Niederlage in der Wüste
Martina Hingis hat im Final von Indian Wells eine der unerwartetsten Niederlagen ihrer Karriere bezogen. Sie unterlag Daniela Hantuchova 3:6, 4:6.
Ein Erfolg wäre für Martina Hingis der bedeutendste Turniersieg seit Ende 2000 gewesen, als sie zuerst in Zürich und später im Herbst das Masters in New York gewann. Seither verlor Hingis regelmässig wichtige Spiele, zuletzt den Australian-Open-Final nach vier vergebenen Matchbällen gegen Jennifer Capriati.
Nun klappte es auch in der Wüstenoase Indian Wells nicht, obwohl die gefährlichsten Gegnerinnen der Vergangenheit entweder nicht am Start oder längst ausgeschieden waren.
Hingis hatte in den fünf Partien bis ins Endspiel nur 18 Games abgegeben und überzeugt. Gegen Hantuchova befand sie sich aber vornehmlich in der Defensive: Sie brachte nur zwei von acht Aufschlags-Spielen durch und musste sehr viel Laufarbeit verrichten.
Hantuchova, die mit dem Aufschlag und der Vor- und Rückhand über drei gefährliche Waffen verfügt, machte fast alles: Sie schlug 33 Winner und beging 39 unerzwungene Fehler. Hingis: «Hantuchova spielte ohne Angst, sie hatte ja nichts zu verlieren. Als ich 18 war, gelangen mir auch solche Spiele.»
Tatsächlich hätte das Verdikt sogar noch deutlicher ausfallen können, wenn Hantuchova nicht bei 5:2 im zweiten Satz kurzzeitig Angst vor der eigenen Courage bekommen hätte.
Das Nervenflattern war allerdings mehr als verständlich und nur von kurzer Dauer: Während Hingis schon 40 Titel auf der Tour gewonnen hatte, bestritt Hantuchova ihr erstes Endspiel. Hantuchova ist die am schlechtesten klassierte Spielerin, die seit 1980 ein Tier-1-Turnier der WTA-Tour gewinnen konnte.
Starpotenzial und Sportgeist
Für die 18-jährige Slowakin dürfte dieser Erfolg der Beginn einer beachtlichen Karriere gewesen sein.
Einige Facts zu Hantuchova: Sie ist in der Industriestadt Poprad geboren und in Bratislava wohnhaft. Trotz ihrer Grösse von 181 Zentimetern bewegt sie sich erstaunlich gut, ist auf und neben dem Platz attraktiv und hat Starpotenzial.
Nach diesem Turnier wird sie im Ranking von Platz 26 auf Platz 17 vorrücken. Vor Indian Wells gewann Hantuchova an Grand-Slam-Turnieren die Mixed-Titel in Wimbledon 2001 und Australien 2002.
Hingis bleibt trotz der Lehrstunde vor 16 000 Zuschauern ein mickriger Trost: Sie verbessert sich im Ranking vom Montag wieder von Platz 4 auf 3.
Vor Key Biscayne ist sie indes um die Gewissheit reicher, dass sie neu und langfristig eine weitere «Hardhitterin» als Gegnerin auf der Rechnung haben muss. Zudem werden vor den Toren Miamis auch die Williams-Schwestern sowie Jennifer Capriati wieder spielen, die in Kalifornien fehlten.
swissinfo und Agenturen
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