenen Jahren betriebene Expansionsstrategie.
Lerch bezeichnete das Jahr 2001 vor den Medien als «das schwierigste in der Nachkriegszeit».
Glanzergebnis in der Schweiz
Von den über 4 Mrd. Franken, die Kuoni weltweit umsetzt, entfiel 2001 1,058 Mrd. Fr. aufs Geschäft mit Touristen aus der Schweiz (+2,2% gegenüber Vorjahr): Ein neuer Rekord, trotz Betriebsgewinnrückgang auf 46 Mio. Fr. Kuoni Reisen AG, Edelweiss Air, Manta Reisen, Privat Safaris, Railtour und Rotunda Tours, die Vertriebsorganisationen Popularis und PRS sowie die Incoming-Agenturen in Griechenland erzielten zusammen diesen Rekord.
Im Geschäftsbereich «Incoming und Asien» kommt die Schweiz nochmals vor: Als sichere Feriendestination auch für Überseetouristen. In diesem Geschäft gilt Kuoni als Nummer eins für die Schweiz.
Schwarze Zahlen kamen ausser im Bereich Incoming & Asien auch in Grossbritannien, Nordamerika sowie bei den Geschäftsreisen zustande. In Skandinavien wurde der Umsatz zwar verdreifacht, doch resultierte ein Betriebsverlust. Im Bereich Europa fielen Umsatz- und Betriebsgewinnsentwicklung negativ aus.
Besseres laufendes Jahr 2002
Wie der Kuoni-Konzern am Mittwoch weiter mitteilte, sank der Umsatz leicht auf 4,065 Mrd. Franken. Im laufenden Jahr will Kuoni das Ergebnis deutlich verbessern. Die Buchungseingänge in den ersten Wochen 2002 liessen darauf schliessen, so Kuoni, dass die Reiselust in allen wichtigen Märkten zurückkehre. Im November 2001 hatte man beim Veranstalter den Verlauf des 2002er Geschäftsumsatzes noch mit einem Minus von 15% eingeschätzt.
Wichtig für den «Bergsommer»
Das UNO-Bergjahr 2002, das kürzlich in Berlin an der Internationalen Tourismus-Messe eingeläutet wurde, dürfte Kuoni in seinem Europa-Geschäft einiges an Mehrumsatz bringen (Zum Bergjahr 2002 und zum Bergsommer Schweiz siehe Links unten am Artikel). Die Schweiz verdient jährlich mit den Touristen aus dem Ausland über 12 Mia. Franken an Direktumsatz. Auf Tour Operators wie Kuoni entfällt davon nur ein kleinerer Teil. Doch unter den Incoming-Operators für Schweiz-Arrangements spielt Kuoni die erste Geige.
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